Foto: Nicola, Wikimedia Commons, CC-by-sa 4.0, Einweihung Carola-Williams-Park 12, CC BY-SA 4.0

Ludwig Sebus: „Ohne die Kirche gäbe es überhaupt keinen Karneval“

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Der 100-jährige deutsche Krätzchensänger, Komponist und Textdichter Ludwig Sebus sprach zur diesjährigen Karnevalssession im Interview mit domradio.de über die Verbindung von Karneval und Kirche sowie über den festen Platz, den der ‚Fastelovend‘ und der liebe Gott in seinem Herzen haben.

Karneval, auch Fastnacht oder Fasching genannt, nimmt einen festen Platz im christlichen Jahreskreis ein. Er gilt als die „fünfte Jahreszeit“ und markiert den Übergang vom Winter zum Frühling sowie die letzte Feierphase vor der 40-tägigen österlichen Fastenzeit.

Zur Verankerung des Karnevals im kirchlichen Jahreskreis sagt Ludwig Sebus im Domradio-Interview:

„Klar ist doch, ohne die Kirche gäbe es überhaupt keinen Karneval.“

Während Karneval ursprünglich nur in katholischen Gegenden gefeiert worden sei, hätten sich im Laufe der Jahre „allmählich“ auch die Protestanten dafür geöffnet, und schließlich habe auch das Judentum den Karneval für sich entdeckt, schildert der Jahrhundert-Kölner zur Historie des Karnevals. Zum Begriff ‚Fastelovend‘ erklärt Ludwig Sebus:

„Der Begriff ‚vaste lovent‘ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie ‚Abend vor dem Fasten‘. Gemeint ist die Zeit vor der christlichen Fastenzeit, in der traditionell noch einmal ausgelassen gefeiert wurde.“

In den Nachkriegsjahren sei der sogenannte Fastelovend in Köln auf drei Tage begrenzt gewesen. Heute beginne die Karnevalszeit schon wesentlich früher, wobei „die Kernzeit des Karnevals“ zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch liege, erklärt Karneval-Urgestein Ludwig Sebus zur Entwicklung der närrischen Zeit und resümiert:

„Doch bei aller Veränderung über die Jahrzehnte – die Kirche, der rheinische Frohsinn und dieses typisch Beseelende sind der Dreh- und Angelpunkt des Kölner Fastelovends geblieben.“

Wie sehr der Karneval mit einem christlichen Wertebewusstsein verbunden ist, macht Ludwig Sebus deutlich, wenn er daran erinnert, dass der richtungsgebende Wahlspruch von 1823 bei der Gründung des Karnevals „Von Zoten frei die Narretei“ lautete. Dies habe bedeutet, „dass man nicht auf Kosten anderer Witze machte oder gar jemanden beleidigte“, erklärt der 100-Jährige und betont:

„Persönliche Angriffe und Diffamierung gehören nicht in den Fastelovend.“

Vielmehr gehe es im Kern um „die Weitergabe von persönlich empfundener Freude“, führt Sebus weiter aus.

Danach gefragt, welche Rolle der Glaube im Karneval für ihn persönlich spielt, berichtet der 100-Jährige, dass sein Glaube im Laufe der Zeit „noch gewachsen“ sei, nachdem er „in einem christlich-katholischen Elternhaus“ aufgewachsen war und sich als Messdiener und Pfarrjugendführer aktiv am kirchlichen Leben beteiligt hatte. Später habe er sich auch mit anderen Religionen beschäftigt, wobei er festgestellt habe, „dass für mich das Christentum die einzige Religion ist, deren Basis die Liebe ist, und dass das ein ganz wichtiges Instrument ist“. Weiter erklärt Sebus:

„Das hat mich immer überzeugt, weil der Auftrag zu lieben die wichtigste Botschaft ist – auch im Karneval. Alle sind wir zu allen Zeiten gehalten zu lieben und dieses Gebot wirksam zu machen, gerade auch, wenn wir ausgelassen feiern. Denn die Freude kommt von Gott.“

Die Freude im Glauben sichtbar zu machen, gelte aber nicht nur in der Karnevalszeit, zeigt sich der Jahrhundert-Kölner überzeugt. Dazu betont er:

„Als Christen haben wir eine frohe Botschaft weiterzutragen: am besten mit Lockerheit und einem fröhlichen Herzen.“

Dass der Glaube an Gott ihn in der Freude, aber auch im Leid des Lebens getragen hat, lässt der 100-Jährige, der 1950 mit traumatischen Erfahrungen aus russischer Kriegsgefangenschaft ins völlig zerstörte Köln heimgekehrt war, nachempfinden, wenn er erklärt, dass der Glaube an Gott ihn „in allen Situationen meines Lebens stets geholfen“ habe.

So wolle er junge Menschen ermutigen, „dem Glauben einen Platz im eigenen Leben einzuräumen“. Der Kirche rät er, „das Frohe an der christlichen Botschaft“ immer voranzustellen, was Ludwig Sebus mit seiner eigenen Lebenserfahrung begründet:

„Der Glaube gibt auch dann Halt, wenn niemand sonst mehr da ist. Das habe ich am eigenen Leib erfahren.“

 

Hinweis:

Das komplette Interview, in dem Ludwig Sebus auch über sein persönliches Erleben des Karnevals in den Nachkriegsjahren berichtet und erklärt, wie man Freud und Leid im Karneval zusammenbekommen kann, ohne dass es kaltherzig wirkt, gibt es unter:

domradio.de