Pater Christoph Kreitmeir: „Wir feiern die Ernte des Lebens Jesu“
In seiner Predigt zum Pfingstfest 2026 (Lesung: Apg 2, 1-11; Evangelium: Joh 20, 19-23) bringt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir zum Ausdruck, dass trotz allen Unkenrufen Gottes Geist lebendig ist und lebendig machen will.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Das Pfingstfest – der Name kommt von pentekoste, der fünfzigste Tag – ist älter als das Christentum. Das mag uns jetzt etwas verwundern, aber es wurde im Judentum als das Erntefest gefeiert.
Wir können diese alte Bedeutung auch auf unser christliches Pfingstfest anwenden, denn wir feiern die Ernte des Lebens Jesu, das sehr kurz war und doch so fruchtbar.
Sein Sterben hat eine neue Welt eröffnet, die andere Dimensionen hat. Er hat den Tod überwunden und beschenkt die Christen mit besonderen geistigen Gaben.
Pfingsten entwickelt sein Geheimnis und seine Wirkung erst so nach und nach, nämlich im Leben, im ganz normalen Leben.
Sogar gläubige Menschen tun sich schwer zu sagen, welche Bedeutung der Hl. Geist hat. Er scheint irgendwie da zu sein und dann auch wieder nicht.
Mir wird es immer deutlicher, wie wichtig es ist, auf welchen Geist wir uns in unserem Leben ausrichten. Ich habe Menschen vor Augen, die ein Leben lang dem kritischen und negativen Geist in sich Nahrung gaben. Kein Wunder, wenn dann im Alter niemand mit Ihnen etwas zu tun haben will, sie vereinsamen und ihre Negativität noch schlimmer wird.
Und ich habe Menschen vor Augen, die bis ins hohe Alter eine einladende, freundliche und positive Atmosphäre um sich verbreiten, dass es eine wahre Freude ist. Selbstverständlich sehen auch diese all das Negative und das Belastende durch Krankheit und Alter, aber sie lassen es nicht tief in sich hinein. In sich hinein lassen sie den Geist der Liebe, der Barmherzigkeit, der Freude, des Glaubens und der Stärke.
In sich hinein lassen sie den Hl. Geist mit seinen Geistesgaben.
Diese werden im ersten Korintherbrief des hl. Paulus (1 Kor 12, 8-10) unter anderem mit Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis und Frömmigkeit beschrieben (Erklärung siehe unten). Und wenn man diese Gaben in sich immer wieder arbeiten lässt, wenn man mit ihnen an sich arbeitet, dann entwickeln sich die Früchte des Hl. Geistes, die Paulus im Galaterbrief (Gal 5, 22-23) benennt: Liebe, Freude, Friede, Langmut/Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.
Interessant ist für mich, dass auch die Jünger aus Furcht vor den Juden sich bei verschlossenen Türen trafen (Joh 20, 19), sie also auch lernen mussten, mit ihrer Furcht und Angst umzugehen.
Jüngersein heißt Lernender sein!
Ein Jünger, eine Jüngerin Jesu sucht die Gemeinschaft von Gleichgesinnten und lässt sich immer von der Nähe Jesu überraschen, der die Seinen nicht alleine lässt.
Er baut sie immer wieder auf, er haucht ihnen seinen Geist zu, der erneuert, tröstet, stärkt und dann aus der Furcht zum Mut führt. Und er spricht ihnen den Frieden zu. Den inneren und den äußeren Frieden.
Alles, was ängstigt – und das ist so viel – , hat nicht das letzte Wort. Wer Jesus immer wieder in seine Nähe holt, wer Jesus um seinen Beistand, den Hl. Geist, bittet, der wird von innen heraus aufgerichtet und gestärkt.
Dabei haben gläubige Christen immer auch die Wunden Jesu vor Augen, die ihm das Leben geschlagen hat. Jesus zeigt seinen Jüngern diese Wunden und lässt sie nach und nach begreifen, dass Gott kein Gott der Rache ist, sondern ein Gott des Friedens, dass Gott kein Gott der Toten ist, sondern einer, der Leben neu stiftet.
Das heutige Evangelium beschreibt uns, das Jesus, bevor er endgültig zum Vater gehen wird, seine Jünger anhaucht und ihnen den hl. Geist überträgt. Und dann folgt sein Auftrag, der uns nachdenklich, ja still machen sollte, vor allem aber sehr behutsam in unseren Entscheidungen, Urteile zu fällen über andere Menschen.
Jesus überträgt die Verantwortung, die er vom Vater hat, nun an seine Jünger, damals und heute.
Auch wir dürfen mehr und mehr lernen, dass es weniger um äußeren Erfolg, sondern um Nachhaltigkeit geht. Was bleibt an Gutem in meiner Seele? Lerne ich Barmherzigkeit und Liebe, Güte und Demut, Gottvertrauen und resiliente Stärke? Vertraue ich dabei auf Gottes und Jesu Anhauchungen und hinterlasse ich Früchte des Guten?
Gottes Geist, der Pfingstgeist will uns ab heute darin wieder stärken. Amen.
Anbei ein schönes Pfingstlied, das die Worte von Pater Kreitmeir nachklingen lässt:
Hinweis: Anbei eine kurze Erklärung zu den Gaben des Heiligen Geistes:
Weisheit: Die Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und Gottes Wirken zu erkennen.
Einsicht (Verstand): Tieferes Verständnis für den Glauben und die Zusammenhänge des Lebens.
Rat: Die Orientierung, in schwierigen Situationen das Richtige zu tun und anderen gut zuzureden.
Stärke: Mut und Durchhaltevermögen, um auch in Krisen oder gegen Widerstände am Glauben festzuhalten.
Erkenntnis: Das Unterscheidenkönnen zwischen Wahrheit und Täuschung.
Frömmigkeit: Die innere Haltung des Vertrauens, der Liebe und der Gottesbeziehung.
Gottesfurcht: Ehrfurcht vor der Größe Gottes; nicht als Angst, sondern als Respekt und Vertrauen.



