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Am vergangenen Sonntag legte Pastor Andreas Engelbert, der Mitglied der Gemeindeleitung der Freien Evangelischen Gemeinde München-Nord ist, die Stelle im Johannes-Evangelium aus, wo sich Jesus als das Brot des Lebens bezeichnet (Joh 6, 48 – 59). Dies tat er auf beeindruckend anschauliche Weise und lieferte zudem ein kreatives „5-Finger-Bibel-Les-System“.

Hier die Worte seiner Predigt:

Liebe Gemeinde!
Brot kommt in verschiedenen Redewendungen vor: Wenn wir zur Arbeit gehen, sagen wir: „wir müssen unsere Brötchen verdienen“,  und manchmal ist es ein „hartes Brot“, eine beschwerliche, frustrierende, kräfteraubende Tätigkeit. Von einem „brotlosen Job“ sprechen wir bei künstlerischen Berufen, weil man seinen Lebensunterhalt oft nicht wirklich damit bestreiten kann. Wenn sich etwas gut verkauft, sagen wir: „das geht weg, wie geschnitten Brot.“

Brot war zu allen Zeiten ein Sinnbild für Sicherheit und Wohlstand.  Genügend Brot haben – das ist ein Grundbedürfnis. Wer kein Brot hat, hat Hunger. Und wer Hunger hat, wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieser Hunger gestillt wird.

Die Berichterstattung der biblischen Evangelien über die irdische Wirksamkeit Jesu ist interessanterweise eingespannt zwischen zwei Erzählungen, die es mit dem Brot zu tun haben: Bei der Versuchung in der Wüste wird Jesus vom Satan aufgefordert, Steine in Brot zu verwandeln. Jesus  wehrt diese Versuchung ab mit den Worten aus dem 5. Mosebuch: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.« Matthäus 4, 4

Und am Ende seines irdischen Lebens bricht der Herr das Brot und gibt es seinen Jüngern als die ewige, unvergängliche Speise. Das irdische Brot wird zum Zeichen und Gleichnis für sein eigenes Sein und Wesen. Dazwischen auf der Höhe seiner Wirksamkeit sagt Jesus im Zusammenhang des Berichtes über die Speisung der fünftausend Menschen am Galiläischen Meer: »Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.« Johannes 6,35.

Wir haben das vorhin auch schon in der Textlesung (Johannes 6,26-35) gehört.

Jesus bezeichnet sich als »das Brot, das  vom Himmel gekommen ist.« Es gibt nach dieser Deutung von Jesus Christus noch eine andere Art von Hunger. Es gibt einen Hunger nach Leben, nach Sinn und Erfüllung, einen Hunger nach dem Bleibenden und Unvergänglichen.

Dieser Hunger wird durch das Anteilhaben an dem Leben mit Jesus Christus, dem Auferstandenen und Wiederkommenden, gestillt.

Er zeigt uns damit eine neue Bedeutung des Brotes, die weit über das materielle Verständnis hinaus reicht. Er alleine schenkt ewiges Leben und Vergebung der Schuld (Joh 6,48 – 59).

Jesus spricht: „Ich bin das Brot des Lebens!“

Liebe Freunde, stellen wir uns mal vor, wie dieser Satz damals auf seine Zuhörer gewirkt hat „Ich bin das Brot des Lebens“. Er sagt das zu Leuten, die am Vortag ein Brotwunder erlebt hatten. Nach einer Predigt von Jesus, inmitten einer kargen Einöde also wo es kein Brot zu kaufen gab, sorgte Jesus dafür, dass über 5 000 Menschen satt geworden sind. Durch ein Wunder. Aber dann machte er ihnen auch ganz deutlich:

Wenn Ihr wahres Leben sucht, dann braucht Ihr mich.

Drei Gedanken möchte ich dazu weitergeben:

1) Das tägliche Brot genügt nicht

„Ich bin das Brot des Lebens.“ Warum vergleicht sich Jesus hier mit dem Brot? Wohl zunächst deshalb, weil Brot ein Grundnahrungsmittel ist. Wie heißt es im Vaterunser: „Unser täglich Brot gib uns heute.“

Wenn ein Mensch Brot hat, dann hat er, was er zum Leben braucht.

Auf alles andere kann man ganz gut eine Weile verzichten.

Man kann ohne Fleisch und ohne Kartoffeln auskommen, ohne Spinat und Döner, aber Brot muss man haben. Das ist unentbehrlich.

Man isst sich daran auch nie leid. In Kriegs- und Hungerzeiten haben Menschen monatelang nur von einem Stück Brot täglich gelebt und damit überlebt.

Wenn Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, dann hat er hat allerdings nicht knurrende Mägen im Blick, sondern knurrende Seelen.

Nicht nur unser Körper braucht Nahrung, sondern auch unsere Seele. Ja, auch eine Seele kann verhungern. Und da haben wir in Deutschland ein Riesen Problem:

Viele Menschen unterdrücken ihren geistlichen Hunger. Viele Menschen nehmen den Hunger ihrer Seele nicht mehr wahr.

Oder sie betäuben dieses Hungergefühl, indem sie sich in einen Kaufrausch stürzen. Andere warten immer auf das nächste Highlight, die nächste Beförderung, die nächste Beziehung. Sie hoffen, dass es Morgen oder Übermorgen besser wird. Sie denken, dann wird mein Hunger nach Leben gestillt. Aber sie merken: das Hungergefühl kommt immer wieder und schneller zurück.

2) Das Brot vom Himmel macht für ewig satt

Darum sagt Jesus:  Ich bin der Einzige, der den Hunger in deiner Seele stillen kann. „Ich bin das wahre Brot, das vom Himmel kommt und euch das Leben gibt. Wer davon isst, wird ewig leben.“ Zugegeben, diese Verse klingen zunächst merkwürdig: Wenn Jesus uns auffordert, ihn zu schmecken und zu essen.

Jesus ging es darum, deutlich zu machen, wer er ist und was er uns anbietet:  er ist vom Himmel, von Gott heruntergekommen, um uns das ewige Leben zu schenken. Und nun gilt es, ihn anzunehmen, eine innige Beziehung mit ihm einzugehen, so wie wenn wir Brot in uns aufnehmen.

Jesus ist damals nicht aufgetreten und hat ein paar gute Ratschläge und Tipps weitergegeben, sondern er hat sich selbst gegeben. Damit wir ewig leben können. Er macht damit deutlich: Ich schenke euch das ewige Leben. Nicht du musst etwas tun und machen. Nein, ich tue das Entscheidende. Ich habe die eine große Leistung gebracht, die dich mit dem Vater ins Reine bringt. Ich gebe mein Leben für dich. Ich verblute am Kreuz für dich. Für dein Versagen. Für deine Schuld. Du musst nicht erst versuchen, deine dunklen Punkte im Leben durch gute Taten aufzuhellen. Ich habe alles schon längst getan. Darum musst du nichts mehr tun, sondern nur noch nehmen. Mich einfach aufnehmen im Glauben, mich „essen und trinken“.

Jesus , das Brot, das Lebensmittel, das Mittel zum Leben, zu wahrem Leben.

Und Du kannst zu ihm sagen: „Jesus, ich sehne mich nach wahrem, ewigem Leben. Meine Seele braucht dich. Ich brauche dich. Ich lade dich ein, in mein Herz, in mein Leben zu kommen.“

Aber so wie wir nicht auf einmal 3 Kilo Brot essen und dann ein Jahr lang nichts mehr,  so ist das auch beim Glauben. Unsere Seele braucht immer wieder Nahrungszufuhr.

Deshalb gibt es von Zeit zu Zeit im Gottesdienst eine Vesper für die Seele: das Abendmahl.
Beim Abendmahl erhalten wir ebenfalls ein Stück vom „Brot des Lebens“. Im Abendmahl, das Jesus seinen Jüngern am letzten Abend seines Lebens gestiftet hat und das bis ans Ende der Zeit in der Mitte der Gemeinde gefeiert und angeboten wird, teilt Jesus das Brot des Lebens, teilt er sich selber aus:
»Nehmet esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird… Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut …« 1. Korinther 11, 24 + 25

Wir dürfen uns bei jedem Bissen und Schluck daran erinnern: Jesus Christus starb für uns, starb für mich
Einzige Voraussetzung dafür ist: Wir nehmen Jesus, das Brot des Lebens, in uns auf im Gebet. Wo wir ihn einladen, in unser Leben, in unser Herz zu kommen. Das ist der Anfang.

Aber genau wie in einer Beziehung ist es wichtig, sich immer besser kennenzulernen. Jesus möchte sich uns mitteilen, er möchte, dass unsere Beziehung zu ihm immer inniger wird, und das wir jeden Tag mit geistlicher Nahrung von ihm versorgt werden.Wie geht das?

Genau wie wir physisch Nahrung zu uns nehmen, brauchen wir auch geistliche Nahrung an jedem Tag. Die Bibel zeigt uns, wie Jesus ist. Darin können wir ihn besser kennenlernen.

Und das Paradoxe dabei ist:

Je mehr wir uns mit Jesus beschäftigen, umso mehr lernen wir uns auch selbst bessere kennen.

Wir nehmen das Brot des Lebens also auch zu uns, wenn wir sein Wort in uns aufnehmen. Indem wir uns die Worte der Bibel quasi „einverleiben“.

In Jeremia 15,16 heißt es: Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.

Dazu eine kleine Geschichte:
In einem fernen Land herrschte eine schlimme Christenverfolgung. Es war lebensgefährlich, eine Bibel zu besitzen. Wenn die Geheimpolizei kam und die Heilige Schrift fand, wurden die Leute verhaftet. Die Familie eines frommen Kirchendieners konnte und wollte sich nicht von ihrer einzigen Bibel im Haus trennen. Es war für sie wie das tägliche Brot, ohne das man nicht leben kann. Eines Tages aber kam die Geheimpolizei. Die Mutter hatte es geahnt, als sie durchs Fenster schaute und zwei fremde Herren näher kommen sah. Sie war gerade dabei, ein Brot zu backen. Der Teig lag ausgerollt auf dem Tisch. In Windeseile nahm sie die Bibel, rollte sie in den Teig ein und schob das Ganze in den Ofen. Mit peinlicher Genauigkeit durchsuchte die Polizei das Haus, fand die Heilige Schrift aber nicht. Als am nächsten Tag das Brot auf dem Tisch lag und die Bibel in der Mitte heil und unversehrt zum Vorschein kam, hatte dies eine tiefe symbolische Bedeutung:

Die Bibel ist das Brot zum Leben.

Wie das tägliche Brot den Menschen nährt, so ist auch Gottes Wort die tägliche Nahrung für unsere Seele, die wir als Christen brauchen. Daher komme ich zu einem 3.Gedanken:

3. Nimm und iss

Es ist allerdings so: ich kann das schönste Brot im Schrank haben, es anschauen, riechen, anderen zeigen, darüber sprechen und doch hungrig bleiben. Was muss ich tun, um meinen Hunger zu stillen? Was braucht es denn, dass Brot in mein Fleisch und Blut übergeht? Ich möchte das mal übertragen: Wie funktioniert das ganz praktisch mit dem Essen des geistlichen Brotes?

Nehmt Euch täglich Zeit für Eure geistlichen Mahlzeiten. Sucht Euch ein Plätzchen und ein Zeitfenster, wo Ihr einigermaßen Ruhe habt und Euch konzentrieren könnt.

Jede gute Freundschaft wächst durch Zeiten, in denen man einander die ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Das gilt auch für die Beziehung zu Jesus.

Beginnt mit 15 Minuten. Lieber jeden Tag eine kurze Zeit als einmal in der Woche zwei Stunden (was natürlich auch mal toll ist).

1. Ein Stück abbrechen

Betet.
Nehmt Euch ein paar Verse oder ein Kapitel der Bibel vor, je nachdem wie groß Euer Hunger ist. Es gibt auch gute Bibellesepläne, die einem helfen, ausgewogene Diät zu halten.

