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Pater Christoph Kreitmeir: „Jesu Ruf ergeht an uns alle“

In seiner Predigt zum 10. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: Hos 6, 3-6; Evangelium: Mt 9, 9-13) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, was es bedeutet Jesus nachzufolgen und sich damit auf den Weg der Barmherzigkeit aufzumachen.

 

Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:

 

Wir haben soeben die Berufungsgeschichte des Zöllners Matthäus gehört. Bis heute verwundert mich diese Berufung. Nicht nur, weil Jesus nur drei Worte – „Folge mir nach!“ – sagt und Matthäus dies dann auch tut. Welche Wirkmacht Jesu Ruf hat!

Was mich auch verwundert ist, dass Jesus sich nicht um das Gerede der Menschen kümmert: „Was, so einen beruft dieser Rabbi in seine Jüngerschaft?“ Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert.

Zöllner sind damals Handlanger der Ausbeutungspolitik der römischen Besatzungsmacht an der jüdischen Bevölkerung. Sie gehörten der unteren sozialen Schicht an, mussten Steuern einheben, und weil sie nicht staatlich fix besoldete Beamte waren, scheuten sie nicht davor zurück, die Bevölkerung auszupressen. Oft begingen sie auch Betrügereien, vielleicht auch, um selbst zu überleben. Solche Leute liebt man nicht. Das ist heute genauso. Und genau so einen beruft Jesus in seine Gefolgschaft, auf einen Weg in ein völlig neues Leben.

Jesus hat Interesse am Menschen, vor allem an denen, deren Weg nicht (mehr) auf der Zielgeraden ist, sondern sich verirrt hat.

Den sog. Frommen, deren Weg ohne Umwege und Stolperfallen ist, sagt Jesus: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Mt 9,12) Jesus verurteilt die Pharisäer nicht, die sich am Zöllner stoßen, er versucht, die Gesunden, die Starken dafür zu gewinnen, sich denen zuzuwenden, die Hilfe brauchen. Wer stark ist, kann eigentlich etwas abgeben. Oft ist es aber anders.

Oft sind es die, welche durch Um- und Irrwege gegangen sind, welche anderen nach ihrer Bekehrung echt und aufrichtig helfen.

„Was soll aus dir werden, wohin führt dein Leben?“ fragt Jesus den Zöllner damals. Und er stellt diese existentielle Frage auch heute. Wenn man in die Suchmaschine z. B. „Wenn Kriminelle zu Christus finden“ eingibt, dann findet man v. a. bei Youtube beeindruckende Videos von Abkehr von Falschem, von Umkehr und von Hinwendung zu Jesus. Diese Beispiele wollen Zeugnis davon geben:

Machete-Maik begegnet Jesus – Interview mit einem Ex-Bandido Oder: Vom Gangster zum Christen Oder: 12 Jahre Drogendealer und heroinsüchtig 

 

Was soll aus dir werden, wohin führt dein Leben? Berufung enthält die Sendung in bestimmte Aufgaben.

 Jesu Ruf ergeht an uns alle, egal wie stark oder schwach wir gerade sind.

Für eine Kirche, die sich auf Jesus beruft, ist der Tisch, an dem gemeinsam Mahl gehalten wird, zu einem wichtigen Symbol geworden. Um diesen Tisch – dem Altar – sitzen die Starken und die Schwachen, denn alle gehören zur Familie Gottes.

Wo wir auch sind, immer wird die Mitte der Nacht der Anfang des Tages, wenn wir uns auf den Weg der Barmherzigkeit aufmachen.

Nachfolge – das ist nicht ein bisschen „Seid nett zueinander“, Nachfolge bedeutet, „bestimmte Schritte zu tun. Bereits der erste Schritt, der auf den Ruf hin folgt, trennt den Nachfolgenden von seiner bisherigen Existenz.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Jesus hat Menschen in seine Nachfolge gerufen, die als Sünder, Geächtete, Betrüger, Außenseiter galten. Er zerrt niemanden auf einen moralischen Prüfstand, im Gegenteil, er befreit dazu, uns als die, die wir sind, mit all unseren Schwächen und Fehlern, auf ihn einzulassen.

Wir sind eingeladen, das Wort Jesu an Matthäus: „Komm, folge mir nach“ als Ruf an uns selbst zu hören. Schau nicht andauernd auf deine Mängel, deine Fehler, deine Schuld. Schau auf Jesus. Hör auf Jesus. Er glaubt an deine Wandlungsfähigkeit und weiß, was aus dir werden kann, wenn du nur JA zu seinem Ruf sagst. Nicht nur du selbst wirst heiler werden, du wirst auf andere ausstrahlen und auch diese vielleicht zum Umdenken und Umkehren bewegen. Amen.

Anbei ein Kurz-Statement von Pater Anselm Grün im PromisGlauben-Interview zum Kern der christlichen Botschaft, das die Worte von Pater Kreitmeir unterstreicht:

siehe HIER