Anselm Grün: „Junge Menschen wollen nicht belehrt werden, sondern verwurzelt sein“
Der Benediktinerpater und Bestsellerautor Anselm Grün, dessen über 300 Werke rund 20 Millionen Mal verkauft und in 31 Sprachen übersetzt wurden, sprach im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ über eine in der Gesellschaft neu aufkommende Sehnsucht nach Spiritualität und seine Erwartung an Kirche.
Der 81-jährige Benediktinerpater, der im Kloster Münsterschwarzach lebt, hebt im Welt-Interview hervor, dass Kirche zum einen ein „Ort der Hoffnung“ und zum anderen auch ein Ort sein sollte, „an dem sich Menschen mit ihren Problemen und Positionen reiben“. So beschreibt er Kirche auch als politischen Ort, wobei es dabei aber nicht darum gehe, ständig Ratschläge zu geben oder Politiker zu bewerten. Moralisierende und besserwisserisch daherkommende Predigten, die den Anschein erweckten für jede gesellschaftspolitische Frage die Lösung haben, empfindet Anselm Grün zudem als störend. Diesbezüglich betont er:
„Was die Menschen wollen, das ist Hilfe fürs Leben.“
Wichtig sei, dass Menschen der Kirche „zu unserem Glauben stehen, den Mut haben, uns auch in glaubensfernen Bereichen dazu zu bekennen, in die Kirche zu gehen und davon innerlich zu profitieren“. Das könne auch Menschen erreichen, die wenig mit Glaube und Kirche anfangen können. So zeigt sich der Benediktinerpater gewiss, dass auch Atheisten an etwa Größeres glauben, indem sie Werte leben und damit zum Ausdruck bringen, dass es etwas Größeres gibt als uns selbst. Dazu erklärt der 81-Jährige:
„Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch eine grundsätzliche Sehnsucht hat, Sehnsucht nach mehr als dem Oberflächlichen.“
So spreche er auch in Vorträgen, bei denen mitunter weniger fromme Leute anwesend sind, „trotzdem von einer Mystik, also von einem heiligen Raum in uns, wo Gott in mir wohnt“. Diese Bild würde „immer wieder“ auch glaubensferne Menschen berühren, schildert Grün weiter und erklärt:
„Da spüren Menschen mitten in der Welt, wie heilsam diese christlichen Symbole sind.“
Auch das Phänomen, dass die Generation Z den Glauben neu entdeckt, erklärt sich Anselm Grün mit der Sehnsucht nach Halt, die der christliche Glaube in einer Zeit der Informationsfülle geben kann.
Bei Jugendkursen, die im Kloster Münsterschwarzach angeboten werden, stelle er fest, dass das traditionelle Chorgebet, mit dem Menschen weltweit seit Jahrhunderten vor Gott getreten sind, die Jugendlichen anspricht und ihnen Halt gibt. Daraus schließt Anselm Grün:
„Die [jungen Menschen] wollen nicht belehrt werden, sondern verwurzelt sein.“
Weiter berichtet der Geistliche, wie tief im Inneren es Jugendliche berührt, wenn er mit ihnen „ein mehr als 1600 Jahre altes Segensgebet“ spricht und die jungen Leute eine Sprache wahrnehmen, „die nichts mit der Kommunikation in den sozialen Medien zu tun hat“, so Grün.
An die Kirche richtet Anselm Grün mit Blick auf eine neue Sehnsucht nach Spiritualität, die in der Gesellschaft sichtbar wird, die Erwartung, dass Kirche den Menschen zuhöre und dabei entdecken möge, was diese bewegt und ihnen Inhalt gibt. Früher hätte Kirche „zu oft von oben herab gepredigt, moralisiert, Forderungen aufgestellt“, erinnert der Benediktinerpater und erklärt nach vorne gewandt, dass die Grundlage der Verkündigung ein Glaube sein müsse, „der einerseits Halt gibt und ein sicheres Wertefundament, und der andererseits zur inneren Freiheit befähigt und nicht zum geistlichen Missbrauch führt“.
Quelle: welt.de
Hinweis: Anbei zwei Statements von Anselm Grün im Interview mit PromisGlauben, in dem der Benediktinerpater bereits im Jahr 2018 über die Sehnsucht des Menschen nach Gott sowie den Kern der christlichen Botschaft spricht.
Statement 1 über Sehnsucht, Glaube und Gott:
Statement 2 über Gemeinschaft im Glauben und den Kern der christlichen Botschaft:



