Foto: Bill Branson, NIH, Francis Collins official portrait, cropped, CC0 1.0

Der US-amerikanische Genetiker Francis Collins gilt als mächtigster Wissenschaftler der Welt. Seit 2009 leitet er in den USA das National Institutes of Health. Zuvor stand er ab 1993 an der Spitze des Humangenomprojekts, mit dem ihm im Jahr 2003 die vollständige Entschlüsselung des menschlichen Erbguts gelang. Derzeit arbeitet der 70-Jährige mit der Gruppe ACTIV rund um die Uhr an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Als ehemaliger Atheist ist Collins heute gläubiger Christ.

Wie der Tagesspiegel aktuell mit der Headline „Wissenschaft ist wie Gottesdienst“  berichtet, unterbricht Collins derzeit seine Forschungen an einem Anti-Covid-19-Impfstoff nur für die Teilnahme an einem Zoom-Gottesdienst seiner Kirchengemeinde. Seit er sich in jungen Jahren intensiv mit dem christlichen Glauben beschäftigte, kann er keinen Widerspruch mehr zwischen Glauben und Naturwissenschaft sehen. So betonte Collins einmal:

„Ich bin Wissenschaftler und gläubiger Christ, und ich sehe keinen Widerspruch in diesen beiden Weltanschauungen.“

Auf Wikipedia ist über ihn zu lesen, dass er als einer der prominentesten Verfechter des Konzepts einer theistischen Evolution gilt und seiner Ansicht nach christlicher Glaube und Evolutionstheorie vollständig miteinander vereinbar seien. Dazu sagte er einmal:

„Gott hat den Prozess der Evolution gewählt, um das Leben hervorzubringen.“

Konzepte von Fundamentalisten, die die Schöpfungsgeschichte wider die Vernunft buchstabengetreu auslegen, weist Collins dagegen entschieden zurück.

In seinem Buch „Gott und die Gene – Ein Naturwissenschaftler begründet seinen Glauben“ beschrieb er im Jahr 2007 seinen Weg vom Atheisten zum Christen und legte dar, warum die Wissenschaft nicht mit der Religion im Widerspruch steht, sondern diese bereichert. So erkläre die Evolution zwar die Entstehung der Arten, liefere aber keine Antwort auf die Frage, woher die Evolution selbst komme. Francis Collins ist sich bei dieser Frage gewiss, dass die Evolution, ebenso wie der Urknall und die instinktive menschliche Moral, eine Idee Gottes sei. Dazu erklärte er bereits im Jahr 2004 in einem Interview mit der TV-Senderkette PBS:

„Ich glaube, dass Gott uns die Möglichkeit gegeben hat, durch den Gebrauch der Wissenschaft die Welt zu verstehen.“

Wie der Tagesspiegel aktuell berichtet, seien wissenschaftliche Entdeckungen für Collins „immer auch Momente der Andacht darüber, welch‘ tiefe Schönheit im Leben steckt“. Die Wissenschaft selbst bezeichnet der 70-Jährige als „eine Form des Gottesdienstes“, während er heute die atheistische Sichtweise kritisiert.

Für ihn ist heute Gewissheit:

„Der Gott der Bibel ist auch der Gott des Genoms (Erbgutes.“

Das sah Francis nicht immer so. Nachdem er atheistisch aufwuchs, sah er bis in seine Studentenzeit hinein auf Wahrheiten außerhalb der Naturwissenschaften keine Hinweise. Das änderte sich durch existenzielle Erfahrungen in seiner Tätigkeit als junger Arzt.

Für das Online-Portal des Nachrichtensenders CNN schrieb Francis Collins vor über 10 Jahren einen Artikel darüber, wie er Christ wurde. Den Anstoß, sich mit dem Glauben zu befassen, gaben ihm die Begegnung als Medizinstudent mit gläubigen Patienten, die unheilbar waren und mit dem Tod vor Augen anders umgingen, weil ihnen ihr Glauben ein starkes Gefühl von Trost und Frieden gab. Das beeindruckte ihn so sehr, dass er begann, sich intensiver mit dem Thema Glauben zu beschäftigen. Dabei stellte er fest, „so gut wie nichts über einen Glauben zu wissen, den ich zurückgewiesen hatte“, so Collins. Weiter erkannte er, dass er sich bis dato ausschließlich mit Fragen wie etwa „Wie funktioniert Mathematik?“ oder „Wie funktionieren die Naturgesetze?“ auseinandergesetzt habe, die Naturwissenschaften aber auf Fragen wie „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Warum bin ich hier?“ oder „Warum funktioniert Mathematik überhaupt?“ ihm keine Antworten geben konnten.

Dann begann er, in den Werken des Oxford-Gelehrten C. S. Lewis zu lesen, der die These vertritt, dass Glaube und Vernunft kompatibel seien. Nahm er vormals an, „dass der Glaube auf rein emotionalen und irrationalen Argumenten beruht“, stellte er nun fest, dass es sehr wohl eine starke und rationale Evidenz für die Existenz Gottes gebe. Dazu erklärte Collins:

„Der Verstand allein kann die Existenz Gottes nicht beweisen. Der Glaube ist Verstand plus Offenbarung (…) Man muss die Musik hören, und nicht nur die Noten auf dem Blatt spielen.“

Je mehr Collins las und nachdachte, desto faszinierter war er von der christlichen Lehre.

Wie der Tagesspiegel berichtete, untermauerte eine weitere existenzielle Erfahrung seinen Glauben. Als er im Alter von 27 Jahren in den Cascade Montains im Nordwesten Amerikas wanderte, überwältigte ihn die Schönheit der Schöpfung. Im Zuge dessen wurde ihm klar:

„Die Wissenschaft beantwortet unsere Wie-Fragen, das Christentum die Warum-Fragen.“

Die atheistische Weltsicht sieht Francis Collins, der über sich selbst sagte, dass er in jungen Jahren ein „abscheulicher Atheist“ gewesen sei, als die am schlechtesten rational zu begründende. Diesbezüglich sagte er im Interview mit dem christlichen Medienmagazin Pro:

„Eigentlich handelt es sich dabei um eine Art von Fundamentalismus. Der Atheismus ist die Beschwörung einer universellen Verneinung, ein Dogma, das schwierig zu verteidigen ist“

Auch wenn Collins bei so manchen Wissenschaftlern, die seinen Glauben für irrational halten, anecke, werden seine wissenschaftlichen Arbeiten, wie der Tagesspiegel aktuell berichtet, allseits respektiert. Im Jahr 2007 erhielt Francis Collins die „Presidential Medal of Freedom“, die höchste zivile Auszeichnung der USA, und 2010 den „Albany Medical Center Prize“, den höchstdotierten Medizinpreis der USA. Weiter ist er Mitglied der „National Academy of Sciences“ und der „American Academy of Arts and Sciences“.

Aktuell setzt die Welt bei der Erforschung eines Impfstoffs gegen den Corona-Virus ihre Hoffnung auf einen Mann, der seine innere Balance im christlichen Glauben erfährt und der in der aktuellen Ausnahmesituation („Ich spüre die Dringlichkeit, zu Ergebnissen zu gelangen, stärker als je zuvor in meinem Leben als Wissenschaftler“) vielleicht in der sonntäglichen Auszeit im Gottesdienst die entscheidende Bestärkung erhält.

Quellen: tagesspiegel.de (1), wikipedia.detagesspiegel.de (2), pbs.org, livenet.ch (1), pro-medienmagazin.de (1), livenet.ch (2), pro-medienmagazin.de (2)

 

Mehr zum Thema Glaube und Naturwissenschaft gibt’s in unserem Portfolio-Beitrag HIER

 

Auch der deutsche Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch ist Wissenschaftler und gläubiger Christ!

Hier ein spannender Beitrag von ihm zum Thema „Was war vor dem Urknall?“: