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Am heutigen Mittwoch zieht Joe Biden als zweiter Katholik in der Geschichte der USA ins Weiße Haus ein und weckt in vielen Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der 78-Jährige praktiziert seinen Glauben und fand in ihm insbesondere in existenziellen Krisen wie dem Tod seiner Frau und zwei seiner Kinder Trost und Kraft (wir berichteten).

Als ihm Papst Franziskus Mitte November am Telefon zu seiner Wahl gratulierte, bedankte sich Joe Biden  für die Segenswünsche vom Papst sowie für dessen Einsatz für Frieden und Versöhnung in aller Welt. Zudem äußerte er in dem Telefonat mit dem Kirchenoberhaupt den Wunsch nach Zusammenarbeit (wir berichteten).

In seiner Siegesrede am 7. November stimmte Joe Biden die USA nach den Verheerungen der Trump-Ära auf einen neuen Aufbruch ein und betonte die Gemeinsamkeiten. Wie domradio.de und Vatican-News berichten sprach Biden zum Ende seiner Rede folgende Worte aus dem Herzen:

„In den letzten Tagen des Wahlkampfs dachte ich oft über ein Kirchenlied nach, das meiner Familie und mir, insbesondere meinem verstorbenen Sohn Beau, viel bedeutet hat.“

Er hoffe, dass es den Angehörigen der Opfer des Coronavirus „denselben Trost spendet“. Anschließend zitierte der neue Präsident der Vereinigten Staaten aus dem Lied „On Eagle’s Wings“, das 1976 vom katholischen Priester Michael Jones geschrieben wurde und auf Psalm 91 mit dem Titel „Unter dem Schutz des Höchsten“ basiert. Darin wird Gott als Beschützer, der die Menschen auf den Schwingen des Adlers erhebt und „dich in seiner Hand trägt“, beschrieben. Biden sang diese Hymne während der Austeilung der Kommunion bei der Beisetzung seines Sohnes Beaus, der 2015 einem Gehirntumor erlag.

Auch beim Unfalltod seiner Frau und seiner einjährigen Tochter im Jahr 1971, sowie beim persönlichen Ringen mit einem Aneurysma und bei politischen Niederlagen war für Joe Biden sein Glaube die lebenserhaltende Kraft.

Das Gebet und der Gottesdienstbesuch sind selbstverständlicher und ihn tragender Bestandteil seines Lebens. Kontrovers diskutiert wird seine Haltung zum Thema Abtreibung. Er lehnt Abtreibungen persönlich ab, will dies aber anderen nicht vorschreiben.

Thomas Spang schreibt in seinem Artikel auf domradio.de, dass Biden mit seiner Religion keine Politik macht. Dazu berichtet er weiter: „Es ist dieser gelebte Glaube, der den neuen US-Präsidenten nach unzähligen Zeugnissen von Menschen auszeichnet, die ihn kennen. Biden hält keine theologischen Vorträge, verliert sich nicht in Doktrinärem oder macht Politik mit seiner Religion. Für den in seinem Leben oft von Schicksalsschlägen heimgesuchten Katholiken ist er eine stete Quelle der Erneuerung.“

Wie t.online.de berichtet, verabschiedete sich Joe Biden am gestrigen Dienstag in einer emotionalen Ansprache auf einem Stützpunkt der Nationalgarde in New Castle in seiner Heimat Delaware. Dabei erinnerte er auch an seinen 2015 verstorbenen Sohn Beau, nach dem der Stützpunkt benannt ist. „Das einzige, was ich bedaure, ist, dass er nicht hier ist“, sagte Joe Biden, dem dabei Tränen über die Wangen liefen.

Ursprünglich wollte er mit dem Zug nach Washington fahren. Auf diese Weise pendelte er jahrzehntelang täglich als Senator, um abends bei seinen Kindern zu sein. Doch wegen Sicherheitsbedenken nach dem Angriff von Trump-Anhängern auf das Kapitol nahm er stattdessen das Flugzeug.

Den sehr lesenswerten Artikel von Thomas Spang über Joe Biden gibt es unter

domradio.de oder kirche-und-leben.de

Weitere Quellen: vaticannews.va, katholisch.de (1), katholisch.de (2), t-online.de

 

Hier das Lied „On Eagle’s Wings“, das auf Psalm 91 basiert und Joe Biden viel Kraft spendet: