Norbert Schneider: „Es kann nicht sein, dass ich selbst das Zentrum von allem bin“

Der österreichische Musiker Norbert Schneider, dessen sechs Alben seit 2010 allesamt in den österreichischen Album-Charts landeten und sich mitunter in den Top-5 platzierten, hat nach 5 Jahren Schaffenspause aktuell sein neuestes Album „Ollas paletti“ veröffentlicht, das düstere Lebenserfahrungen und tiefgehende Texte mit Gospel verbindet.

Im Interview mit der österreichischen Kronen-Zeitung sprach der 44-Jährige über existenzielle Ereignisse, mit denen er in den vergangenen Jahren umgehen musste. Dabei ging er auch auf den Glauben an Gott ein.

Schneider berichtete, dass er es in den vergangenen Jahren in seinem „persönlichen Umfeld“ schwer gehabt habe, weil seine beiden Eltern verstarben und eine ihm nahe stehende Person schwer erkrankte. Die Musik sei in dieser Zeit „ein wichtiges Werkzeug, das mich wieder aufbaut“, gewesen und habe „etwas Therapeutisches“ gehabt, so der Liedermacher.

Darauf angesprochen, dass ‚ein besonders großer Teil‘ des Albums dieses Mal nach Gospel klinge, erklärte Norbert Schneider, dessen Song „Take it easy“ 2010 auf Platz 2 der österreichischen Single-Charts gelandet war, dass er aus der Blues- und Jazzecke komme und dort für ihn Funk, Soul, Gospel und Country dazugehören.

Dass er sich nach seinem ersten großen Erfolg 2010 treu blieb und nicht einem Drang nach Erfolg unterliegend irgendwelchen Trends nachlief, begründete der 44-Jährige folgendermaßen:

„Ich habe das Glück, dass ich mit einer großen Starrköpfigkeit gesegnet bin und wusste immer, dass ich mein Ding durchziehen muss.“

Herzblut und Frische in der Musik seien ihm „wichtiger als eine Nummer eins in den Charts“, so der Künstler.

In seinem Song „I wü an wos glaum“ macht Norbert Schneider auf seinem neuen Album seine Sehnsucht nach Glauben zum Thema. Dazu erklärte er gegenüber der Kronen-Zeitung:

„In dem Lied beschreibe ich den Wunsch nach einem Glauben.“

Schneider berichtete, dass er „sehr religiös aufgewachsen“ sei und sein Bruder „in der örtlichen Pfarre noch heute Messner“ sei. Er selbst habe früher selbst als Ministrant gedient, sei aber später aufgrund der Verfehlungen innerhalb der Kirche ausgetreten. Dazu betonte er:

„Ich war trotzdem immer auf der Suche nach etwas Spirituellem.“

Dies sei auch im Musikmachen erfahrbar, „wenn man in einer Improvisation aufgeht“. Der Song „I wü an wos glaum“ beschreibe seinen „Wunsch, an etwas zu glauben“, was er wie folgt weiter erklärte:

„Ich bin weder frommer Kirchgänger, noch Katholik, aber in dieser ichbezogenen Selfie-Kultur, in der ich mich bei der eigenen Nase nehmen muss, wäre etwas Halt manchmal schon schön.“

Wenn der Beatles-Musiker John Lennon (1940 – 1980) einst sagte, dass er nur an sich selbst glaube, ist das nach Ansicht von Norbert Schneider „schon schön“, er sei aber darüber hinaus davon überzeugt, dass es „auch noch mehr geben“ müsse. Weiter ergänzte der österreichische Musiker:

„Es kann nicht sein, dass ich selbst das Zentrum von allem bin.“

Quelle: krone.at

Seine Sehnsucht nach Glauben machte Norbert Schneider schon einmal in seinem Lied „Herrgott schau obe auf mi“ im Jahr 2015 zum Thema: