Pater Kreitmeir: „Die Frage nach Gott will uns durch´s ganze Leben begleiten“
In seiner Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag 2026 (Lesung: Ex 34, 4-9; Evangelium: Joh 3, 16-18) beschreibt unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir, wie man der Dreifaltigkeit Gottes näher kommen kann.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
„Von Gott zu reden ist gefährlich“ hieß das Büchlein, mit dem die russische Schriftstellerin Tatjana Goritschewa vor 45 Jahren großes Aufsehen erregte. Es war faszinierend und beglückend zugleich mitzuerleben, wie sie in der damaligen Sowjetunion als überzeugte Atheistin zu Gott fand und welche Risiken sie dabei auf sich nahm.
„Von Gott zu reden ist belanglos“, sagt der größte Teil der Bevölkerung in unserem Land und hat keine Ahnung mehr vom christlichen Glauben, was Umfragen immer wieder erschreckend zeigen.
Die russische Philosophin beweist, dass es auch anders sein kann. Wir Christen dürfen lernen, wie Jesus von Gott zu reden. Er sprach so von Gott, dass die Zuhörer aufhorchten, sogar erschüttert waren, dass sie nach dem Gottesdienst noch zusammenstanden und einander fragten: Wer ist dieser? Und wie spricht er von Gott?
„Wer ist das eigentlich – Gott?“ So haben die Menschen seit eh und je gefragt.
Die Frage nach Gott will uns durch´s ganze Leben begleiten.
Was wissen wir eigentlich von Gott? Gibt es z. B. jemanden, der versteht, dass Gott einer und zugleich dreifaltig ist? Im Laufe der Jahrhunderte wurde darüber tiefsinnig philosophiert und theologisiert: einfach und verständlich oder wissenschaftlich, kompliziert und manchmal auch arrogant.
Wer aber ehrlich und redlich nach Gott fragt, dem ist Gott ganz nahe.
Folgende Geschichte (Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten, Andere Zeiten e.V., Hamburg 2010, 2. Auflage, S. 28) spricht ganz einfach von Gott und über Gott und will uns heute Nahrung für unseren Glauben geben:
„Auf einer Insel lebten drei fromme Frauen. Von nah und fern kamen die Menschen, um mit ihnen zusammen zu sein und zu beten. Eines Tages besuchte sie auch der Bischof. Als sich sein Schiff der Insel näherte, erwarteten ihn am Strand drei ärmliche Gestalten.
„Man sagt“, begann der Bischof, „dass ihr Gott schaut. Wie betet ihr zu ihm?“ Die drei sahen sich ratlos an. „Wir beten einfach: Wir sind drei, und du bist drei – steh uns bei!“
Der Bischof war bestürzt: „Nichts sonst? Kein Vaterunser? Kein Rosenkranz? Keine Psalmen?“ So viel Unwissenheit konnte er nicht zulassen, und er fing an, ihnen das Vaterunser Wort für Wort vorzusagen. Als die drei es nachsprechen konnten, verabschiedete sich der Bischof zufrieden.
Aber kaum befand sich sein Schiff wieder auf See, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen: Hand in Hand eilten die drei über das Wasser auf ihn zu. Atemlos riefen sie: „Verehrter Herr, wir haben es vergessen! Wie geht es noch weiter nach ´Geheiligt werde dein Name´?“
Ergriffen warf sich der Bischof auf dem Schiff nieder und berührte mit der Stirn die Planken. „Betet so weiter, wie ihr es immer getan habt! Gott hört euch!“
Erleichtert verbeugten sich die drei und gingen beruhigt über die Wellen zurück zu ihrer Insel.“
Wer Gott wirklich ist, das kann nur er selbst uns sagen und zeigen.
Er hat es getan, indem er sich uns geoffenbart hat. Wenn sich jemand ihm im Glauben öffnet, kommt zur Gotteserfahrung.
Denn: „Wer sich wirklich auf die Suche nach Gott macht, dem kommt Gott entgegen.“ – Die Gottesbegegnung von Mose, die wir in der Lesung gehört haben, bezeugt dies auf eindrückliche Weise.
Gott ist nach unseren Kriterien nicht fassbar, kontrollierbar oder gar für eigene Zwecke nutzbar – Gott sei Dank! Papst Leo XIV hat dies vor kurzem wieder deutlich in Richtung der USA, Präsident Trump und seiner MAGA-Bewegung (Make America Great Again) gesagt. Gott darf nicht instrumentalisiert werden. Daraus – so zeigen es die Erfahrungen aus vielen Jahrhunderten – sind nur Glaubenskriege entstanden.
Unser Nachdenken über Gott und die göttliche Dreifaltigkeit will und soll letztlich aber eine Bedeutung für unser alltägliches Glaubensleben haben. Der Glaube an den dreifaltigen Gott will sich in unserem Denken, Fühlen und Tun tagtäglich ausdrücken.
Wir können es kurz so sagen:
Gott ist wie ein liebevoller Vater, der sich um uns kümmert, uns seinen Sohn sandte und uns in seinem Geist immer noch tröstet und Kraft gibt. Gott ist dreifach unter uns gegenwärtig.
Vielleicht hilft dieses alternative Glaubensbekenntnis dabei:
Wir glauben an Gott, den Vater.
Er ist für uns wie ein Vater und eine Mutter.
Alles hat er geschaffen:
die Welt, die Pflanzen, die Tiere, die Menschen.
Er hat uns die Erde anvertraut, die er ohne Ende liebt.
Deshalb sandte er uns seinen Sohn.
Wir glauben an Jesus Christus.
Er ist der Sohn Gottes, er wurde ein Mensch wie wir.
Kranke hat er geheilt, Blinde hat er sehend gemacht.
Er liebte alle Menschen.
Mit den Menschen, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte,
mit ihnen hat er gegessen.
Zwei Weisungen gab er uns:
Liebe Gott aus deinem ganzen Herzen.
Und: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Er wollte, dass alle Menschen miteinander in Frieden leben.
Er hat sich Freunde gesucht und sich gewünscht,
dass alle Menschen seine Freunde werden.
Freiwillig hat er mit und für uns gelitten und ist am Kreuz gestorben.
Er wurde begraben wie wir nach unserem Tod.
Am dritten Tag hat Gott ihn vom Tod auferweckt
und ihm ein neues Leben geschenkt.
Er ist zu seinem Vater im Himmel aufgefahren.
Er hat uns nicht verlassen,
sondern uns den Hl. Geist versprochen.
Wir glauben an diesen Hl. Geist. Er ist der gute Geist, er ist auch Gott.
Er stärkt uns, nimmt uns die Angst vor dem Bösen.
Er hilft uns, dass alle Menschen eine Gemeinschaft werden,
die Lebenden und die Toten.
Schon bei der Taufe haben wir Gottes Geist empfangen.
Der Hl. Geist wirkt in der Kirche, er gibt uns Kraft, allen zu verzeihen.
Er lässt uns glauben, dass wir weiterleben dürfen bei Gott nach unserem Tod im ewigen Leben.
Amen.
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