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Pater Christoph Kreitmeir: „Bei Jesus finden die Menschen das, was sie suchen“

In seiner Predigt zum 18. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: Jes 55, 1-3; Evangelium: Mt 14, 13-21) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, warum Jesus ein gesuchter Mensch war und was das Rilke-Projekt damit zu tun hat.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Kennen Sie das Rilke-Projekt? Dies ist ein Musikprojekt auf vier CDs, das Werke des Lyrikers Rainer Maria Rilke vertont hat. Deutschsprachige und mittlerweile teilweise schon verstorbene Schauspieler und Musiker wie Ben Becker, Mario Adorf, Iris Berben, Karlheinz Böhm, Hannelore Elsner u. v. a. interpretieren Gedichte des Lyrikers Rilke. Ich entdeckte diese zu Herzen gehende CD-Sammlung vor gut 15 Jahren und habe sie im Laufe der Zeit guten Freunden geschenkt. Die Beschenkten waren durch die Musik und die Texte sehr berührt und dankbar …

Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein (Mt 4, 4) … wir alle kennen diese Bibelstelle und wissen, dass sie wahr ist. Wir brauchen SEELENNAHRUNG, um den Alltag und unser Leben besser bestehen zu können …

Rainer Maria Rilke, ein bedeutender österreichischer Dichter und Schriftsteller, erlebte einmal Folgendes. Er saß in einem Pariser Kaffee. Da erblickte er auf der anderen Seite der Straße eine Bettlerin. Er beobachtete, wie die Menschen immer wieder dieser Frau Münzen gaben und dann achtlos an ihr vorübergingen. Rilke stand auf und ging zu der Frau. Doch er schenkte ihr kein Geldstück: Rilke schenkte der Frau eine Rose und lächelte sie an. Freudestrahlend ergriff die Bettlerin Rilkes Hand. Dabei strahlte auch sie. Eine ganze Woche war die Bettlerin nicht zu sehen. Einem Freund, der das miterlebt hatte, erklärte Rilke: „Man muss dem Herzen der Frau geben, und nicht nur eben Geld!“

Was Rilke erlebt und getan hat, das hat sehr viel zu tun mit dem, was wir im Evangelium und auch in der Lesung gehört haben. Wir hören, dass viele Menschen Jesus suchen. Was hatte ER für eine Ausstrahlung. Ihm gelingt es nicht, sich zurückzuziehen.

Jesus ist ein gesuchter Mann. Denn er hat etwas, er strahlt aus, wonach sich die Menschen sehnen.

Jesus geht auf die Suche und auch die Wünsche der Menschen ein. Denn er spürt ihre Not. Jesus hat Mitleid mit den vielen Menschen, die ihn suchten. Der Evangelist Matthäus berichtet: er „heilte die Kranken, die bei ihnen waren.“

Jesus zeigte sich als einer, der das Heil der Menschen will.

Sicher waren es körperliche Krankheiten. Doch es gibt auch noch andere Krankheiten, anderes, woran zu erkennen ist, dass die Welt nicht heil ist. Das ist die Einsamkeit, das sind Ängste, das kann auch das Gefühl sein, nicht geliebt und angenommen zu sein. Menschen sind krank, weil niemand ihrem Herzen gibt.

Bei Jesus finden die Menschen das, was sie suchen. Sie finden einen Sinn, sie finden Halt.

Jesus hat, wie es auch Rilke tat, dem Herzen der Menschen gegeben.

Die Menschen haben sich verstanden gefühlt, ernstgenommen. Sie waren keine Nummer in einem großen Betrieb, kein Rädchen, das zu funktionieren hatte und, falls sie nicht mehr funktionieren, dann ausgewechselt und weggeworfen werden. Sie spürten: bei Jesus, da kann ich Mensch sein, da bin ich angenommen. Du bist mehr wert, als was du dir leisten kannst. Du bist mehr wert, als was du hast oder dir kaufen kannst.

Die Menschen haben durch Jesus erfahren, dass bei Gott alles anders ist, als wir es in unserem Leben erfahren. Durch seine Worte und auch durch seine Handlungen haben sie erfahren, was wir in der ersten Lesung gehört haben: „… kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!“ Wein und Milch steht für ein Leben in Fülle, für ein Leben in Freude. Wer Wein und Milch hat, der hat das, was er braucht, um ein erfülltes Leben führen zu können. Gott schenkt die Fülle.

„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste …“, heißt es weiter bei Jesaja in der Lesung. Hören wir auf Gott, dann wird unser Leben erfüllt werden. Es lohnt sich, es bringt etwas, wenn wir auf Gott hören. Das schönste an diesen Worten aus Jesaja ist, dass wir uns das alles nicht verdienen brauchen.

Schenken Sie sich heute – und, wenn Sie Urlaub haben, auch länger – einfach mal eine Auszeit mit einem guten Text, einer guten Musik, vielleicht auch in der Natur oder einer kühlen Kirche und spüren Sie nach Innen, spüren Sie die Stille. Dort will Sie Gott beschenken, Ihnen Nahrung geben, die lang anhält. Amen

 

Anbei Einblicke in das von Pater Kreitmeir in seiner Predigt thematisierte Rilke-Projekt:

 

 

 

 

 

Mehr Einblicke zum Rilke-Projekt gibt es auf dem YouTube-Kanal von „Schönherz & Fleer“:

HIER