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In seiner Auslegung zum Evangelium vom vergangenen Sonntag (Mt 22,15-21) erklärt unser geistlicher Begleiter Pater Dr. Peter Uzor, was der Satz Jesu „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört“ für unser Leben als Christen in einer freiheitlichen Gesellschaft bedeutet. Dabei betont er, wie wichtig es für ihn persönlich ist, sich immer zu vergewissern, wie das Wasser der Taufe ihn selbst ein für alle mal geprägt hat, und aus dieser Prägung dieser Prägung zu leben.

Hier die Worte seiner Predigt:

Sie sind klug und gerissen. Und wenn sie auch sonst getrennte Wege gehen, sind sie sich in dieser Angelegenheit einig: Die Jünger der Pharisäer und die Anhänger des Herodes fädeln ihren Schachzug geschickt ein. Sie können es genüsslich angehen lassen. Sie glauben: Aus dieser Falle kann er nicht mehr herauskommen. Die schnappt zu – und damit haben sie ihn. Süffisant schmieren sie ihm „Honig um den Bart“: „Wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und den Weg Gottes lehrst…“ – Wenn sie wüssten, wie sie den Nagel auf den Kopf treffen, denn genau darum wird es gehen: Um die Wahrheit des Lebens, um die Wahrhaftigkeit auch ihres Lebens. „Wir wissen, dass du keine Rücksicht nimmst, denn du siehst nicht auf die Person…“ – Wie recht sie haben:

Wenn es um die Wahrheit geht und um das Reich der Himmel, geht dieser Jesus immer den geraden Weg. Niemals wird er sich einer anderen Macht beugen, niemals sich einschleimen oder nach unten treten, nur um sich anzupassen.

Rücksicht wird er nehmen auf jene, die im großen Machtapparat unter die Räder gekommen sind; und Vorsicht wird er walten lassen bei allen, die nur sich selbst und ihren Vorgesetzten gefallen und ansonsten über Leichen gehen.

Die Zwickmühle wird also eröffnet: „Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“ – Ein Ja oder ein Nein würde Jesus zum Verbündeten oder Gegner der einen oder der anderen Partei machen. – Jetzt nageln sie ihn fest; das Kreuz ist schon aufgerichtet. Diesmal wird er ihnen nicht entwischen. Dieser Jesus aus Nazaret. Sie sind ihn einfach leid: diesen Querulanten und Besserwisser, diesen Unruhestifter und Aufschrecker. Zu viel Liebe geht diesem Mann voraus, zu viel Freiheit, Offenheit und Souveränität.

Jesus spricht nicht nur von Liebe, er lebt sie auch.

Er ist mit dem Himmel und Allem verbunden – und bleibt frei. Er ist keinem hörig, sondern hört nur auf das Wort des Vaters in den Kindern dieser Erde. Damit provoziert er, untergräbt er, wirkt er subversiv – denn die Menschen sollen wieder lernen, dass sie Kinder des einen Vaters und einander Brüder und Schwestern sind.

In dieser Freiheit gelingt Jesus der geniale Schachzug: „Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!“ Die Szene wandelt sich zur Satire, denn Jesus weiß genau, dass sie alle die Münze mit Bild und Aufschrift des römischen Kaisers in der Tasche haben – jener Denar, um den sie sich angeblich ein so großes Gewissen machen.

Sie, die sie Jesus vorführen wollten, werden nun selber vorgeführt: Sie sollen selber sagen, was sie sehen: Es ist das Bild des Kaisers und seine für jüdische Auffassung blasphemische Inschrift: „Tiberius, Kaiser, der anbetungswürdige Sohn des anbetungswürdigen Gottes“. – Sie tragen das verhasste Geldstück in ihren eigenen Taschen, und sie werden damit auch ihre Steuern bezahlen. Es ist des Kaisers Geld, es gehört ihm. Also ist es nur folgerichtig: Gebt also dem Kaiser, was dem Kaiser gehört! Geld gehört dem Kaiser, Geld und seine Machtinstrumente, ja, aber mehr auch nicht! Gebt ihm in den Steuern genau das zurück, was ihm gehört, aber mehr auch nicht! Aber: „Gebt Gott zurück, was Gott gehört!“ – Das ist unerhört! Und noch einmal weit mehr, als sie als Antwort erwartet hatten.

Es ist die tiefste Wahrheit über unser Leben. In das Metall des Geldstücks hat der Kaiser sein Bild und seinen Machtanspruch eingeprägt; und Gott hat sein Bild und Wesen in das Herz des Menschen eingeprägt.

Sie und ich, jedes Menschenkind ist und bleibt auf ewig in diesem Sinn Gottes Eigentum.

