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Der ehemalige Weltklasse-Stürmer Dieter Müller, der zu den wenigen deutschen Fußballern zählt, die insgesamt mehr als 200 Erstligatore erzielt haben, hat aktuell seine Autobiographie mit dem vielsagenden Titel „Meine zwei Leben“ geschrieben. Darin beschreibt er auch, wie er sich nach erlittenen Schicksalsschlägen auf die Suche nach Gott machte.

Der heute 66-Jährige, der in seinen 12 A-Länderspielen 9 Tore erzielte, musste in seinem Leben mit mehreren Schicksalsschlägen umgehen. Drei Monate nachdem er 1954 zur Welt kam, ließen sich seine Eltern scheiden, 1997 starb sein 16-jähriger Sohn Alexander an Krebs. Im Jahr 2012 erlitt Dieter Müller einen schweren Herzinfarkt.

Wie Müller im Interview mit der Bild-Zeitung berichtete, schreibt er im Buch über den Umgang mit dem Tod seines Sohnes, wie groß seine Angst bei jeder Fahrt ins Krankenhaus war, seinen Sohn nicht mehr lebend zu sehen.

Ich beschreibe im Buch, wie groß meine Angst war, dass ich Alexander nicht mehr lebend sehe. Auf jeder Fahrt ins Krankenhaus hatte ich diese Angst. Die Zeit heilt viele Wunden, aber den Tod des eigenen Sohnes nehme ich mit ins Grab. Im Endstadium des Hirntumors habe sein Sohn nicht mehr sprechen können. Dazu beschrieb Dieter Müller seine Gefühle wie folgt:

„Man spürt Ohnmacht, man beobachtet den Zerfall.“

Zudem erklärte er:

„Die Zeit heilt viele Wunden, aber den Tod des eigenen Sohnes nehme ich mit ins Grab.“

Er habe lange gebraucht, bis er das Erlebte verkraftet habe, berichtete Dieter Müller weiter.

Um diese Situation zu verarbeiten, suchte der ehemalige Fußballprofi nach Antworten in der Religion. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte er:

„Ich habe mich viel mit dem Thema Tod beschäftigt, habe schon immer viel gelesen, über Religion beispielsweise ‚Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben‘. Das sind kleine Mosaiksteine, die helfen, einen Sinn zu sehen, wo es keinen Sinn zu geben scheint.“

In dieser Situation, die „das Leben von einen Tag auf den anderen dermaßen verändert“ und in der es „anfangs keine Normalität“ gebe, gaben ihm seine Frau und sein Glauben an Gott Kraft. Auf die Frage, ob er religiös sei, bekannte Dieter Müller:

„Ja, ich glaube an Gott. Auch nach meinem Herzinfarkt 2012 haben mir Gebete sehr geholfen. Ich glaube, dass fast alles im Leben vorbestimmt ist.“

Im Satz von Goethe „Nach dem Gesetz, wonach du angetreten. So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen“ liege seiner Meinung nach „sehr viel Wahrheit drin“. Auch habe er „viel über den Buddhismus gelesen“, um die Schicksalsschläge zu bewältigen.

Mit Blick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Tod und Leid heutzutage betonte Dieter Müller gegenüber der Augsburger Allgemeinen:

„Wir beschäftigen uns zu wenig mit der Unendlichkeit, es kann alles schnell vorbei sein. Wir Menschen haben die Demut verloren. Wir sind gehetzt, jeder mit sich selbst beschäftigt, es gibt zu wenig Nächstenliebe.“

Im Umgang mit dem Thema Tod und Sterben könne er jedem nur empfehlen, „sich den Dingen auch auf eine spirituelle Art zu nähern“. So habe er in dem Moment als sein Sohn „ins Jenseits übergegangen ist“ das gute Gefühl gehabt, das Engel im Raum gewesen wären. Dabei sei ihm schon klar, dass das für viele nicht greifbar ist. Es müsse jedoch jeder für sich selbst entscheiden, ob er an Gott oder an Schicksal glauben möchte. Denn in beiden Fällen gelte: „Glauben heißt ja nicht wissen.“

Quellen: bild.de, focus.de, augsburger-allgemeine.de