Foto: Manfred Werner / Tsui, Klaus Maria Brandauer Viennale 2012 a, cropped, CC BY-SA 3.0

Der Weltstar Klaus Maria Brandauer hat im Rahmen der lit.cologne am vergangenen Mittwoch im Kölner Dom die Parabel „Der Großinquisitor“ von Dostojewski gelesen. Brandauer selbst ist gläubiger Christ, wie er in einem aktuellen Interview zu seiner Domlesung mit dem Kölner Stadtanzeiger bekannte.

Auf die Frage, welche Rolle Glaube und Religion in seinem Leben spielen, antwortet Brandauer:

„Eine sehr wichtige – seit meiner Kindheit, durch Tradition und Frömmigkeit in meinem Heimatdorf, mit Kirchgang, viel Musik natürlich, Gesang – und mit tadellosen Vertretern der Kirche, die uns Kinder sehr – wie soll ich sagen – angenehm begleitet haben. Nicht so doktrinär, sondern mit Wohltätigkeit und allerlei Aufgaben, die sie uns anvertraut haben.“
Weiter betonte er, dass er Leute wie Dostojewski mit ihrem Ringen um den Glauben gut verstehen kann. Überhaupt kenne er keinen großen Religionskritiker, „der nicht doch auch einen Glauben hätte“. Auch wenn dieser bei manchem nur „in der Leugnung und der Verweigerung“ bestünde, befindet Brandauer:

„Die großen Religionskritiker sind alle gläubig“.

Auch er selbst hadere immer wieder mit Gott und der Religion. Die Kapitelüberschrift „Ein Atheist von Gottes Gnaden“ in einem Buch von Luis Buñuel bezeichnet er als „ein wunderbarer Satz“.  Seine Frau und er hätten so darüber gelacht, „dass an unserem Haus in Altaussee die Regenrinnen geklappert haben“. Weiter betont er:

„Atheist zu sein von Gottes Gnaden – das ist doch die Lösung für den Glauben. Dann können wir alle dabei bleiben. Nicht von ungefähr bekommt der Glaube gerade bei großen Naturwissenschaftlern, denen man ganz und gar ‚vernünftige‘ Erklärungen für alles in der Welt zutraut, plötzlich wieder eine Bedeutung. Offensichtlich kommt keiner, der seine fünf Sinne noch beisammen hat, an diesem Thema vorbei.“

Mit seinen Zweifeln im Glauben ist Klaus-Maria Brandauer nicht allein und hat vielmehr ein prominenten Mitzweifler. So betonte Papst Franziskus in einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit, dass auch er tiefe Zweifel an Gott kennt.

 

In einem Interview mit Dirk von Nayhauß im Magazin Chrismon bekannte sich Klaus Maria Brandauer im Jahr 2013 auch schon zum christlichen Glauben:

„Ich bin in dieses Land, in seine christliche Kultur und Religion hinein geboren worden, und ich nehme das alles an.“

Als reizvoll empfinde er den christlichen Glauben nicht zuletzt deshalb, da in ihm „auch alle anderen Religionen und Weltanschauungen ihren Platz haben dürfen“. Weiter sagte er, dass sein Glaube im Gespräch mit Atheisten auch immer wieder auf die Probe gestellt werde:

„Ich bin gläubig. Dennoch bin ich gefährdet, nicht zu glauben, wenn ich mit besonderen Gescheithosen zusammensitze, mit Intellektuellen und Gebildeten, die überhaupt nichts mit Gott am Hut haben. Dann denke ich: Wie unmodern bin ich eigentlich? Ich habe auch meine Zeiten gehabt, in denen der Zweifel überwog, deshalb bin ich so wahnsinnig gern bei der Kirche.“

Denn sie gebe ihm die Möglichkeit zu zweifeln. Diesbezüglich betonte Brandauer auch schon mit Verweis auf die erwähnte Kapitelüberschrift im Buch von Luis Buñuel, dass er in Momenten des Zweifels „so ein Atheist“ sei, „aber eben von Gottes Gnaden“. Weiter sagte er:

„Drum geniere ich mich keine Sekunde zu sagen: Er ist immer da. Ich brauche Ihn. Ich kann das nicht allein, wie soll ich das machen?“

Besonders dankbar ist er für Menschen, die uns ein Beispiel und Vorbilder im Glauben sind.

„Dietrich Bonhoeffer ist so einer. Diese Schrecklichkeit, die ihm das Schicksal geschickt hat, und das auch noch in Überzeugung für seinen Glauben! Ich bin so froh, dass wir mit Menschen wie ihm verwandt sind. Die nehmen einem vielleicht auch etwas ab. Man ist vorbereitet auf das, was kommen kann.“

Quellen: ksta.de und chrismon.evangelisch.de

 

Ein Interview mit dem Kölner Generalvikar Dr. Dominik Meiering über die Dostojewski-Lesung im Kölner Dom gibt’s unter domradio.de

Einen Bericht mit Bildern zur Domlesung von Klaus Maria Brandauer, zu der 2.000 Besucher kamen, findet sich hier unter domradio.de