Sie kriegen von Jesus eine Antwort, nach der sie nicht gefragt haben: „Gebt Gott zurück, was Gott gehört!“ Damit verändert er den Blickwinkel, er weitet ihn. Wie werde ich meiner Verpflichtung gegenüber Gott gerecht? Wenn dem Kaiser Steuer gebührt, was gebührt dann Gott? Und wie gebe ich ihm das, was ihm zusteht?

Gott geben, was ihm zusteht – das heißt, sich stets und ständig zu fragen, wie wir als seine Geschöpfe vor ihm dastehen, wie unser Umgang mit anderen ihm erscheint.

Und wie gebe ich Gott das, was ihm zusteht? Eine Anfrage, in der eine Herausforderung für die eigene Gottesbeziehung mitschwingt: Bleibe Gott nichts schuldig! Versage ihm nicht das, was er Gutes in dich hinein investiert hat. Gebe ihm zurück, womit er dich beschenkt hat. Diese Bringschuld könnte man auch so formulieren:

Präge das Bild in dir aus, das Gott durch seine Gaben und Talente in dir angelegt hat.

Lass es zur Entfaltung kommen, mache etwas daraus. Führe ein Leben, das ihm wohlgefällt. Denn du schuldest ihm nicht nur die Gottes-, sondern auch die Nächstenliebe. Vor allem, gib ihm das, was mit allem Geld dieser Welt nicht zu bezahlen ist: Anerkennung und Aufmerksamkeit, Treue und Zuneigung, letztlich deine tiefe Verehrung durch Lobpreis und Ehre seines Namens.

Gib Gott, was Gott gehört! Du hast vor ihm eine Bringschuld.

Der Kaiser, Politiker, eine Regierung – sie sind Menschen, die menschlich und damit wie jeder und jede von uns auch, manchmal unmenschlich handeln. Von Staat und Politik kann nur Menschliches, nichts Überirdisches erwartet werden. Soviel Realismus muss sein. Dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, bedeutet: Loben und anerkennen, was gelingt. Anpacken, wo unsere Mitarbeit nötig ist.

Wissen, dass Verantwortung übernehmen auch bedeutet, Fehler zu machen und schuldig zu werden. Widersprechen, wenn das Recht nicht gewahrt und geachtet wird, wie es Gottes Gebot ist. In der Apostelgeschichte heißt es: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Jesus hat noch umfassender gesagt: „Gebt Gott, was Gottes ist.“ Der Silbergroschen, den seine Gegner aus der Tasche geholt haben, trug das Bild des Kaisers, so wie unsere Münzen oder Geldscheine früher zum Teil prominente Köpfe oder Staatssymbole eingeprägt oder aufgedruckt hatten.

Lebt damit, sagt Jesus, kommt euren Pflichten nach, esst, trinkt, handelt, zahlt Steuern. Aber habt Gott als Bild im Herzen, in der Seele und im Verstand.

Da tauchen Fragen bei mir auf: Gehöre ich Gott? Ist das wahr? Wem gehöre ich? Auf wen oder was höre ich? Wer oder auch was prägt maßgeblich mein Leben? Wem gebe ich Macht über mich – in Teilen oder im Ganzen, in meiner Arbeit, in meiner freien Zeit; wem „erlaube“ ich, mein Leben maßgeblich mitzubestimmen? Wem zahle ich – um im Bild zu bleiben – meine „Lebens-Steuer“?

Und wenn ich es mir so recht überlege, fallen mir doch immer mehr Dinge, Menschen und Vorgegebenheiten ein, denen ich Macht und Möglichkeit gebe, mich zu prägen. Das kann ja auch gut sein, wenn diese Prägung mich unabhängig und frei sein lässt. Wenn sie mich immer mehr der- oder diejenige sein lässt, als der oder die ich von Gott her gedacht und gewollt bin. Wenn sie mich als Kind Gottes meint und respektiert. – Alles andere ist zu genau zu prüfen, ob es meinen Schutzwall passieren darf.

Ich will also noch einmal sorgfältiger hinschauen als bisher: Was gebe ich wem? Wem gehöre ich? Wie hoch sind die Preise, die ich „bezahle“?

Wie Sie, bleibe auch ich Bürger dieses Staates und Mitglied einer modernen Gesellschaft mit allen Einflüssen, Kampagnen und Verführungen.

Als Christ weiß ich mich aber mit dem Wasserzeichen der Taufe geprägt. Ich gehöre zu diesem Staat, ich gehöre zur Kirche und zu meiner Familie und zu meinem Orden, aber ich gehöre in allem alleine Gott.

In Lebens-, Glaubens- und Herzensangelegenheiten hat er mich geprägt und soll es auch weiterhin tun. Und das bestimmt mein tägliches Denken und Handeln. Und wenn mich einer fragt, sag ich’s ihm. Ich bin so frei.

Amen.