Foto: Wolfgang Roucka, Kardinal Reinhard Marx, cropped, CC BY-SA 3.0

In der Umfrage der Bild am Sonntag zu Ostern 2019, in der 50 Menschen in Deutschland gefragt wurden, woran sie glauben, gab auch Kardinal Reinhard Marx ein bemerkenswertes Statement. Mit Ehrfurcht und Demut betonte er:

„Ich glaube an Gott und weiß dennoch, dass dieses Wort mit vier Buchstaben die Wirklichkeit, die es meint, kaum auch nur ansatzweise beschreiben kann.“

Und weiter:

„Gott ist ja kein Teil der Welt, der Schöpfung, er ist der Schöpfer! Aber ich glaube, dass er uns eine Vorstellung von sich gibt in der Person Jesu von Nazareth. Das ist der Kern des christlichen Glaubens.“

Dies betonte Kardinal Marx bereits in ähnlicher Weise zu Ostern 2009 im Interview mit dem Magazin Jetzt gegenüber dem Journalisten Philipp Mattheis. Damals betonte er:

„Gott ist für uns Menschen nicht konkret vorstellbar. Er ist der Schöpfer des ganzen Alls, das absolute Geheimnis. Das übersteigt jede Vorstellungskraft. Aber ich glaube: Er hat sich uns gezeigt in Jesus von Nazareth. Jetzt haben wir einen Weg zu ihm, dem eigentlich Unbegreiflichen. Der menschgewordene Gott ist für uns die Brücke.“

Weiter hob der Erzbischof von München und Freising dabei hervor, dass es beim christlichen Glauben nicht um Moralisieren gehe, sondern dass moralisches Handeln aus der Beziehung zu Gott entstehe. Dies drückte er wie folgt aus:

„Das Christentum ist die Entdeckung einer Person, eines Ereignisses, nämlich, dass Gott existiert und seine Liebe in Jesus Christus uns grenzenlos geschenkt wird. Und daraus ergibt sich ein neues Handeln.“

Dabei betonte Kardinal Marx, dass nicht nur ein Christ ethisch handeln könne. Es komme „immer auf jeden einzelnen Menschen an. Jeder ist anders und hat schließlich ein Gewissen, kann also gut und böse eigentlich unterscheiden“.

Der christliche Glaube sei „in seiner Ethik ja nicht exklusiv, sondern universal einsichtig und vernünftig“. So könne jeder Mensch „der Norm folgen, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben“. In diesem Zusammenhang verwies er aber auf die Qualität eines Handelns aus der Liebe zu Gott heraus. Dazu betonte er:

„Aber das [Nächstenliebe] auch zu tun, dafür braucht es die Kraft der Religion.“

In einem lockeren Interview zu Weihnachten 2011 mit der Bild-Zeitung unter dem Titel ‚Wäre Jesus heute bei Facebook?‘ verwies Kardinal Marx darauf, dass die Sehnsucht und Suche des Menschen nach Gott nie aufhören werde und „und Jesus auch heute die Menschen anzieht“. Dazu betonte er:

„Die Frage ist doch, was entgeht den Menschen ohne Gott. (…) Wenn wir unsere Terminpläne ohne Zeit für Besinnung und Ruhe machen, schadet uns das. Zeit für Gott ist Zeit für intensiveres Menschsein.“

Mit Blick auf das Versprechen Jesu „Wer sucht, der wir finden. Wer anklopft, dem wird geöffnet“ (Mt 7,8) sagte Kardinal Marx weiter:

„Das Wichtigste ist doch: Gott ist immer für uns da und erreichbar. Wer aber als Mensch meint, rund um die Uhr auf allen Kanälen zur Verfügung stehen zu müssen, verliert sich im Vielerlei.“

Seine Hoffnung, die er damals mit Blick auf Europa ausdrückte, wirken heute in Tagen, in denen die Kathedrale von Notre Dame brannte, fast prophetisch. Im Bild-Interview 2011 sagte Kardinal Marx:

„Ich würde mir wünschen, dass Europa seine geistigen und geistlichen Wurzeln wiederfindet – einen Zusammenhalt, der über das Ökonomische hinausgeht.“

Und weiter:

„Es geht um viel mehr als den Euro, es geht um die Zukunft und um die Identität unseres Kontinents. Beides ist ohne das Christentum für mich allerdings nicht vorstellbar.“

Quellen: bild.de (1), jetzt.de und bild.de (2)