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Pater Kreitmeir: „Wer Vergebung einübt, wird einen großen Gewinn davontragen“

In seiner Predigt zum 24. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: Sir 27, 30 – 28, 7; Evangelium: Mt 18, 21-35) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir Vergebung als Qualität einer grundsätzlichen Lebenshaltung.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Heute sind wir so richtig in dem Text des Evangeliums drin, er spricht uns aus dem Herzen, wir stimmen mit seinem Inhalt überein und auch mit den gehörten Konsequenzen: Recht hat er, der König! Das ist ja unerhört! Da wird dem einen Diener eine unvorstellbare Schuld erlassen, nachdem er darum gebeten hat. Und er selbst bleibt einem anderen gegenüber, der ihm „Peanuts“ schuldet, total hartherzig. Gut so, dass der König da seine ganze Härte zeigt – so spüren wir es in unserem Herzen.

Wir kennen es ja aus unserer Realität: Da werden Milliarden von Euros gleichsam verbrannt und so manche Schuldige bekommen oft sogar noch Boni dafür. Die Kleinen aber – WIR – müssen schauen, wie wir mit unseren Befindlichkeiten und Schulden klarkommen.

Bei all unseren starken Empfindungen und Gefühlen in diesem Bereich sollten wir jetzt aber nicht übersehen, worum es in den heutigen heiligen Texten eigentlich geht:

Es geht um die Kraft der Vergebung. Und das ist vor allem eine geistige Kraft.

Diese Lebenskunst ist quantitativ nicht zählbar, wie Petrus es mit seiner Frage meint: „Herr, wie oft muss ich vergeben? Siebenmal?“

Es geht um die Qualität einer grundsätzlichen Lebenshaltung, wie Jesus das zählbare Denken dann ad Absurdum führt: „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal“. Also unendlich!

Die moderne Psychologie hilft uns, das befreiende Geheimnis der Vergebung genauer zu entschlüsseln (vgl. https://www.wikiwand.com/de/Vergebung_(Psychologie):

Vergebung ist vorwiegend ein innerseelischer Prozess. Durch Vergebung verzichtet eine Person auf den Schuldvorwurf und auf ihren Anspruch der Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts, ohne die erlittene Verletzung zu relativieren oder zu entschuldigen. Durch Vergebung befreit sich die verletzte Person aus der Opferrolle. Sie ist nicht mehr nachtragend. Die Tat kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber die verletzte Person kann besser mit den Folgen leben. Wer vergibt, handelt ähnlich einem Gläubiger, der einem zahlungsunfähigen Schuldner die Schuld erlässt. Vergeben wird nicht die Tat, sondern vergeben wird dem Täter.

Dabei ist auch wichtig, was Vergebung nicht bedeutet:

Die Verletzung wird nicht verleugnet oder vergessen, man übt auch keine falsche Nachsicht. Die Verletzung und deren Folgen werden auch nicht akzeptiert oder gebilligt. Vergebung bedeutet auch nicht unbedingt Begnadigung, also die Erlassung der Strafe des Verletzers. Und: Eine verletzende Handlung wird auch im Nachhinein nicht durch Argumente gerechtfertigt.

Wer die hohe Kunst der Vergebung erlernt – und eigentlich betonen dies alle Religionen – bekommt dabei viel zurück: Seine Selbstwertschätzung nimmt zu, Verbitterung, Wut, Zorn und ähnliche negative Affekte nehmen ab und weniger Angst, Depression und mehr Zufriedenheit nehmen in der Seele Raum ein.

Wer Vergebung in seinem Leben entdeckt und einübt, wird einen großen Gewinn davontragen.

Er durchbricht den ewigen Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt, von Rache und Vergeltung, von negativen Gefühlen anderen gegenüber, die einen dann selbst krankmachen und die Gedanken nicht zur Ruhe kommen lassen. Der Vergeber wird psychosomatisch gesünder, friedvoller und zufriedener. Ihm wachsen Kräfte zu, die Neues bewirken können und diese Welt etwas heller machen.

Vergebung hat aber nicht nur psychologische Quellen, aus denen sie schöpft, ihre eigentliche Kraft ist geistiger Natur, sie kommt von Gott her.

 „Die Vergebung, die Jesus Christus meint, bedeutet, dass die Liebe Gottes Raum gewinnt und jene neue Ordnung schafft, welche unter den Söhnen und Töchter Gottes herrschen soll.“ (Romano Guardini – Religionsphilosoph und Theologe)

Wenn Sie wollen, dass Ihr Leben weicher, gelassener, gesünder, freier, glücklicher und zufriedener werden soll, dann lernen Sie Vergebung. Gott steht dem bei, der seine Hilfe beim Einüben sucht. Amen.

Hinweis: Mehr Infos zu und geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite:

www.christoph-kreitmeir.de