2. In den Mund stecken

Das entspricht dem ersten Lesen eines Abschnittes. Wenn Ihr das gleich hinunterschlingt, dann liegt Euch das möglicherweise schwerverdaulich im Magen. Also nicht zuviel auf einmal!

3. Kauen

 Stellt Fragen an den Abschnitt und notiert Eure Antworten z.B. in ein Gebetstagebuch oder ein kleines Notizbuch.

Dazu können Euch Eure Finger an der Hand eine Hilfe sein:

Der Daumen:

  • Was gefällt dir an dem Text?
  • Welche Aussage findest du gut?

Der Zeigefinger:

  • Worauf macht dich der Text aufmerksam?
  • Was will dir Gott dadurch sagen / zeigen?
  • Wo ermahnt dich der Text (der erhobene Zeigefinger)?

Der Mittelfinger

  • Ist im Text von Sünde – Schuld die Rede?
  • Wo merkst du, dass du Fehler gemacht hast?

Der Ringfinger

  • Ist im Text ein Versprechen / eine Zusage enthalten?
  • Was verspricht Gott dir / seinen Leuten?

Der kleine Finger

  • Er ist zwar der Kleinste und Dünnste, doch wenn du mit der Faust auf den Tisch haust, ist er ganz unten – Der kleine Finger – der Praktiker
  • Was willst du an dir, an deinem Leben deinem Verhalten ändern?
  • Was von dem Text kannst / willst du nächste Woche (praktisch) umsetzen?

 4. Schlucken

Im Gebet ganz bewusst das zu mir nehmen und aneignen, was ich aufgenommen und gekaut habe. Ja, Herr, das nehme ich im Glauben für mich an. Hilf mir da dran zu bleiben. Hilf mir, so zu handeln. Hilf mir, darauf zu vertrauen….

5. Verdauen

Der Heilige Geist wird Dich im Verlauf des Tages an die eine oder andere Wahrheit erinnern.

6. Energie

Leben für den Tag empfangen. Du wirst merken, wie Jesus Dir Ruhe und Frieden schenkt, wie Du Zuversicht bekommst und in schwierigen Situationen gelassener reagieren kannst. Aber noch viel wichtiger: Du  trägst die unerschütterliche Hoffnung des ewigen Lebens in Dir. Jesus sagt: „Wer meinen Leib isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn am letzten Tag auferwecken.“ Kurz gesagt: „Wer Jesus, das Brot des Lebens hat, hat Zukunft über den Tod hinaus. Der wird nach dem Tod nicht zur ewigen Ruhe auf dem Friedhof gebettet, sondern zur ewigen Freude im Himmel.

Liebe Zuhörer!
Vielleicht hat der eine oder die andere nach wie vor Zweifel: Kann man im Glauben an Jesus satt werden? Stillt Jesus wirklich meinen Hunger nach Leben, meine Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe, nach Sinn? Dann probiert es doch einfach mal aus!

Ob ein Brotlaib ein echtes Brot ist – oder nur so aussieht – aber in Wirklichkeit ein Stein ist, kann ich nur rausfinden, wenn ich reinbeiße. Und wie es schmeckt, kann ich sowieso nur rausfinden, wenn ich das Brot esse.

Deshalb: nimm und iss! Öffne dein Herz für Jesus. Lade ihn in dein Leben ein. Sag zu ihm: „Herr Jesus, dir will ich gehören.“

Amen!

Pastor Andreas Engelbert ist Gemeindeleiter der Freien Evangelischen Gemeinde München-Nord, in der unser Teammitglied Martin Meyer im christlichen Glauben zu Hause ist.

Anmerkung: Im Verständnis der Eucharistie (Abendmahl) unterscheiden sich evangelische und katholische Christen, aber nicht in der Bedeutung von Jesus Christus für ihr Leben! Darauf kommt es an! Herzlichen Dank an Pastor Andreas Engelbert für diese Predigt!