Foto: PromisGlauben e.V.

In seinem Jahresabschlussgottesdienst 2020 blickt unser geistlicher Begleiter Pater Peter Uzor mit Blick auf Joh 19,25-30 in Verbindung mit einer erzählten Geschichte von einem besonderen König und im Bewusstsein, dass unsere Zeit in Gottes Händen liegt, auf ein besonderes Jahr zurück.

Hier sein Impuls zum Corona-Jahr 2020 unter dem Motto „Loslassen befreit“: 

Vielleicht denken Sie sich: Was soll das denn jetzt heute Abend? Wir feiern Weihnachten. Dann begegnet uns ein König, der einfach nicht vorankommt, den seine Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft ununterbrochen aufhält. Gleich danach wird uns ein Gott verkündet, dessen Pädagogik unser Tun so total auf den Kopf stellt: Er schaut über die Sünden hinweg, damit Menschen sich bekehren. Er hat mit allem Erbarmen, ja es scheint, als hätte dieser König bei ihm studiert und sein Diplom gemacht. Und von diesem Gott wird die herrliche Botschaft verkündet: Alles, was es gibt, ist von ihm geliebt. Würde seine Zuneigung, sein „Ich will dich so haben, wie du bist!“, nicht gelten, dann wäre Mangel an solchen Menschen, an Situationen, Veranlagungen, etc.

Und letztlich stehen wir bei Jesus unter dem Kreuz und lassen uns von ihm eine „Art Testament“ ins Herz schreiben.

Drei Dinge möchte ich heute Abend unterstreichen:

  1. Jesus legt Menschen einander ans Herz.

Es ist schön, wenn wir heute Abend an all die Menschen denken, die wir lieben, die wir gern haben, die uns Freundschaft schenken und unser Leben einfach reich machen: Denn sie sind ein Geschenk.

Froh und dankbar dürfen wir für all die Menschen sein, die Jesus „uns ans Herz legt“.

Was wäre ein Leben, wenn wir es mit niemandem teilen könnten? Wie arm wären wir, wenn da niemand wäre, für den/die wir sorgen dürften, die uns brauchen? Wie sinnvoll wird unser Leben, wenn wir Aufgaben entdecken, für Menschen und Schöpfung da sein können, uns sozial oder politisch engagieren, Gemeinschaft erfahren, in Gemeinde, Kreisen und Gruppen, in Vereinen, beim Singen, beim Sport, ja, egal wo immer es uns gut tut.

Das ist für mich der schönste Grund zum Danken: Menschen, die mir sagen: Gut, dass es dich gibt! Und anderen sagen zu können: Du ich freue mich über dich! Auch wenn nicht immer eitel Sonnenschein war: Du machst mich reich.

  1. Jesus hat Sehnsucht, Lebensdurst.

„Mich dürstet!“ ruft Jesus vom Kreuz herab. Ich bin mir sicher, dass er weniger nach dem betäubenden Essig ruft, sondern vielmehr Menschen meint, die sich auf seinen Weg des Liebens, der Hingabe, der Gewaltfreiheit, der Zuwendung und der Freiheit von: „Was sagen da die Leute, wenn ich das tue?“, einlassen. Ihn dürstet nach Frauen und Männern, nach jungen und alten Leuten, die sich berühren lassen von seinem Weg, von seinem Wort, von der Art und Weise, wie er eingefahrene Frömmigkeit auf den Kopf stellt, Grenzen einfach überspringt und deutlich macht, dass kein Mensch Opfer irgendeines Gesetzes werden soll und darf.

Nicht soziale Kälte, nicht egoistische Gleichgültigkeit, nicht „Hauptsache ich!“ sollen die Maximen sein, sondern seine Frage: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“

Und dann dürfen uns die Menschen ihr Leid klagen. Dann wollen wir mit ihnen ihre Freude teilen. Dann können wir uns gemeinsam auf den Weg machen, als Achtsame und Horchende, Tolerante und die rauen Schalen Durchblickende, und an seinem Reich mit bauen.

Ich bin mir sicher: Jesus dürstet nach einer Kirche, die ihm immer ähnlicher lebt, die sich von alten Zöpfen trennen kann und zu der Freiheit findet, die er gebracht und vor allem gelebt hat.

  1. Jesus kann abschließen: Es ist vollbracht.

Er lässt los. Der König, der es gerade noch geschafft hat, den zu finden, der sein Stern gewesen ist, auch er weiß sich am Ziel. Er hat gefunden. Er ist sich sicher – so unerwartet und überraschend, so irr und unmöglich das Ziel zu erreichen auch scheint. Er gesteht sich ein, dass sein Lebensweg ganz anders verlaufen ist. Er weiß:

Seine Liebe und sein Mitleid waren immer stärker. Selbst wenn der Kopf sagte: Jetzt ist Schluss! Das Herz entschied anders. Und genau dadurch ist er reich geworden: Er bringt ein Herz mit.

Für uns ist dieses Jahr ebenfalls „vollbracht“ – vielleicht war es gespickt mit Überraschungen und Verrücktheiten, mit Problemen und Sorgen, mit einem Wahnsinns-Glück oder schrecklichen Schicksalsschlägen, mit Einschränkungen oder mit Bereicherungen.

In diesem Gottesdienst dürfen wir es ihm ans Herz legen, zurückgeben. Wir dürfen manchen Streit beenden. Das Reden wieder anfangen. Leute wieder aus den Schubladen entlassen, in die wir sie gesteckt hatten, Frust über eigenes Versagen und Schuldigbleiben abzubauen versuchen und „es wieder packen“, neu anfangen.

Loslassen befreit. Einen guten Schlussstrich ziehen – und wie immer der Saldo ausfällt: Wir haben eine neue Chance.

Es tun sich uns neue Möglichkeiten auf. Und wir dürfen mit dem gehen und in den hinein bergen, der uns mit offenen Armen und voller Verständnis genauso intensiv erwartet, wie er uns aufs Neue sendet.

Amen!

 

Hier das Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen“ von Peter Strauch, das Pater Peter in seinem Jahresabschlussgottesdienst seiner Gemeinde in St. Marien Sonnefeld bei Coburg sang: