Pater Peter Uzor: „Der Heilige Geist zeigt sich nicht nur im Außergewöhnlichen“
Seine Predigt zum Pfingstmontag 2026 stellt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor unter die Überschrift „Wo bleibt der Heilige Geist?“ Dabei beschreibt er, wie der Geist Gottes oft im Verborgenen wirkt.
Anbei die Worte der Predigt von Pater Peter:
Gestern haben wir hier in unserer Heilig-Geist-Kirche ein schönes Patrozinium gefeiert. Viele haben mitgeholfen. Es wurde aufgebaut, vorbereitet, gekocht, getragen, gesungen, aufgeräumt. Und vielleicht ging es manchen gestern Abend wie mir: müde, aber dankbar. Man spürt: Gemeinde lebt nicht von Gebäuden allein. Gemeinde lebt von Menschen, die sich vom Geist Gottes bewegen lassen.
Und trotzdem bleibt eine Frage zurück, die viele von uns kennen – vielleicht besonders am Pfingstmontag: Wo bleibt eigentlich der Heilige Geist?
Wir hören an Pfingsten von Feuerzungen, Begeisterung, Aufbruch. Aber wenn wir auf unsere Wirklichkeit schauen, sehen wir oft etwas anderes: leere werdende Kirchen, junge Menschen, die nach der Firmung verschwinden, Sorgen in den Familien. Manche beten seit Jahren um Kraft – und fühlen sich trotzdem innerlich müde.
Vielleicht sitzt heute jemand hier und denkt: „Früher war mein Glaube lebendiger.“
Oder: „Ist der Heilige Geist überhaupt noch da?“ Die heutige Schrift antwortet darauf erstaunlich ehrlich.
Im Evangelium sagt Jesus seinen Jüngern nicht: „Ab jetzt wird alles leicht.“ Im Gegenteil. Er bereitet sie auf Widerstand vor. „Sie werden euch aus den Synagogen ausschließen“, sagt er. Und dennoch verspricht er ihnen den Beistand – den Heiligen Geist. Nicht als Zauberlösung. Sondern als Begleiter.
Das ist wichtig: Der Heilige Geist zeigt sich nicht nur im Außergewöhnlichen. Nicht nur im Sturm und Feuer von Jerusalem. Oft wirkt er leise. Unscheinbar. Wie Atem. Wie ein Licht, das nicht blendet, aber den Weg zeigt.
Viele von Ihnen kennen das aus dem eigenen Leben. Da verliert jemand den Ehepartner nach fünfzig gemeinsamen Jahren – und steht trotzdem jeden Morgen auf. Nicht weil alles gut wäre. Sondern weil irgendwo tief drinnen noch ein kleines Vertrauen trägt.
Da besucht jemand treu einen kranken Nachbarn. Woche für Woche. Ohne großes Aufsehen.
Da betet eine Großmutter jahrelang für ihre Enkel, obwohl sie den Eindruck hat, dass niemand mehr glauben will.
Liebe Schwestern und Brüder, genau dort wirkt der Heilige Geist.
Wir erwarten oft das Große und übersehen das Kleine. Aber Gottes Geist arbeitet selten mit Lautstärke. Er arbeitet mit Treue. Mit Geduld. Mit Menschen, die sich berühren lassen.
In der Apostelgeschichte hören wir heute von Petrus. Eine entscheidende Szene. Petrus begreift plötzlich: Gottes Geist ist größer als alle Grenzen. Nicht nur die „Richtigen“, nicht nur die „Perfekten“, nicht nur die eigene Gruppe gehören dazu. Der Heilige Geist fällt sogar auf Menschen, mit denen Petrus nie gerechnet hätte. Das muss auch für uns heute eine wichtige Erinnerung sein.
Vielleicht wirkt der Geist Gottes schon längst dort, wo wir ihn nicht vermuten: in einem Menschen, der nach langer Zeit wieder eine Kerze anzündet; in Jugendlichen, die kritisch fragen, aber ehrlich suchen; in einem stillen Ehrenamt; in einem versöhnten Gespräch nach Jahren des Schweigens.
Der Geist Gottes ist nicht verschwunden. Aber er drängt sich nicht auf.
Ein älterer Priester hat einmal gesagt: „Der Heilige Geist ist wie Rückenwind beim Fahrradfahren. Man sieht ihn nicht. Aber man merkt plötzlich: Ich komme weiter, obwohl ich dachte, ich schaffe es nicht.“
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Pfingstmontags: Der Heilige Geist ist nicht weg. Er wirkt oft gerade mitten in unserer Schwäche.
Jesus nennt ihn den „Beistand“. Nicht den „Problembeseitiger“. Der Beistand geht mit. Gerade durch schwere Zeiten hindurch.
Vielleicht müssen wir als Kirche heute weniger fragen: „Wie bekommen wir mehr Erfolg?“ Sondern eher: „Wo geben wir dem Geist Raum?“
Wo reden wir so vom Glauben, dass Hoffnung spürbar wird? Wo leben wir so, dass andere merken: Diese Menschen meinen es ernst – und sie bleiben menschlich dabei?
Gestern beim Patrozinium war etwas davon zu spüren. Gemeinschaft. Freude. Menschen, die füreinander da sind. Das allein bekehrt noch nicht die Welt. Aber es ist ein Anfang. Vielleicht genau die Art, wie der Heilige Geist heute wirken will: nicht spektakulär, sondern glaubwürdig.
Darum dürfen wir heute ganz einfach beten: „Heiliger Geist, komm in meinen Alltag.
In meine Sorgen. In unsere Gemeinde. Und zeig mir den nächsten Schritt.“
Denn Pfingsten bedeutet nicht, dass alle Probleme verschwinden. Pfingsten bedeutet: Gott geht mit uns.
Amen.



