Alt Abtprimas Notker Wolf war Referent am vierten Forum Christlicher Unternehmer. Im Interview mit Georges Scherrer sprach er u. a. darüber, was weltliche Unternehmer von Jesus Christus lernen können.

Auf die Frage, was Jesus, der kein Unternehmen gegründet habe, so gut gemacht habe, dass er heute zu einem weltweit getragenen Label geworden ist, antwortet der Benediktinermönch u. a.:

„Es ging ihm (Jesus) um den Menschen. Und auch um die Grundehrlichkeit. (…) Bei Jesus ging es um den freien selbstständigen Menschen. Er wollte den Menschen wieder zu seiner Freiheit befreien, zur rechten Wahrnehmung der Freiheit.“

Dies sei „bis zum heutigen Tag“ auch ein Problem der Wirtschaft, so Notker Wolf mit Verweis an den Finanzcrash im Jahr 2008. Weiter sagt er dazu:

„Diese Leute haben sich wie kleine Kinder benommen. Diese Gier war völlig unkontrolliert. Sie sind wie die Lemminge alle in dieselbe Richtung gerannt. Ich vermisse bei ihnen jede Reflexion.“

Auch ein weltliches Wirtschaftsunternehmen kann nach Überzeugung von Notker Wolf christlich am Markt agieren. Dazu sagt er:

„Ein weltliches Unternehmen kann auch sehr christlich handeln. Es hängt vom Unternehmer ab, ob er ein Verantwortungsbewusstsein für die Bevölkerung, für die Region zeigt, ob er sich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzt und auch dafür, dass ein ordentliches Klima im Betrieb herrscht. Dass alles ehrlich abläuft.“

Und weiter:

„Ein Christ hat den Impuls, dass er es eigentlich tun müsste.“

Bei der Frage, ob die christlichen Werte in der Wirtschaft noch zum Tragen kommen, äußert Wolf, dass er das nicht wisse. Er zieht aber da die Trennlinie, wo Manager und Unternehmer der Frage nachgehen ‚Wozu das Ganze?‘ und infolgedessen bereit sind, etwas abzugeben. Aber auch dann stelle sich wieder ein Problem:

„Das Problem liegt aber darin, dass diese Herren dann immer bestimmen wollen, was mit ihrem Geld geschieht, und nicht sagen: Wir wollen ein Gremium, das bestimmt.“

So würden eigene Stiftungen gegründet, infolgedessen das Geld schlussendlich wieder beim Unternehmer bleibe. So schätze er zwar den Einsatz des Microsoft-Gründer und Mäzen Bill Gates. Dabei gibt Notker Wolf aber gleichzeitig zu bedenken, dass Gates aber selber wieder bestimme, wo sein Geld eingesetzt wird und so an seiner Macht festhalte. Dabei fügt der Benediktinermönch an:

„Ein christlicher Wert ist auch die Demut.“

Ein Unternehmer müsse erkennen, „dass er nicht allein auf der Welt ist“ und „auch nicht der einzig Kluge“ sei. Er solle die anderen mit einbinden. Dabei verweist Wolf auf den heiligen Benedikt, der sagte:

„Tu nichts ohne Rat, dann brauchst du hinterher nichts zu bereuen.“

Diesen Rat ernst zu nehmen, sei keine Selbstverständlichkeit, wäre aber eine Präventivmaßnahme vor Unternehmenspleiten.

Überdies äußerte sich Notker Wolf dazu, wo er sich zuhause fühle, verweist er zum einen auf sein Zuhause im Kloster sowie auf das gemeinsame Beten. Und weiter:

„Für mich ist zuhause, wo Jesus Christus auch ist.“

Quelle: livenet.de