Reinhard Mey: „Christliche Ideale sind für mich hohe Lebensideale“

Der Liedermacher Reinhard Mey hat fast 60 Jahre nach seiner ersten LP sein nunmehr 30. Studiowerk mit dem Titel „Schatzhauser“ veröffentlicht und ist damit am vergangenen Freitag auf Platz 1 der deutschen Albumcharts eingestiegen. Darauf singt der 83-Jährige vom Leben und vom Tod, von Ängsten und von Trost. Im Zuge der Veröffentlichung sprach Mey im Interview mit der FAZ auch über seine christliche Prägung.

Mit der Schlagzeile „Reinhard Mey: Rekord! Mit 83 auf Platz 1 der Charts“ titelte die BILD zur fünften Nummer-eins-Platte in der Karriere des Liedermachers. Noch nie zuvor hat ein Musiker in diesem Alter den Thron der deutschen Charts erklommen.

 

 

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Mit dem Album „Schatzhauser“, das Mey nach einer Figur aus einem Märchen von Wilhelm Hauff benannt hat, bietet der Liedermacher seinen Fans eine Besonderheit. Fast 60 Jahre nach seiner ersten LP erschien sein nunmehr 30. Studiowerk zum ersten Mal nicht wie üblich im Mai, sondern im September. Überdies spielte der Barde sein Album komplett alleine ein – ohne aufwendige Arrangements, nur mit seiner Stimme und Gitarre.

Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärte Reinhard Mey, dass er mit seinem neuesten Werk zu seinen Wurzeln zurückkehren wollte und genau wie bei seiner allerersten Platte die Lieder „ganz schlicht, ganz einfach, ganz allein“ aufnehmen wollte.

Auch wenn Abschied und Vergänglichkeit Themen auf dem Album sind, will Mey sein 30. Album nicht als Abschied verstanden wissen. Gegenüber der FAZ betont der 83-Jährige, dass er bestimmte Dinge schon mal formuliert haben wollte, „für den Fall, dass der Abschied kommt, dass nichts mehr übrig ist und nichts ungesagt ist“. In der Produktbeschreibung zu „Schatzhauser“ heißt es dann auch: ‚Das Album deutet auf die Schönheit des Sonnenuntergangs, auch wenn er das Ende des Tages markiert. Doch ein Sonnenuntergang im Sommer im Norden, erstreckt sich sehr lange. Schatzhauser ist das feinsinnige 30. Album von Reinhard Mey. Vom letzten war hier mit keiner Silbe die Rede!‘

Im Interview mit der FAZ klingt beim Land und Leute prägenden Dichter und Liedermacher die Hoffnung auf Wiedersehen nach dem Tod durch. So etwa als im Interview die Tante seiner ersten Frau zum Thema wird, von der er auf seinem neuen Album erzählt. Dies sei als eine Verneigung im Nachhinein und Entschuldigung dieser Tante gegenüber zu verstehen, schildert Mey und betont an diese Dame gerichtet:

„Ich will hoffen, dass du mich vom Paradies aus siehst, wie ich mich vor dir verneige.“

Mit Blick auf seinen Song „Abendlied“ berichtet der Liedermacher, dass die kindliche Angst vor der Dunkelheit ihn auch im neunten Lebensjahrzehnt nicht verlassen habe und „sogar etwas stärker“ geworden sei. Das Leben habe ihn „mit allem beschenkt, auch mit abgrundtiefem Schmerz“, fügt Mey zu seiner Lebenserfahrung an.

Darauf angesprochen, dass auf „Schatzhauser“ ein Lied wie ein Choral klinge, er in einem anderen Song Psalm 23 vom guten Hirten zitiere und überdies erkläre, dass er „wider besseren Zweifel“ daran glauben möchte,  in „Gottes Hand“ aufgehoben zu sein, erklärt Reinhard Mey, dass er „bekennender Agnostiker“ sei. Dazu betont er jedoch:

„Aber auch für einen finsteren Heiden ist das eine schöne Vorstellung: Es kann dir gar nichts passieren, du liegst in Gottes Hand.“

An den Worten aus Psalm 23 könne man sich selbst als Agnostiker festhalten, merkt Mey an und lässt zu seiner Prägung wissen, dass er evangelisch getauft und konformiert sei und seine Eltern zwar „keine frommen Leute“ jedoch „sehr gute Bibelkenner“ gewesen seien. Zur Bedeutung dieser Prägung erklärt der 83-Jährige:

„Christliche Ideale, Nächstenliebe, Verzeihen, Barmherzigkeit sind für mich hohe Lebensideale.“

 

Quellen: bild.de (1), antenne.de, blick.ch, bild.de (2), faz.net

Anmerkung: Bereits in der Corona-Zeit verwies Reinhard Mey in einer Darbietung seines Liedes „Viertel vor sieben“ auf den Halt, den er in Psalm 23 erfährt.

Zusammen mit dem Gitarren-Virtuosen Jens Kommnick präsentierte Reinhard Mey im Juni 2020 auf seinem YouTube-Kanal den Song „Viertel vor sieben“, den Mey 1998 auf seinem Album Flaschenpost veröffentlichte. In der 2020er Darbietung setzte Deutschlands Liedermacher Nummer 1 Worte aus Psalm 23 aus der Luther-Bibel. Dem entsprechend sprach Reinhard Mey zum Ende des Songs folgende Worte:

„Und ob ich wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unheil; denn Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

 

Was das Wandern im finsteren Tal bedeutet, kennt Reinhard Mey aus eigener Lebenserfahrung. Im aktuellen FAZ-Interview erklärte der 83-Jährige, dass ihn das Leben „auch mit abgrundtiefem Schmerz“ konfrontiert habe. Im Mai 2014 war sein Sohn Maximilian nach einem etwa fünf Jahre dauernden Wachkoma gestorben. In dieser Zeit präsentierte Reinhard Mey auf einer Tournee das Gedicht „Bedenkt“ von seinem Freund, dem Kabarettisten und Liedermacher Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), der gläubiger Christ war.

Die wunderschönen Zeilen des Gedichts „Bedenkt“ gibt es HIER

Den Mey-Song „Viertel vor sieben“ in der Fassung aus dem Jahr 2020 mit Worten aus Psalm 3 am Ende des Liedes gibt es: