Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Pressekonferenz zur Kundgebung 20 Jahre „Arsch huh, Zäng ussenander“-0595, CC BY-SA 4.0

Der Maler, Musiker und Autor Wolfgang Niedecken ist Frontmann der Rock-Band Bap, die mit ihrem 2018er Album „Live & Deutlich“ zum zwölften Mal auf Platz 1 landete und damit die bestehende Rekordmarke der Beatles von 12 Nummer-1-Alben in den deutschen Album-Charts egalisierte. Aktuell gab der 69-Jährige dem Spiegel ein Interview, in dem er über seinen Hit „Verdamp lang her“ sprach, mit dem er den Tod seines Vaters verarbeitete. Dabei sprach Niedecken auch über seine katholische Prägung und seinen persönlichen Glauben.

Der Bandname Bap bedeutet im Kölschen so viel wie Vater und entstand, wie u.a. auf Wikipedia zu lesen ist, aus dem Spitznamen Niedeckens, der ursprünglich seinen Vater so nannte. Niedeckens Vater war überzeugter Katholik und erzog seine Kinder im christlichen Glauben. Im Bap-Hit „Verdamp lang her“ singt Wolfgang Niedecken auch über den Tod seines Vaters mit folgenden Zeilen:

„Verdammt lang her, dass ich bei dir am Grab war,
Verdammt lang her, dass wir gesprochen haben,
Und dass vom einen auch was beim anderen ankam –
So lang, dass ich mich kaum erinnern kann.
Hast fest geglaubt, dass wer im Himmel auf dich wartet,
„Ich gönn es dir“, hab ich gesagt.“

(Übersetzung aus dem Kölschen – Quelle: bap.de)

Als Wolfgang Niedecken nun im Spiegel-Interview danach gefragt wurde, wann er zuletzt am Grab seines Vaters gewesen sei, erklärte er, dass dies „tatsächlich verdamp lang her“ sei, er aber auch nicht auf den Friedhof gehen müsse, „um Nähe zu spüren“. Wie er bereits 1980 in seinem Hit „Verdamp lang her“ vom festen Glauben seines Vaters berichtete, betonte Niedecken auch gegenüber dem Spiegel:

„Er ist in dem Glauben gestorben, dass im Himmel jemand auf ihn wartet. Das gönne ich ihm!“

Wie schon in vergangenen Interviews (wir berichteten) zeigte sich Wolfgang Niedecken bezüglich seines eigenen Glaubens als Zweifler, der aber eher dem Glauben zugewandt ist. Dazu sagte er:

„Ich denke, ich bin zu 51 Prozent gläubig und zu 49 Prozent nicht. Ich nenne das restkatholisch.“

Zu seinem Gottesbild ließ der Kölner Musiker durchblicken, dass er mit einem strafenden Gott, der Menschen seiner Genration des Öfteren vermittelt wurde, nichts anfangen kann. Diesbezüglich betonte Niedecken im Spiegel-Interview:

„Wenn ich an etwas glaube, dann an einen ‚lieben‘ Gott, nicht den strafenden, bösen.“

 

Sein Bild vom lieben Gott machte Niedecken im Text zum Bap-Song „Kron oder Turban“ aus dem Jahr 2008 zum Thema. Darin singt er:

„Wenn es ihn gibt, dann ist er ein Guter,
Wenn es ihn gibt, vergiss deine Angst.
Wenn es ihn gibt, geht keiner verloren,
Wenn es ihn gibt, haben wir eine Chance.“

(Übersetzung aus dem Kölschen – Quelle: bap.de)

 

Dass sein Bild vom „Herrgott“ durchweg positiv ist, erklärte Wolfgang Niedecken auch im Mai 2019 im Interview mit dem Magazin Chrismon wie folgt:

„Ich halte ihn [Gott] für sehr sympathisch. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er sagt: Bleib in der Spur, zweifele nicht zu viel. Ich hatte unglaublich viel Glück in meinem Leben!“

Weiter erklärte Niedecken seinerzeit, dass das Gebet für ihn von Bedeutung ist. Er rede „mit Gott wie unter Kumpels, wie der Priester in den alten Don-Camillo-Filmen“, so der Künstler. Diese Art des Zwiegesprächs mit Gott, das er als „eine Art agnostisches Beten“ bezeichnet, ist ihm wichtig. Dazu betonte er:

„Es gibt auch Zeiten, wo ich denke: Du hast dich zu lange nicht mehr mit ihm unterhalten. Dann kriege ich ein schlechtes Gewissen.“

 

Seine Dankbarkeit gegenüber Gott brachte der Musiker im Song „Dä Herrjott meint et joot met mir“ („Derr Herrgott meint es gut mit mir“) im Jahr 2016 zum Ausdruck. Dazu erklärte er in einem Video (siehe unten) mit Blick auf sein Wirken als Musiker und Künstler, was ihm beim Nachsinnen während einer Autofahrt zu dem ihm damals von einem Bandkollegen gelieferten Musikmaterial u.a. durch den Kopf ging:

„Was ist das für ein Privileg so leben zu können. Zuhause angekommen, wusste ich wovon dieser Ohrwurm handeln würde. Und zwar von dem Privileg, dass der Herrgott es gut mit mir meint.“

 

Dass ihn auch als Zweifler das atheistische Weltbild nie überzeugte, erklärte Wolfgang Niedecken im Juni 2019 im Interview mit domradio.de wie folgt:

„Ich war nie ein Atheist. Ich bezeichne mich immer als restkatholisch. Als Atheist könnte ich gar nicht leben.“

Der katholische Glaube habe bei seinen Vorfahren stets eine große Rolle gespielt und sei auch ihm in der Kindheit vermittelt worden. Dazu betonte der Bap-Chef:

„Da habe ich auch meine Werte letztendlich her. Das ist meine Religion, in der ich aufgewachsen bin und ich empfinde das auch so.“

Quellen: spiegel.de, wikipedia.org, bap.de, chrismon.evangelisch.de, domradio.de

 

Hier das Statement von Wolfgang Niedecken zu seinem Song „Dä Herrjott meint et joot met mir“: