Olivier Ndjimbi-Tshiende ist ein römisch-katholischer Priester, promovierter Theologe und Professor für Moralphilosophie. 2016 geriet er in die Schlagzeilen, als er in seiner damaligen Pfarrgemeinde in Zorneding den Zorn einiger Kirchenmitglieder auf sich zog: Nach kritischen Äußerungen zu Vorkommnissen in der Gemeinde- und Flüchtlingspolitik war er unsäglichen Angriffen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt. Trotz vieler Solidaritätsbekundungen gab er sein Amt auf und zog sich zurück. Nach Monaten des Schweigens schrieb er ein Buch im Geiste Martin Luther Kings mit dem Titel „Und wenn Gott schwarz wäre… Mein Glaube ist bunt“. Darin formuliert der aus dem Kongo stammende Theologe seinen Traum von einer Welt ohne Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hass, von einer kraftvollen Vision des Christentums, von einer Kirche mit Zukunft, die Liebe und Barmherzigkeit lebt.

Aktuell hielt Olivier Ndjimbi-Tshiende einen Vortrag in Bad Tölz, worüber Rosi Bauer im Münchner Merkur sehr anschaulich berichtete, und redete auf Einladung des Katholischen Kreisbildungswerks Klartext. Über die Geschehnisse in Zorneding sei er im Nachhinein sei er nicht mehr verzweifelt. Im Gegenteil gewinnt er dem Ganzen etwas sinnstiftendes ab:

„Denn sie haben mich dazu gebracht, noch intensiver die Bibel zu studieren.“

Anhand der daraus gezogenen Schlüsse habe er eine Vision zum Thema Kirche und christlichem Glauben entwickelt, und die wolle er in seinem Buch allen Menschen mitteilen und seiner Kirche Denkanstöße geben, da diese mit ihren Hierarchien, ihrer Starre und ihren Dogmen nicht immer die wahre Botschaft Jesu vermittle.

Wesentliche Werte des christlichen Glaubens seien Liebe und Nächstenliebe – die Kirche aber habe anstatt Liebe eine starke Hierarchie aufgebaut. Diese sei zwar in gewissem Maß funktionell sinnvoll. Aber das „Von-oben-herab-Gebaren“ lasse Wärme und Wertschätzung vermissen. Mit der immer weiter fortgeschrittenen Ritualisierung der Kirche bleibe Gott in der Kirche, anstatt von den Menschen mit in den Alltag hinausgenommen zu werden.

Den Zölibat und die Ablehnung des Priesteramtes für Frauen bezeichnet der Geistliche, der heute an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt am Zentrum für Flucht und Migration arbeitet, als Regeln der Kirche, die nicht Jesus gemacht hat. Weiter kritisiert er:

„Den Priestermangel hat die Kirche mit ihrem Hochmut selbst verschuldet.“

Jesus habe bereits seinerzeit, als die Frauen öffentlich „so gut wie nicht vorhanden waren“, die Stärken des weiblichen Naturells geschätzt und sie in sein enges Umfeld aufgenommen.

Generell sei es für die Kirche, wenn sie sich die Zeichen der Zeit erkennend weiterentwickeln will, notwendig, sich selbst zu hinterfragen. Wenn sie dies nicht zulasse, werde es immer schwieriger, Menschen für sich zu gewinnen. Olivier Ndjimbi-Tshiende betont dabei, dass es nicht sein Ziel ist, zum Aufstand  aufzurufen:

„Aber wir können nicht immer ,Ja‘ sagen“,

Auch Papst Franziskus, der es mit Reformen schwer habe, will Ndjimbi-Tshiendes sein Buch zukommen lassen. Dazu sagt er:

„Meine Vision mag naiv klingen. Aber wenn wir die prägenden christlichen Werte nicht verlieren wollen, müssen wir daran arbeiten.“

Quelle: merkur.de