Foto: PromisGlauben e.V. (im Bild: Pater Peter Uzor in St. Marien Sonnefeld)

Am gestrigen Dreifaltigkeitssonntag ging unser geistlicher Begleiter Pater Peter Uzor in seiner Predigt in St. Marien Sonnefeld (Oberfranken) auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes ein und legte dar, wie und woran wir Christen im Kern glauben.

Hier seine Worte zur Dreifaltigkeit Gottes:

Wer ist Gott? Wie kann man ihn beschreiben, wie ihn darstellen? Die Kunst hat immer wieder Wege gesucht, das Geheimnis darzustellen, das Gott für uns ist. Jedes Bild aber ist nur anfanghaft, keine Beschreibung kann Gott umfänglich erfassen.

Wenn wir Gott begriffen haben, ist es nicht Gott, was wir begriffen haben.

Mit Augustinus können wir sagen: „Von Gott kann man nicht reden; doch wehe dem, der von ihm schweigt.“
Wer ist dieser Gott, den wir als den dreieinen oder dreifaltigen feiern, als Vater, Sohn und Geist? Oder wie es im „Heilig“-Lied der „Deutschen Messe“ heißt: Allmacht, Wunder, Liebe. In dieser Liebe begegnet uns Gott bedingungslos, den wir in Jesus Christus für sein Erbarmen preisen.

Immer noch ist das ein christliches Erkennungszeichen: Wenn wir beten, dann beginnen wir „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ und machen dabei das Kreuzzeichen.

Das geschieht bei jedem Gottesdienst hier in der Kirche, das geschieht aber auch bei unserem persönlichen Gebet im stillen Kämmerlein.

Diese Art zu beten verbindet uns mit den Christen aller anderen Konfessionen; dabei den eigenen Körper auf unsere Weise mit dem Kreuz zu bezeichnen, ist eine speziell katholische Tradition, die die anderen Konfessionen so nicht mit uns teilen.

Gemeinsam ist uns Christen aber, Gott zu glauben ‚im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘.

Im Namen des dreifaltigen Gottes haben wir alle die Sakramente empfangen, die Taufe, die Firmung, das Sakrament der Versöhnung, der Eucharistie, manchmal aber auch das Sakrament der Krankensalbung, der Ehe oder der Weihe.

Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott ist für uns Christen allgegenwärtig.

Manchmal so sehr, dass es uns gar nicht immer so bewusst ist, was wir da eigentlich glauben.
Gerade in unserer Zeit erscheint mir das eine immer größer werdende Herausforderung. Der christliche Glaube ist für viele Menschen in unseren Breiten keine Selbstverständlichkeit mehr. Vielfach sind wir heute auf unserem Glaubensweg von innen und von außen herausgefordert, ganz persönliche und grundsätzliche Entscheidungen des Glaubens zu treffen. Das Leben in einer Umwelt, die vielfach entchristlicht ist, und das Zusammenleben mit anderen Religionen fordern uns heraus, auch ganz persönlich. So erlebe ich etwa in Gesprächen mit Menschen muslimischen Glaubens immer wieder die Anfrage, wie wir uns das als Christen denn so vorstellen: den dreifaltigen Gott. Und wie das überhaupt möglich sein soll: einen Gott in drei göttlichen Personen als Vater, Sohn und Heiligen Geist zu glauben.

„Glaubt Ihr Christen nicht eigentlich an drei Götter?“, so der Verdacht und Vorwurf.

Der heutige Dreifaltigkeitssonntag, der Sonntag nach Pfingsten und somit der erste nach dem Osterfestkreis, bezeichnet diesen innersten Kern unseres christlichen Glaubens. Wir hören in den Lesungen und besonders in den Texten der Eucharistie das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott. Gerade die liturgischen Gebete dieses Tages machen uns die Anstrengung und die Mühe deutlich, die unser Glaube an den dreifaltigen Gott bedeutet. Da ist die Rede vom „Geheimnis des göttlichen Lebens“, von der „Einheit der drei Personen“ und zugleich ihrer „Sonderheit“, da wird die „Einheit im Wesen“ und die „gleiche Fülle in der Herrlichkeit“ beschworen. Das ist nicht leicht verständlich, denn letztlich, so müssen wir sagen, ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit nicht aufzulösen. Seit alters her spricht die Theologie an dieser Stelle von einem ‚mysterium stricte dictum‘, von einem nicht auslotbaren, einem nicht aufzulösenden Geheimnis, von einem ‚Geheimnis im eigentlichen Sinne‘.

In den Schriften des Alten und Neuen Testamentes teilt Gott sich uns Menschen mit.

Er offenbart sich in der Geschichte, besonders in der Geschichte des Bundes, er spricht zu uns in der Verkündigung der Propheten. Er offenbart sich letztlich und auf vollkommene Weise in Jesus Christus, seinen Worten und Taten.

In Jesus Christus spricht Gott sich ein für allemal aus, so glauben wir Christen.

Und wir bekennen Jesus als den Christus, den Gesalbten, den Sohn Gottes.

Sohn und Vater sind in vollkommener Liebe verbunden. Dieses Band ihrer Liebe ist für uns die dritte göttliche Person, der Heilige Geist, durch den wir gleichsam hineingenommen sind in die Gemeinschaft des göttlichen Lebens.

Wir Christen verstehen die Selbstoffenbarung Gottes als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Trotz dieser Offenbarung Gottes, trotz dieses ‚Sich-Zeigens‘, bleibt Gott immer auch unbegreifliches, tiefes und nicht erschließbares Geheimnis. Wir können ihn nicht beweisen mit der zwingenden Kraft der Logik oder der kalten Nüchternheit einer Formel. Aber wir haben die Möglichkeit, ihm in unserem Leben immer mehr Raum zu geben, ihm näher zu kommen und damit letztlich an ihm Halt zu finden.

 

Eine kleine ‚Übung‘, eine ‚Vorstellungshilfe‘, die Sie vielleicht schon längst kennen, geht so:

 

Ich stelle mir Gott vor als den großen Gott. Er ist über mir und ich erhebe meine Augen nach oben.

Er ist der Schöpfer aller Dinge, der Anfang und Ursprung allen Seins. Er ist allmächtig und ewig, unfassbar und erhaben. Er schwebt unwandelbar über den Zeiten. Er ist gewaltig und voller Macht. Ich kann ihn nicht begreifen. Diesen unfassbaren Gott nennt Jesus seinen ‚Vater‘.

Nun senke ich meinen Blick und schaue geradeaus. Ich schaue auf Jesus. Von ihm kann ich mir eine Vorstellung machen, ein Bild. Er ist mit mir auf Augenhöhe – ein Mensch wie ich auch.

Und ich sehe sein Wirken, seinen Umgang mit den Menschen. Ich betrachte sein Leben von der Krippe über das Kreuz bis hin zu seinem leeren Grab. Ich sehe seine Heimkehr zum Vater. Ich stelle mir seine Gestalt, sein Auftreten vor. Ich höre von seinen zarten Berührungen, seinem Heilen und Aufrichten, ich vernehme die Worte und Taten seiner Befreiung. Ich spüre seine Liebe zu den Kleinen und Armen und Kranken. Ich koste von seiner Freude am Teilen und seiner Einladung, ihm zu folgen. Ich kenne seinen Geschmack im Brot und Wein und er zeigt mir seine Wunden. Er, der vor mir ist, der sich anschauen, hören und berühren lässt, der mir so nahe kommt, er ist Gott. Wieder unfassbar!

In ihm, in Jesus von Nazaret, dem Christus, dem Sohn, berühre ich das Innerste, das Wesen Gottes selbst. Gott ist so wie er. Er ist vollkommene Liebe.

Liebe, die sich verschenkt, die sich hingibt. Er ist unser aller Bruder. Er lebt unser Leben, stirbt unseren Tod und bleibt uns auch nach der Auferstehung ewig nahe. So ist Gott nicht nur ein Gott über uns, sondern mit uns. Darum wird uns in der Liturgie immer wieder das „Der Herr sei mit euch!“ zugerufen.

Und diese Liebe, dieser Gott, will in mir wohnen.

Er will Wohnung nehmen in meinem Herzen, in meiner Seele, in meinem Denken, in meinem Gewissen, in meinem Fühlen. Gott, der vollkommene Liebe ist, teilt sich in seiner Liebe mir und allen Menschen mit.

Er, Gott, ist Heiliger Geist – Lebensatem, Odem, ein Hauch und leises Säuseln, sanft, zerbrechlich und zärtlich, zugleich auch gewaltig.

Er ist wie Luft und Feuer, zu allem fähig. Er führt zusammen, er heilt und verbindet, er tröstet und wärmt, er reinigt und stärkt. Er wirkt in mir. Und in manchem Augenblick kann ich ihn regelrecht erahnen, spüren und vernehmen, kommt er mir nah. In tiefer Sehnsucht, in Stottern und Seufzen. Und immer bleibt er unfassbar, entzieht er sich meinem Begreifen. Durch die Taufe sind wir Tempel des Heiligen Geistes. Unser Leben ist ein In-Gott-Sein. „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“, predigt Paulus (Apg 17,28). Wir sind nicht von allen guten Geistern verlassen, auch wenn uns manches in unserem Leben nicht gelingt. Der Heiliger Geist ist es auch, der die Kirche lebendig erhält.

Gott Vater über mir, Gott Sohn vor mir, Gott Heiliger Geist in mir. Gott ist dreifaltig einer. Nah und fern, ein vertrautes Du, wie ein Bruder und Freund. Und doch immer auch Herr, majestätisch und allmächtig.

Allein im Gebet kann ich mich diesem Gott nähern. So etwa, wie es in einem Tagzeitengebet zum Ausdruck gebracht wird:

„Dich Gott Vater, ohne Ursprung und End’, Dich Sohn, den liebend der Vater erkennt, Dich Heiligen Geist, der aus beiden entbrennt; … Dich Gott Vater, allgewaltig an Macht, Dich Sohn, der ewiges Heil uns gebracht, Dich Heiligen Geist, der die Herzen entfacht, Dich Eine hohe Dreifaltigkeit: preisen die Engel voll Seligkeit, feiert auf Erden die Christenheit jetzt und allezeit. Amen!“

 

Näheres zur Pfarrgemeinde von Pater Peter Uzor findet ihr auf deren Webseite oder auf Facebook.

 

Nach der Kommunion trug Pater Peter noch folgende Besinnung vor:

An Gott glauben
heißt nicht eine Theologie anerkennen
oder Glaubenssätze verinnerlichen,
sondern antworten.

Gott kommt mit seiner Liebe
dem Menschen entgegen,
der ihm mit dankerfüllter Liebe
im Glauben antwortet.

Glauben heißt lieben.
Offen sein für den liebenden Zuspruch,
bereit sein für das Geschenk
und in dieser Liebe antworten

Glauben ist Leben,
mehr als Dasein in der Welt,
sondern aus der Tiefe
Kraft und Zuversicht schöpfen.

Glauben lebt,
wo Menschen sich einlassen
auf das Geheimnis Gottes,
der uns liebend entgegenkommt.

 

Zur Kommunion präsentierte die Organistin in der St. Marienkirche in Sonnefeld mit zweistimmigem Gesang das Lied „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus dem Tabaluga-Musical .

Anbei das Lied im Duett zwischen Peter Maffay und Michael Patrick Kelly: