Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), Pressetermin 30 Jahre Lindenstraße - Marie-Luise Marjan-9375, cropped, CC BY-SA 4.0

Am vergangenen Sonntag lief die letzte Folge der ARD-Serie Lindenstraße. Damit ging nach fast 35 Jahren ein Stück deutscher Fernsehgeschichte zu Ende, in dem sich Woche für Woche viele Menschen in die dargestellten Figuren hineinversetzten und an deren Leben teilnahmen. Die von der Schauspielerin Marie Luise Marjan dargestellte Mutter Beimer wurde im Lauf der Jahre zur „Mutter der Nation“. Was Marie Luise Marjan mit der von ihr gespielten Mutter Beimer verbindet, ist wohl der Charakterzug der Hilfsbereitschaft.

Marie-Luise Marjan engagiert sich privat seit über 30 Jahren für die Malteser, Plan International und Unicef, was ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist. Ansporn für ihr soziales Engagement ist ihr christlicher Glaube, wie z.B. das Hamburger Abendblatt im Juni 2017 berichtete.

Im aktuellen Interview mit dem Magazin nordbuzz.de zum Ende der Lindenstraße hob sie auch die Bedeutung des soziales Engagements für ihr Leben hervor. Auf die Frage, wie ihr Leben nach dem Ende der Kultserie nun weitergehe verbunden mit dem Impuls „Sie haben selbst keine Kinder, sind nicht verheiratet …“ antwortete die 79-Jährige:

„Vor allem ist da mein soziales Engagement, das mich nun beinahe voll und ganz beansprucht. Ich bin seit 30 Jahren bei UNICEF im Komitee, Fördermitglied bei den Maltesern und seit 30 Jahren bei der Organisation „Plan international“ aktiv mit fünf Patenkindern. Anlässlich meines 70. Geburtstages habe ich die Marie-Luise-Marjan-Stiftung gegründet („Hilfe mit PLAN“, d. Red.).“

Wie sie gegenüber nordbuzz.de erklärte, liegt der Ansporn dafür auch in den Erfahrungen, die sie in ihrem Leben gemacht hat. So betonte sie, dass sie in ihrer Kindheit bei Pflegeeltern aufwuchs, wo sie sehr viel Hilfe erfahren hat, und dass sie auch auf ihrem Weg zur Schauspielerin sehr viel Unterstützung erfahren hat. Weiter betonte sie:

„Es ist wunderbar, dass mir die Popularität der „Lindenstraße“ so viele Türen öffnete. Aber man muss sich beides erarbeiten – die Popularität und das soziale Engagement.“

Der katholische Priester Monsignore Stephan Wahl berichtete nach einem Treffen mit Marie Luise Marjan für die Sendung „Kirche im SWR“ im Januar 2015 wie folgt über die Schauspielerin: „Marie Luise Marjan ist evangelische Christin, und das nicht nur auf dem Papier. Ihr Christ-Sein ist auch Grund und Motor für ihr soziales Engagement bei Plan International, Unicef, dem katholischen Malteserdienst und ihrer eigenen Stiftung. Ein Leben ohne Glauben kann sie sich schwer vorstellen.“

Vor knapp drei Jahren berichtete das Hamburger Abendblatt mit dem Titel „Die Welt etwas besser machen“ über das soziale Engagement von Marie Luise Marjan in Verbindung mit ihrem christlichen Glauben. Dabei war zu lesen, dass sie bei christlichen Eltern aufwuchs und sich bis heute ganz selbstverständlich zu ihrem Glauben bekennt, der der ‚Ansporn für ihr soziales Engagement‘ sei. Zur ihrer Religion, die die getaufte und konfirmierte Christin ernst nehme, sagte Marjan:

„Der Glaube ist wie ein Geländer, ohne Glaube kann die Welt nicht existieren.“

Vor vielen Jahren begründete Marie Luise Marjan in der Sendung „Um Gottes Wilen“ ihren Einsatz im Zeichen der Nächstenliebe mit folgenden Worten:

„Wenn man aus dem Glauben heraus die Welt betrachtet, hat man sehr klare Augen und sieht, dass es anderen Menschen vielleicht nicht so gut geht. Wir müssen etwas für das Gleichgewicht der Welt tun. Das ist mein Credo, das ist meine Überzeugung.“

Dazu schilderte sie ihre Erfahrungen, die sie auf den Müllbergen in Brasilien gesammelt hat, und dabei erlebte, „was man sich nicht ausdenken kann“. Zu sehen, dass ganze Generationen auf Müllbergen geboren sind, dort leben und dort sterben, bewegte sie derart, dass es für sie ein wichtiger Lebensbestandteil wurde, mit daran zu arbeiten, „dass das Gleichgewicht in der Welt stimmt und hergestellt wird“.

Weiter betonte die Schauspielerin:

„Mit dem Glauben wird man demütig, aber gleichzeitig auch fröhlich.“

Ihr Leben in der Beziehung zu Gott gibt ihr tragende Orientierung in ihrem Tun. Dazu sagte sie einmal gegenüber dem Magazin Chrismon:

„Wenn ich vor einer Entscheidung stehe, frage ich mich oft: Was würde Gott dazu sagen? Würde er warnen: ‚Ach, lass es lieber.‘ Oder würde er ein Auge zukneifen und sagen: ‚Na ja, das geht schon in Ordnung.‘ Trägt man Gott in sich, bewahrt das einen vor schlechten Schritten, vor den falschen Entscheidungen. Mein Konfirmationsspruch lautet: ‚Denke an den Herrn in all deinen Wegen, so wird er dich recht führen‘.“

Diesen biblischen Spruch sei auch ein Leitspruch für ihr Leben, so die Schauspielerin weiter.

Als die ARD vor drei Jahren eine Themenwoche zum Glauben ausstrahlte, bezog auch Marie Luise Marjan Stellung und erklärte, dass ihr der Glaube Halt und Kraft gibt. Weiter äußerte sie auch, dass ihr das Erleben der „Natur, die den Menschen im Gleichgewicht hält“ und das Erkennen des Positiven im Menschen, „das die Welt zusammenhält“, Gewissheit im Glauben geben.

Am Herzen liegt ihr auch die Einheit der Christen, was sie im Zuge eines ökumenischen Pilgertags nach Trier im Frühjahr 2012 zum Ausdruck brachte. Dazu sagte sie, wie unter focus.de zu lesen ist:

„Wir sollten das Christentum nicht in katholisch und evangelisch dividieren – wir glauben schließlich alle an einen Gott.“

Große Bewunderung hat Marie Luise Marjan für Papst Franziskus, wie sie im Gespräch mit Monsignore Stephan Wahl im Januar 2015 zum Ausdruck brachte. Über Papst Franziskus sagte sie:

„Sein Bild habe ich auf meinen Schreibtisch gestellt. Ich finde er [Papst Franziskus] ist so menschlich dieser Mann! Er ist wie so ein Papa, wie ein guter Onkel, er strahlt eine unglaubliche Nähe aus. Auch die ganze Art wie er aufgetreten ist -das finde ich ganz ganz großartig und dass er so mal die Regeln gebrochen hat, da hat mein Herz gejubelt! Das fand ich toll. Wunderbar!“

Ihre Faszination für den christlichen Glauben steht dabei in Beziehung zu der Person, die den Glauben von Papst Franziskus wie jedes anderen Christen auch maßgeblich prägt. Gegenüber Stephan Wahl erklärte Marie Luise Marjan:

„Jesus fasziniert mich! Die Faszination liegt darin -wir haben heute 2015- wie lange diese Religion existiert, sie existiert auf dem ganzen Erdenrund, wie man so schön sagt, in dichterischer Form. Das hat eine Faszination und auch eine Durchschlagskraft und einen Ernst, da kann man gar nicht dran vorbeigehen. Da kann man gar nicht wegsehen.“

Weiter brachte sie zum Ausdruck, dass sie das Lesen in der Bibel „spannend“ findet und ihr die biblischen Evangelien Kraft und Orientierung im Leben geben. Dabei nannte sie Erzählung von der wundersamen Brotvermehrung sowie die Überquerung des Sees durch Jesus. Dazu erklärte Marjan:

„Man kann übers Wasser laufen wenn man die geistige Kraft hat – dann kann man viele Dinge überwinden.“

Im Interview mit dem Journalisten Hanno Gerwin für dessen Reihe „Gerwin trifft“ erklärte Marie Luise Marjan, dass man durch die Beschäftigung mit der Bibel, insbesondere durch die „Fragen und Antworten, die die Bibel gibt“ Gott näher kommen kann.

Neben dem Lesen in der Bibel ist auch das Sprechen mit Gott, das Gebet, eine tragende Säule für ihr Wachsen im Glauben. Dazu sagte die Schauspielerin vor Jahren einmal:

„Das Gebet ist eine Art der Besinnung. Aber ich will im Beten nicht so wahnsinnig viel fordern, sondern mich eigentlich mehr bedanken beim lieben Gott. Und sich dafür bedanken, dass etwas gut gegangen ist, bringt Kraft.“

Diese Kraft, die sie durch ihre Beziehung zu Gott erfährt, trägt Marie Luise Marjan durchs Leben und ist grundlegend für ihr Handeln. Zu ihrem 75. Geburtstag sagte „die Mutter der Nation“ im Interview mit Der Westen im August 2015 auf ihr Leben zurückblickend:

„Wenn ich zurückblicke und sehe, was aus mir geworden ist, würde ich sagen: ja. Gott hat die Hand drüber gehalten.“

Quellen: nordbuzz.de, abendblatt.de, katholisch.de, evangelisch.de, wdr.de, focus.de, kirche-im-swr.de, gerwintrifft.de, waz.de, derwesten.de