Der langjährige Bundesarbeitsminister und engagierte Christ Norbert Blüm starb im Alter von 84 Jahren, wie sein Sohn der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mitteilte. Der Deutschlandfunk würdigte ihn als „das soziale Gewissen der CDU“ und die BILD bezeichnete ihn als „soziales Feigenblatt“. Fundament seiner Wertehaltung war der christliche Glaube.

Blüm war während der 16-jährigen Regierungszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl (1982-1998) Minister im Bundeskabinett. In der schwarz-gelben Koalition galt er als „soziales Gewissen“. Seine nachhaltigste Leistung war die Einführung der Pflegeversicherung 1995. Legendär wurde seine 1986 ausgesprochene Überzeugung „Die Rente ist sicher“.

Der SPD-Politiker und frühere Bundesinnenminister Otto Schily würdigte in seinem Nachruf gegenüber bild.de Norbert Blüm als „ohne Zweifel einer der, wenn nicht der profilierteste Sozialpolitiker Deutschlands“, der auch bei seinen politischen Gegnern „hohes Ansehen“ genossen habe, auch durch seinen besonderen Humor und seine stabile Grundhaltung. Dazu betonte Otto Schily:

„Norbert Blüm war geprägt durch seine christliche Grundüberzeugung. Er hatte ein authentisches christliches Fundament, das war keine Folie bei ihm. Verneigen wir uns vor diesem großen Politiker und großartigen Menschen.“

Der frühere CDU-Generalsekretär und Bundesverteidigungsminister Volker Rühe würdigte die politische Leistung Blüm’s unter anderem mit folgenden Worten:

„Norbert Blüm ist der bedeutendste Arbeits- und Sozialminister in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.“

Ein wichtiger Eckpunkt war für Norbert Blüm der christliche Wert der Familie. Seit 1964 war er mit Marita Blüm verheiratet, die er während des Studiums kennengelernt hatte und mit der er drei Kinder bekam.

Neben der Familie war für den überzeugten Katholiken der christliche Glaube ein wichtiger Lebensbegleiter, an dem er sich sowohl bei der politischen Arbeit sowie im Privatleben orientierte und der ihn in Freude und Leid durchs Leben trug, so auch nach einem Schicksalsschlag im letzten Jahr seines Lebens. Nach einer Blutvergiftung war er seit 2019 an Armen und Beinen gelähmt und saß im Rollstuhl.

Die Lähmung machte er erst vor einigen Wochen publik, als er seiner Frau einen Beitrag in der Wochenzeitung „Die Zeit“ diktierte. Darin beschrieb er wie „das Unheil“ der Erkrankung „wie ein Dieb in der Nacht“ in seine Leben einbrach. Doch auch durch diesen Schicksalsschlag büßte Norbert Blüm seinen Lebensmut nicht ein. Mit der christlichen Überzeugung, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben, nahm er diese Situation an, was er in der Zeit mit folgenden Worten zum Ausdruck brachte:

„Im Horizont des Rollstuhls fällt der Rückblick anders aus als in der herkömmlichen Panoramasicht. Was war wichtig, was bedeutungslos? Der Standpunkt wechselt mit dem Standort.“

Dabei wurde ihm klar:

„Die Krankheit zerstört unsere Allmachtsfantasien und dämpft unsere versteckten Überheblichkeiten. Alle Prestige-Vehikel, Orden und Ehrenzeichen verlieren ihre Bedeutung.“

Jammern galt für Norbert Blüm auch in dieser Situation nicht, vielmehr erkannte er voller Dankbarkeit, wie seine Familie für ihn da war. Wie die BILD weiter berichtete, habe Blüm den Wunsch geäußert, wie sein Vater zu sterben, dessen letzter Satz folgender gewesen sei: „Es war alles sehr schön.“

 

Auf den ihn tragenden und Orientierung gebenden Glauben verwies Norbert Blüm bei passender Gelegenheit in Interviews immer wieder einmal. So etwa im August 2018, als er im Bild-Interview über seine Sicht zum Rentensystem sprach und dabei mit seiner christlichen Wertehaltung argumentierte. Damals sagte er u. a.:

„Ich will in keiner Gesellschaft leben, in der jeder nur an sich denkt.“

An anderer Stelle sagte er mit Blick auf die Finanzierung von Zusatzleistungen aus der gesetzlichen Rentenkasse, dass die Zusatzleistungen aus Steuern finanziert werden müssten und nicht aus Beiträgen. Dazu betonte er:

„Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit.“

Wo der Sinn für Gerechtigkeit herkommt, dazu hat der engagierte Katholik Norbert Blüm immer eine sehr klare Meinung. In einem früheren Interview aus dem Jahr 2007 sagte er einmal:

„Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist dem Menschen angeboren.“

Dies begründete er, wie folgt, weiter:

„Der Glaube, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, ist das stärkste Fundament der Menschenwürde, auf deren Achtung die Gerechtigkeit basiert. Die Menschenwürde ist nicht vom Staat verliehen, sondern von Gott gegeben. Deshalb kann auch kein Staat und keine politische Macht dem Menschen seine Würde nehmen.“

Um klarer im Leben zu sehen und solidarischer miteinander zu leben, empfiehlt Norbert Blüm den vertieften Blick in die Bibel. Dazu sagte er in einem Interview im Jahr 2012:

„Die Bibel ist in der publicity-geilen Gesellschaft ein trostreiches Buch, weil es verkündet, dass niemand nichts wert ist und jeder Mann und jede Frau von Gott gewusst wird. Warum lesen wir so wenig in der Bibel? Dabei sitzen wir in der Bibel immer in der ersten Reihe des Lebens.“

Zu seinem Gottesbild, verbunden mit einer vernunftbegründeten Haltung beim Beten, sagte Norbert Blüm einmal:

„Erbitte Gottes Segen für deine Arbeit, aber erwarte nicht, dass er sie auch noch tut.“

Quellen: deutschlandfunk.de, jesus.de, bild.de (1), bild.de (2), muslim-markt.de, stadtgottes.de, promisglauben.de