Unvergessen ist die Szene, als Franz Beckenbauer am 8. Juli 1990 nach dem WM-Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft allein mit der Medaille um den Hals über den Rasen des Olympiastadions in Rom lief. Nun, wo sich dieses Ereignis zum 30. Mal jährt, verriet er in einem Interview mit der BILD, was ihm beim Gang über den Rasen durch den Kopf ging.

Zunächst einmal habe er in dem Moment seine Ruhe vor den Fotografen und Journalisten haben wollen, was nur auf dem Rasen selbst möglich war. In der Freude, „dass es so besonders gelaufen ist“, und im Bewusstsein, dass ein solches Turnier „voller Risiken“ ist und eine schlechte Szene genüge, um rauszufliegen, wandte er sich an Gott. Dazu sagte der 74-jährige Fußball-Star:

„Ich habe mich beim lieben Gott bedankt, dass er uns keine Steine in den Weg gelegt hat und uns die ganze Zeit über hat walten lassen.“

Ihm sei im Anschluss „alles Mögliche durch den Kopf“ gegangen, was er wie folgt weiter beschrieb:

„Viele Dinge aus meinem Leben lagen dort auf dem Rasen vor mir.“

Er habe auch an seine Mutter Antoine gedacht, die er als „die wichtigste Person in meinem Leben“ bezeichnete.

 

Wie Kirche im SWR mit Bezug auf die Welt am Sonntag“ (Nr.23 vom 03.06.12) berichtete, blieb Franz Beckenbauer eine Begegnung mit Papst Benedikt XVI. nachhaltig in Erinnerung. Die sei „einer der bewegenden Momente in meinem Leben“ gewesen, erklärte Beckenbauer, dem „diese innere Ruhe, die Würde und die Herzlichkeit“, die er bei der Begegnung mit dem Papst erfuhr, beeindruckte. Seit dem sei er „auch wieder häufiger in die Kirche“ gegangen und auch seine Gebetspraxis habe sich verändert. Dazu sagte der Fußball-Kaiser:

„Wenn ich mit Gott spreche, bitte ich nicht mehr, sondern ich danke nur noch.“

 

Zu Ostern 2019 bekannte sich Franz Beckenbauer in der BamS mit folgenden Worten zur Lebensrelevanz seines christlichen Glauben:

„Ich bin Katholik. Das steht nicht nur in meinem Pass, ich lebe auch nach christlichen Werten. Dazu gehören selbstverständlich auch das Gebet und der Kirchenbesuch.“

Das Vater Unser bezeichnete er vor Jahren einmal als „das Gebet der Gebet“, das ihm Kraft und Stärke gebe und ihm bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben helfe. Hoffnung schöpft er wie viele andere Menschen auch durch den Glauben an ein Leben nach dem Tod. Dazu betonte Beckenbauer:

„Mit dem Tode ist nicht alles vorbei, da bin ich sicher. Ich glaube, dass die Seele eines jeden Menschen wieder dorthin zurückkehrt, wo sie hergekommen ist.“

Im Interview mit der Sportbild (Ausgabe 22 /2019) bezog Franz Beckenbauer im vergangenem Jahr Stellung zu den Grenzerfahrungen in seinem Leben, die er mit Verweis auf seinen Glauben reflektiert. Auf die Frage nach dem Spiel seines Lebens antwortete der „Kaiser“, dass das Spiel seine Lebens „sein Leben“ selbst sei, in dem es „ganz weit nach oben“ gegangen sei und „im nächsten Moment wieder bergab“. Dazu erklärte er:

„Der Herrgott lässt jedenfalls nicht zu, dass du übermütig wirst. Wenn du es trotzdem bist, setzt er dich eine Stufe herab.“

Auf die anschließende Frage, ob er selbst so verspürt habe, äußerte Beckenbauer, dass das in seinem Leben „schon einige Male“ der Fall gewesen sei.

Quellen: bild.de (1), kirche-im-swr.de, bild.de (2), bild.de (3), bild.de (4), Sportbild Ausgabe 22/2019