Pater Kreitmeir: „Wer Jesus eine Falle stellen will, der muss schon früher aufstehen“
In seiner Predigt zum 29. Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 1 Thess 1, 1-5; Evangelium: Mt 22, 15-21) geht unser geistlicher Begleiter Pater Christoph Kreitmeir in Auslegung des Evangeliums auf das Verhältnis von Staat und Religion ein.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Kreitmeir als Audio-Datei und anschließend im Textformat:
Wer Jesus eine Falle stellen will, der muss schon früher aufstehen. So leicht lässt er sich nicht aufs Glatteis führen. Und dabei war die Geschichte wirklich gut eingefädelt. Man stelle ihn einfach vor die Entscheidung zwischen dem Kaiser und dem Staat auf der einen und Gott und der Religion auf der anderen Seite. Und egal für welche Seite er sich dann entscheiden wird, er wird verlieren. Entweder fallen die römischen Machthaber über ihn her oder die Repräsentanten der Religion. Wirklich gut eingefädelt – nur so leicht lässt sich Jesus eben nicht aufs Glatteis führen.
Mit meisterlicher Perfektion umschifft er in dieser Begebenheit des heutigen Evangeliums sämtliche Klippen und Hindernisse, mit denen seine Fragesteller ihn aufs Kreuz zu legen versuchen. Wie ein Aal schlüpft er ihnen durch die Finger, doch interessanterweise jetzt nicht dadurch, dass er irgendwelche leeren Floskeln dahersagt, genialerweise dadurch, dass er zielsicher die Fragestellung als falsch entlarvt und zwar mit entwaffnender Einfachheit.
Nicht der Kaiser oder Gott, Nicht der Staat oder der Glaube – Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.
Und er sagt es so genial einfach: Wessen Bild und Aufschrift seht ihr, wenn ihr die Münzen anseht? Und sie holen ihre Münzen hervor und outen sich dabei als Menschen, die selbst in das Dilemma zwischen Staat und Glauben verstrickt sind. Als wirklich gläubige Juden dürften sie das römische Geld gar nicht haben oder benutzen.
Na, dann machen wir doch mal die Probe aufs Exempel. Sie könnten jetzt Ihren Geldbeutel herausholen und nachsehen, was darauf zu finden ist, auf unserem Geld. Was für ein Bild ist da heute zu sehen?
Meistens werden es überwiegend Gebäude sein, die Sie dort auf den Scheinen finden, aber diese Bilder meine ich jetzt nicht. Schauen Sie sich an, was sich auf dem Euro oder dem Zwei-Euro-Stück findet, dort, wo sich früher – zur Zeit Jesu – der Kaiserkopf befand. Viel geändert hat sich nicht: Wenn es eine in Deutschland geprägte Münze ist, dann ist es der Bundesadler, den Sie dort finden.
Zur Zeit Jesu war es der Kaiser, der den Menschen eine Steuerlast aufbürdete, die sie kaum zu tragen vermochten – Heute holt das Finanzamt mit seinen Steuern viel von unserem Geld.
Und dagegen lässt sich auch nichts machen, schon gar nicht auf dem irdischen Rechtsweg und mit den Mitteln der Religion kommen wir auch nicht dagegen an. Schade, es wäre doch schön gewesen, wenn Jesus da eine andere Auskunft gegeben hätte.
Nur gibt es ja auch andere Münzen – das ist ja das Interessante an unserem Eurogeld. Es gibt ja nicht nur Euros mit dem Bundesadler. Andere Länder haben andere Symbole. Die wenigsten sind viel besser als die unsrigen. Eine aber ist anders. Ich habe eine Münze gefunden, die mir wirklich gut gefällt. Ich habe sie aus dem Urlaub mitgebracht und ich verwahre sie seither als nettes kleines Andenken, als eine Münze, die mich nachdenken lässt.
Es ist der italienische Euro. Auf ihm ist weder ein Bundesadler noch ein Staatssymbol zu sehen. Auf der Rückseite des italienischen Euros ist der Mensch eingeprägt, jene berühmte Darstellung von Leonardo da Vinci.
Und der italienische Euro lässt mich ganz anders auf unser Geld schauen, als es der unsere tut.
Was seht ihr da? Wessen Bildnis ist das? Ein Mensch! So gebt dem Menschen, was dem Menschen zusteht. Setzt euer Vermögen ein, damit ein wenig mehr Menschlichkeit um sich greift.
Das ist doch eine wirklich schöne Botschaft!
Natürlich kommen wir nicht darum herum, dem Finanzamt seinen Teil zukommen zu lassen. Wenn aber vom Rest ein gutes Stück in Menschlichkeit investiert wird, dann freue ich mich auf die Zinsen.
Und wenn ich mich für den Menschen einsetze, wenn ich mich darum kümmere, dass um mich herum ein wenig mehr Menschlichkeit entsteht – wer weiß -, vielleicht habe ich dann indirekt das zweite, was Jesus gesagt hat, auch schon getan. Wer weiß, vielleicht habe ich dann Gott bereits gegeben, was Gott gehört. Amen.
Hinweis: Mehr Infos zu und geistliche Impulse von Pater Kreitmeir gibt es auf seiner Webseite:



