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Pater Christoph Kreitmeir: „Gottes tiefste innere Natur ist Barmherzigkeit“

In seiner Predigt zur Christmette (1. Lesung: Jes 9, 1-6; 2. Lesung: Tit 2, 11-14; Evangelium: Lk 2, 1-14) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir die Zentralbotschaft des Verkündigungsengels auf dem Hirtenfeld „Fürchtet euch nicht“ als himmlische Ansage für unsere durcheinandergeratene Welt.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

 

Nun ist er da, der Tag auf den wir in den letzten Wochen hingelebt haben. Nun ist es da, das Fest, das unsere Herzen seit Kindesbeinen an höherschlagen lässt.

Ja, das Weihnachtsfest begleitet uns in seiner Wiederholung jedes Jahr neu ein Leben lang.

Wie kein anderes Fest reiht sich Weihnachten jedes Jahr neu wie Perlen auf die Schnur des eigenen Lebens.

Weihnachten ist deshalb ein ganz besonderer Zeitmesser: Weihnachten mit den Eltern, Weihnachten mit den Geschwistern, auf dem Schoß der Oma vielleicht. Weihnachten, wo besondere Wünsche wirklich erfüllt wurden. Weihnachten mit der ersten Liebe; Weihnachten in der jungen Ehe oder der Ordensgemeinschaft; Weihnachten allein und dadurch vielleicht die Einsamkeit kalt spürend; Weihnachten im fremden Land; Weihnachten mit den eigenen Kindern; Weihnachten mit den alten Eltern; Weihnachten nach der Scheidung. Weihnachten mit Tränen, Weihnachten im Glück … und auch irgendwann das erste Weihnachtsfest ohne Mutter und Vater …

Weihnachten ist ein ganz besonderer Zeitmesser.

Es passt sich der eigenen Lebenssituation an und bleibt dabei doch etwas Besonderes. An Weihnachten werden nicht wenige von Sehnsucht nach der heilen Welt heimgesucht … und das darf auch mal sein … denn die Welt ist brutal genug.

Auch dieses Jahr werden wir den Abstand zwischen Ideal und Realität in unserem eigenen kleinen Lebensentwurf spüren. Die Medien mit Berichten aus der großen Welt bringen dies leider auch in klarer Schärfe in unsere Wohnzimmer.

In unserem Seelsorgeteam haben wir deshalb beschlossen, dass wir einen Engel mit den Worten „Fürchte Dich nicht!“ dieses Jahr bei unseren Weihnachtsbesuchen bei Chefärzten, Pflegern und Schwestern, vielen anderen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in unserem Klinikum verschenken. Bei allen Gottesdiensten für Schülerinnen und Schülern, Senioren, Patienten in der Reha oder im angeschlossenen Pflegeheim und psychiatrischen Wohngemeinschaft (Anna Ponschab Haus) werden sie als Trost- und Hoffnungsspender weitergegeben. Sie haben eine floureszierende Oberfläche und können deshalb die Dunkelheit etwas erhellen. Natürlich werden sie auch auf dem Nachtkästchen von verschiedensten Kranken in der Klinik stehen.

Mittlerweile sind sie vergriffen. Dies zeigte mir ein Blick auf die Homepage der Firma, wo wir sie bestellt haben. Dieses Hoffnungssymbol ist mittlerweile vergriffen! So viele Menschen haben es sich wohl besorgt oder so, wie wir von der Seelsorge, für andere bestellt.

„Fürchte dich nicht, fürchtet euch nicht!“ Diese Worte kommen in der Bibel mehrere hundert Mal vor und sie sind die Zentralbotschaft des Verkündigungsengels auf dem Hirtenfeld:

„Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2, 9-12)

„Fürchte dich nicht, fürchtet euch nicht!“ ist ein starker Satz, eine himmlische Ansage für unsere durcheinandergeratene Welt.

Der Grund, warum wir uns nicht fürchten sollen, nicht fürchten müssen, ist die Geburt Gottes als Menschenkind in Armut und Not, aber in Liebe, Hoffnung und großem Gottvertrauen. Dieses Menschenkind mit JESUS als Namen – Gott hilft, Gott rettet – kommt in diese geschundene Welt und teilt mit uns Bedrängnis, Dunkelheit, Kälte, Krankheit und Not. Seine Botschaft wird die Welt wie mit einem wärmenden Mantel umgeben und das Innere des Menschen vor Gefahr und Anfechtung schützen.

Dieser Gott, der in der damaligen Nacht kam, der in unsere Nacht kommt, dieser Gott ist ein Gott, dessen tiefste innere Natur Barmherzigkeit ist.

Wer in seine Lebensschule geht, wer von ihm lernt, wer vor allem in dieser so auf Ausnutzen und Ungerechtigkeit aufbauende Dunkelnatur des Menschen selbst die Barmherzigkeit lernt, dessen Licht wird nicht ausgehen. Ein Mensch, der nicht nur sich selbst umklammert, ist nicht nur ein freier Mensch, er ist ein schöner Mensch.

Gottes Barmherzigkeit lässt Menschenschönheit entstehen.

Ein Lächeln, ein Licht, ein lächelndes Licht – trotz allem – geht von der Krippe aus.

Gott sieht das Herz eines Menschen an und nicht auf das Vordergründige. Das Offensichtliche und Einschüchternde hat bei IHM nicht das letzte Wort. Die Macht der Einschüchterer und Angstmacher, der Großspurigen, der Dealmaker und Unterdrücker ist nicht für immer. Ein Blick auf all diese sogenannten Großen zeigt, wie flüchtig deren Herrschaft war und sein wird.

Die Unscheinbaren und Schwachen, die Kleinen bewirken im Laufe der Geschichte mehr, vor allem, wenn sie aus der Kraft der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe gespeist sind.

„Fürchte dich nicht, fürchtet euch nicht!“ – Das sind Himmelsworte von Gott, die uns Kleinen helfen, die uns ermutigen und unsere Furcht und Angst im Zaum halten. Sie nisten sich im Menschenherz ein und gedeihen zu Kraft und Mut heran.

Wir feiern heute Abend ein Fest der Hoffnung auf Veränderung. Wir feiern keine faule, sondern eine zuversichtliche Hoffnung, deren tiefe Kraftquelle das Wissen ist, dass ER unser Leben durch Dick und Dünn, durch Nacht und Licht, dass ER unser Leben teilt, lenkt, führt, stützt und lenkt.

Heute Abend halten wir EINKEHR und entdecken in uns unser unverletztliches inneres Wesen, dessen Licht von Gott kommt.

„Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ Amen.