Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Übergabe DFB-Pokal an Botschafter Toni Schumacher und Janus Fröhlich-6556, cropped, CC BY-SA 4.0

Harald „Toni“ Schumacher war zu seiner aktiven Zeit einer der weltbesten Fußball-Torhüter. Die Erfolgsliste des heute 66-Jährigen ist lang. So wurde er 1978 mit dem 1. FC Köln Deutscher Meister und 1977,1878 sowie 1982 DFB-Pokalsieger. 1989 wurde er mit Fenerbahçe Istanbul Türkischer Meister. Mit der Nationalmannschaft gewann er  1980 die Europameisterschaft und wurde 1982 sowie 1986 Vize-Weltmeister. 1984 und 1986 wurde Schumacher zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt und 1986 erhielt er als zweitbester Spieler der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexico den Silbernen Ball. Dass er nicht noch mehr Titel errang und 1990 beim Weltmeistertitel der Nationalmannschaft nicht mehr dabei war, lag rückblickend auch an seiner bedingungslosen Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Sein Wertegerüst erhielt er durch die Erziehung im christlichen Glauben. Darüber sprach Toni Schumacher aktuell im Interview mit Andraes Raffeiner, das in der Katholischen Sonntagszeitung vom 12./13.9.20 veröffentlicht wurde.

Gegenüber der katholischen Sonntagszeitung betonte der ehemalige Weltklasse-Keeper, dass er von seinen Eltern mit einem klaren Wertebild erzogen wurde, wobei der christliche Glaube eine wichtige Rolle spielte. Dazu sagte Schumacher:

„Ich wurde von meinen Eltern zu einem gläubigen Menschen erzogen.“

Dabei brachte Toni Schumacher zum Ausdruck, dass im Rahmen seiner Erziehung Werte wie Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit grundlegend gewesen sind. So beschreibt er sich auch heute als „ein absolut ehrlicher Typ“, dem Werte wie Gerechtigkeit und Verlässlichkeit sehr wichtig sind. Weiter charakterisiert er sich wie folgt:

„Ich stehe für Ehrlichkeit, Leidenschaft, Ehrgeiz und Fleiß. Das ist meine persönliche Viererkette.“

Diese bedingungslose Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wurde ihm 1987 zum Verhängnis, als er in seinem Buch „Anpfiff“ Missstände wie etwa Doping im deutschen Fußball anprangerte, woraufhin er sowohl von seinem Verein dem 1. FC Köln als auch vom DFB aus der Nationalmannschaft suspendiert wurde. Bereits in der Vergangenheit betonte Toni Schumacher stets, dass er das Buch jederzeit wieder schreiben würde, was er einmal mit folgenden Worten betonte:

„Lieber ein Knick in der Laufbahn als im Rückgrat.“

Auch gegenüber der katholischen Sonntagszeitung erklärte Schumacher nun, dass er damals die Wahrheit geschrieben hätte und seine Reformvorschläge im „Skandal um Dopinggeständnisse“ untergegangen seien. So habe der Spiegel 2012 geschrieben, dass der deutsche Fußball 25 Jahre nach seinem Buch „wie die Blaupause von Schumachers Ideen“ wirke, betonte Schumacher weiter.

Wie dem auch sei. Auf jeden Fall ist Toni Schumacher ein Mensch mit klarer Haltung und Prinzipien.

Orientierung in seiner Lebenshaltung gibt ihm sein Glauben, dass es Gott und damit eine letztgültige Instanz gibt. In diesem Zusammenhang sagte er:

„Ich denke, es ist immer wichtig sich vor Augen zu halten, dass es im Leben nicht immer um unseren persönlichen Vorteil geht.“

Wie der heutige Nationaltrainer Joachim Löw verbindet auch Toni Schumacher Gott mit einer Instanz der Liebe und Uneigennützigkeit. Zu seinem Gottesbild erklärte er weiter:

„Vor allem aber ist er [Gott] für mich jemand, der immer ansprechbar ist.“

An Gott könne man sich auch „ohne schlechtes Gewissen“ wenden, „wenn wir eine Bitte haben oder alleine nicht mehr weiter wissen“, so Schumacher.

Im Interview mit der katholischen Sonntagszeitung berichtete der ehemalige Weltklasse-Keeper, dass der Glaube an Gott auch zu seiner Zeit als Fußballer eine Rolle spielte. So seien er und Teamkollegen bei der WM 1986 in Mexico mit dem späteren DFB-Präsidenten Egidius Braun vor den Spielen „immer in die Kirche gegangen“. Er habe dabei aber nicht für einen Sieg gebetet, sondern sei vielmehr dem Motto gefolgt: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, so Schumacher.

Dass Fußballstars von heute überzeugte Christen sind, die offen zu ihrem Glauben stehen, sieht Schumacher als „Gewinn unserer aufgeklärten Gesellschaft“. Dazu betonte er weiter:

„Jeder kann seine Überzeugungen und seinen Glauben öffentlich zeigen, solange er niemanden damit schadet.“

Darauf angesprochen, wie das Zitat Jesu „Ihr könnt nicht Gott dienen und den Menschen“ (Lk 16,13) mit den religiösen Beteuerungen von Superstars wie Lionel Messi oder Neymar gemessen an ihrem übervollem Bankkonto zusammenpasse, antwortete Toni Schumacher ganz im Sinne der Worte Jesu in Lk 6,36-38 . So erklärte er:

„Ich glaube der liebe Gott schaut vor allem darauf, wie Neymar und Messi sich als Christen verhalten, unabhängig davon, wie viel sie verdienen.“

Seiner Meinung nach komme es darauf an, ob sie in ihrem Leben Nächstenliebe und Verantwortung zeigen und sich engagieren, wo Hilfe benötigt wird. Dazu sagte Toni Schumacher:

„Ich bin davon überzeugt, Gott ist weitaus toleranter als wir es sind.“

Quellen: Katholische Sonntagszeitung vom 12.9./13.9.20, sueddeutsche.de, wikipedia.org

 

In seinem Buch „Anpfiff“ aus dem Jahr 1987 schrieb Toni Schumacher an mehreren Stellen, dass ihn das Lied „Revanche“ von Peter Maffay aus dem Jahr 1980 in schweren Zeiten angespornt hat. Hier der Song „Revanche“: