Foto: © Olaf Kosinsky Olaf Kosinsky creator QS:P170,Q30108329 , 2018-05-10 Joachim Gauck-7554, cropped, CC BY-SA 3.0 DE

Alt-Bundespräsident Joachim Gauck legte am Mittwochabend in der ARD-Talksendung Maischberger u.a. zum Thema Toleranz einen fulminanten Auftritt hin, u.a. mit starkem Statement zu seinem Glauben. Zu seinem Auftritt titelte Die Welt „Wie dringend die deutsche Politik einen Joachim Gauck bräuchte“ und bescheinigte in dem Artikel, dass der 79-jährige in der Sendung ‚zur Hochform‘ aufgelaufen sei und ‚wie dringend ihn die derzeitige Politik in Deutschland nötig hätte‘. Was in der anschließenden Berichterstattung in den Medien unterging, war Gauck’s wertvolles Statement zu seinem ihn durch Höhen und Tiefen tragenden Glauben.

Im Rahmen der Sendung stellte die Talkmasterin Sandra Maischberger dem ehemaligen Bundespräsidenten auch persönliche Fragen. Dabei nahm sie auch Bezug auf den christlichen Glauben von Joachim Gauck, der zu DDR-Zeiten evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär war. Auf die Frage, ob sich sein Glaube bei seinem Weg vom Pfarrer zum Politiker, mit Einblick in Abgründe wie bei der „Stasiunterlagen-Behörde“, verändert habe im dem Sinne, ob er stärker oder schwächer geworden ist, antwortete der evangelische Theologe:

„Mein Glaube hat sich verändert so wie ich mich auch verändert habe.“

So habe sich sein Bild vom Politiker oder sein Blick auf die Demokratie „mit den Lebenserfahrungen, die ich gewonnen habe“ verändert. Weiter betonte er, dass man „an manchen Punkten“ im Leben „nicht einfach so glauben“ könne, insbesondere mit Blick auf „all das Elend der Welt“. Diese Fragen hätten ihn auch schon in der Kindheit bewegt, aber gleichzeitig auch nicht vom Glauben weggeführt. Dazu sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler:

„Dennoch holt der Glauben den Menschen immer wieder ein. Aus dem Glauben sind zu mir ganz starke Kräfte gekommen: Länger hoffen zu können als manch anderer, und tiefer vertrauen zu dürfen, um sich auch bestimmten Gefahren auszusetzen.“

Auf die Nachfrage der sichtlich bewegten Sandra Maischberger, ob ihm der politische Betrieb das nicht genommen habe, antwortete Gauck sichtlich gelassen „Nee, eigentlich nicht!“, worauf die Talkmasterin resümierte, dass dies eine sehr positive Nachricht zum Abschluss des Auftritts sei.

Weiter nahm Jochaim Gauck bei einer vorherigen Frage zu seiner Meinung zur Kritik am Ehrensold für den Bundespräsidenten Bezug zu seinem Glauben. Mit Blick auf diese kritischen Stimmen äußerte er:

„Ich habe lange Zeit meines Lebens in Armut gelebt und habe mich beim lieben Gott nicht beklagt, und ich will mich über den jetzigen Zustand auch nicht beklagen.“

 

Den Auftritt von Joachim Gauck bei Maischberger gibt’s unter ard-mediathek.de (ab Minute 7 bis ca. Minute 36)

Ein weiteres, beeindruckendes Interview mit Joachim Gauck über Toleranz, Integration, Rassismus und Identität gibt’s unter welt.de

 

Hier die Maischberger-Sendung vom 14.8.19 auf YouTube. Die Äußerung von Joachim Gauck zu seinem Glauben ist ca. bei Minute 34:20 zu sehen: