Skisprung-Legende Sven Hannawald gewann im Jahr 2002 als erster Sportler die Vierschanzentournee mit Siegen in allen vier Wettbewerben. Er wurde Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister. 2002 wurde Hannawald als Deutschlands Sportler des Jahres geehrt. 2004 musste er seine Karriere aufgrund von Burn-Out beenden. Heute ermutigt er Menschen, nicht den Glauben an sich selbst zu verlieren. Für ihn persönlich ist dabei auch der Glauben an Gott ein wichtiger Parameter.

Wie die BILD aktuell berichtet, hat Sven Hannawald bei „Xing-News“ Menschen ermutigt, die aufgrund der Corona-Krise Zukunftsängste plagen. Diesen Zustand kenne er als ehemaliger Skispringer gut, weil seine materielle Situation vom Erfolg abhing, den man gerade beim Skispringen „nicht immer planen“ konnte. Diesbezüglich rät der 45-Jährige: „Ruhe bewahren, mit den Ressourcen haushalten, den Glauben an sich selbst nicht verlieren.“

Dabei weiß Hannawald, wovon er spricht. Am 29. April 2004 wurde öffentlich, dass Sven Hannawald am Burnout-Syndrom litt und sich zur Behandlung in eine Spezialklinik begeben habe. Heute ist der ehemalige Skisprung-Star wieder gesund. Er arbeitet als Unternehmensberater und TV-Experte und führt ein glückliches und abgesichertes Familienleben in München. Rückblickend sieht er sogar einen Sinn in seiner durchlebten Krise. Dazu erklärte er, dass aus heutiger Sicht rückblickend die Phasen der Krise „sehr wertvoll und wichtig“ für ihn gewesen seien. Dazu betonte Sven Hannawald:

„Krisen haben großes Potenzial, auch wenn es zunächst schwierig erscheint, darin einen Sinn zu sehen.“

Um Krisen zu bewältigen, hilft dem 45-Jährigen der Blick nach oben, in dem Sinne, dass er die Situation „als eine Art höhere Gewalt“ annimmt. Dazu erklärte er:

„Obwohl ich nicht gläubig bin im christlichen Sinne, denke ich, dass irgendwas da draußen auf uns aufpasst. Ich versuche, darauf zu vertrauen, dass bestimmte Wege vorgeschrieben sind und wir auch mal Verantwortung abgeben dürfen, um uns zu entlasten.“

Dabei sei es wichtig, positiv zu bleiben und sich daran zu erinnern, dass mit Blick auf bewältigte Krisen in der Vergangenheit „noch immer alles gut gegangen ist“, so der ehemalige Skisprung-Star.

In dieser Annahme versuche er in Krisenzeiten bei sich zu bleiben und seinem Instinkt zu folgen, was Sven Hannawald wie folgt weiter beschrieb:

„Wir alle haben so eine innere Stimme, die uns hilft, wenn wir sie zu Wort kommen lassen.“

Diese simple Botschaft sei aber im Alltag nicht so einfach umzusetzen, weil: „Da sind wir abgelenkt von Arbeit und Aktivitäten, von Social Media und der Nachrichtenflut“, so Hannawald.

In der aktuellen Situation der Corona-Krise ergebe sich durch das Mehr an Zeit folgende Chance:

„Jetzt haben wir die Möglichkeit, genauer in uns hineinzuhören.“

Dabei berichtet Hannawald aus eigener Erfahrung, denn: „Aus dem Skispringer Hannawald wurde nicht über Nacht ein Unternehmensberater“, so der 45-Jährige. Dazu brachte er zum Ausdruck, dass in der Phase der Neuorientierung Geduld ein wichtiger Wert ist, weil Veränderung eben „nicht von heute auf morgen“ geschehe.

Weiter betonte Hannawald, dass gerade in Zeiten der Krise seine Familie ihm Halt bietet.

Mit Blick auf die Menschheitsfamilie äußerte Sven Hannawald die Hoffnung, dass wir aufgrund der weltweiten Krise, die er „sicherlich nicht schönreden“ möchte, sondern „realistisch“ sehe, „eine neue Form von Solidarität und Zusammenhalt entwickeln“. In diesem Zusammenhang äußerte er:

„Die ganze Welt kämpft gemeinsam gegen denselben unerwünschten Eindringling. Das kann man als Zeichen sehen.“

An dieser Stelle richtet er seinen Blick nach oben.

Bereits im Dezember 2011 bekannte sich Sven Hannawald im Interview mit der Zeitung Die Welt zum Glauben an Gott. Damals berichtete Hannawald mit Blick auf seine sportlichen Erfolge, dass ihm das Erreichte auch dankbar „gegenüber höheren Mächten“ mache. Auf die anschließende Frage, ob er an Gott glaube, antwortete der Skisprung-Star:

„Ja, ich glaube an Gott, muss aber nicht dafür bezahlen oder jeden Tag in die Kirche laufen.“

Den Glauben habe er von seiner Familie mitbekommen, worüber er froh sei, weil seiner Meinung nach, ohne Glauben vieles schwieriger sei und man sich „vielleicht allein“ fühle. Weiter betonte er:

„Ich glaube, dass das eigene Wesen irgendwo von einer anderen Sphäre geleitet wird.“

Der Glaube habe ihn auch in der Zeit seines Burn-Outs geholfen, sagte Hannawald damals. Dazu erklärte er weiter:

„Wenn du daran glaubst, dass gewisse Dinge vorher bestimmt sind, bist du bereit, einiges durchzustehen. Du hoffst, dass alles den Weg so geht, wie er vielleicht vorherbestimmt ist.“

Er sei in der Zeit des Burn-Outs „so am Ende“ gewesen, dass er anstehende Aufgaben nicht mehr bewältigen konnte. Dadurch habe er gelernt, sich Zeit zu nehmen und abwarten zu können. Außerdem sieht er es als wichtige Erkenntnis, sich “ Zeiten einzugestehen, in denen ich müde bin“, so Hannawald.

Im April 2014 sprach Sven Hannawald im Interview mit dem Magazin „Das Milieu“ ausführlich über den Umgang und die Überwindung des Burnout-Syndroms. Auch in diesem Gespräch verwies er auf seinen Glauben, der für seinen Heilungsprozess „natürlich wichtig“ gewesen sei. Dabei erklärte der ehemalige Ausnahmeskispringer, der in der ehemaligen DDR aufwuchs:

„Meine Eltern haben uns damals im Osten nicht getauft, aber trotzdem weiß ich, dass eine höhere Macht über uns wacht bzw. uns auch unseren Weg aufzeigt.“

Weiter führte er aus:

„Dementsprechend ist es klar, wenn jemand tiefgläubig ist, so denke ich, dass das positiv ist, weil man natürlich auch irgendwo den höheren Rückhalt empfindet. Aber nichtsdestotrotz ist natürlich auch die eigene Familie wichtig, weil man dort den näheren Rückhalt verspürt. Aber Glaube ist für mich dennoch ein großes Thema.“

Mit Blick auf seinen (noch) nicht konkreten Glauben bezeichnete sich Sven Hannawald im Milieu-Gespräch als Agnostiker.

Quellen: bild.de, wikipedia.org, welt.de, dasmili.eu