Das erste öffentliche Wirken Jesu war die Wandlung von Wasser zu Wein auf der Hochzeit in Kana. Manch konservative Kreise im kirchlichen Milieu würden wohl gerne darüber hinweg sehen. Nicht so unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir, denn ihm ist, Gott sei Dank, bewusst:

„Der Geist Gottes mutet uns halt immer wieder zu, über unsere Gewohnheiten, über unseren eigenen Tellerrand hinauszuschauen, uns immer wieder innerlich zu wandeln, zu wachsen, Althergebrachtes in Frage zu stellen. Leicht ist das nicht, denn Kirche richtet sich nicht selten gerne in kuscheligen Herrgottswinkeln ein, in denen eine heile Welt vorgegaukelt wird.“

 

Hier die Worte seiner Predigt zum heutigen Sonntag im Jahreskreis (Lesung: 1 Kor 12, 4-11; Evangelium: Joh 2, 1-11):

Wir erleben heute das erste öffentliche Wunder Jesu und gleichzeitig eine für unsere Ohren ganz komische Kommunikation zwischen ihm und seiner Mutter. Wieso spricht er so hart, so distanziert mit ihr auf ihren Hinweis „Sie haben keinen Wein mehr“?
„Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, ist nicht die feine englische Art …

Wer sagt denn zur eigenen Mutter Frau? Wohl niemand.
Jesus ist auch nicht irgendwer und diese uns aufstoßende Anrede zeigt etwas Besonderes an.

Jesus verwandelt sich vom einfachen Sohn zu jemandem, der immer mehr seinen inneren Auftrag zu spüren beginnt.

Dieser Auftrag ist etwas Außergewöhnliches und etwas Besonderes und somit wird er auf der Beziehungsebene seiner Mutter enthoben, ja entfremdet.

Es geht um neue Verwandtschaftsgrade nach Gottes Geist, über die Herkunft der Familie hinaus. Dies gilt auch für uns, denn mit der Taufe treten wir in diese neue Familie ein, die wir die Gemeinschaft der Gläubigen oder Kirche nennen.

Eigentlich sollte es bei Christen deshalb völlig egal sein, aus welcher Kultur, Nation oder Sprache mein Bruder, meine Schwester im Glauben kommen

… und doch fällt es vielen bis heute schwer, den indischen, afrikanischen oder auch nur den polnischen Pfarrer ganz anzunehmen …

Der Geist Gottes mutet uns halt immer wieder zu, über unsere Gewohnheiten, über unseren eigenen Tellerrand hinauszuschauen, uns immer wieder innerlich zu wandeln, zu wachsen, Althergebrachtes in Frage zu stellen. Leicht ist das nicht, denn Kirche richtet sich nicht selten gerne in kuscheligen Herrgottswinkeln ein, in denen eine heile Welt vorgegaukelt wird.

Der von mir so geschätzte Frankfurter Pfarrer Lothar Zenetti brachte die Notwendigkeit der steten Wandlung einmal genial auf folgenden Nenner:

„Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste in der Kirche ist.
Sie werden antworten: die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste in der Messe ist.
Sie werden antworten: Die Wandlung!
Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein und sagen: Nein, alles soll bleiben wie es ist!“

Das Wichtigste in jeder Eucharistiefeier ist die Wandlung, und zwar nicht nur die Verwandlung von Brot und Wein, sondern auch unsere eigene Verwandlung. Das stimmt voll und ganz bis heute. Und davon erzählt auch das heutige Evangelium in bildreicher Sprache.

Die Hochzeit ist ein Bild für einen Bund zwischen Menschen und zwischen Menschen und Gott.
Die Hochzeit ist ein Freudenfest – dort muss und wird es immer reichlich zu Trinken und zu Essen geben.
Christlich-spirituell ist die Hochzeit ein Bild für die Zeit des Heiles, das mit Jesus angebrochen ist. Der Wein ist ein Bild für die Freude, die die Herzen der Menschen erfüllt. Wenn bei einer Hochzeitsgesellschaft der Wein ausgeht, dann geht die Freude aus.

Der gute Wein – Jesus Christus selbst – geht Gott sei Dank nie aus, er wird bis zum Schluss aufgehoben und bringt grenzenlose Liebe, Freude und Zusammengehörigkeit.

Nach diesem ersten öffentlichen Wunder Jesu glaubten seine Jünger an ihn. Seine Jünger wurden auch verwandelt in Menschen, die vom Geist Jesu Christi erfüllt sind.

Wer aber geistbeseelt ist, darf, wird und muss sich immer wieder wandeln, ändern, denn wer stehen bleibt, wer sich dem steten Wandel nicht hingibt, wird erstarren und leblos werden.

Es geht heute nicht darum, irgendwelchen Wunschbildern von Kirche von damals nachzuhängen, sondern Kirche heute in dieser Zeit lebendig werden zu lassen.
Es soll nicht alles so bleiben, wie es ist!
Es darf nicht alles so bleiben, wie es ist!

Am Ende dieses Gottesdienstes sind wir eingeladen, wieder an unsere Arbeit und in unseren Alltag zu gehen. Doch wir gehen hoffentlich nicht so nach Hause, wie wir hier zusammenkamen. Wir haben über Wandlung gesprochen und hoffen, dass wir selbst verwandelt wurden. Verwandelt in Menschen, die ihre Freude, aber auch ihre Sorgen und Nöte angeschaut haben. Verwandelt in Menschen, die alles Gott anvertraut haben. Verwandelt in Menschen, die deshalb gestärkt ihren Weg neu weitergehen können. Amen.

 

Mehr Gedanken und Impulse vom Klinikseelsorger, Vortragsredner und Buchautor Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s HIER