Foto: privat

Unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir, der aktuell an seinem neuen Buch „Der Seele eine Heimat geben“ arbeitet, ist mit seiner heutigen Predigt zum Fest der Taufe des Herrn (Lesung: Jes 40, 1-5.9-11; Evangelium: Lk 3, 15-16.21-22) auf katholisch.de zu lesen. Bei uns gibt es eine etwas erweiterte Fassung dazu.

Hier die Worte seiner Predigt:

Sie kennen sicherlich den Ausspruch „Mit allen Wassern gewaschen …“, oder? Dieser Begriff kommt ursprünglich aus der Sprache der Seeleute und meint, dass einer die Wasser der sieben Weltmeere befahren hat, also viel herumgekommen und erfahren ist. Im Laufe der Zeit entwickelte sich auch ohne Seemannsgarn eine andere Bedeutung heraus: so jemand ist durchtrieben, kennt alle Tricks, hat es faustdick hinter den Ohren, ist gerissen und abgebrüht.

Kennen Sie solche Leute? Leute, die alles für sich rausholen, andere über´s Ohr hauen oder hinter´s Licht führen. Es soll ja vorkommen, dass solche Leute sogar Präsidentenämter inne haben…

Die beiden Hauptpersonen der Stelle im Lukasevangelium, um die es heute geht, Johannes der Täufer und Jesus von Nazareth, sind da ganz andere Zeitgenossen. Sie hauen niemanden über´s Ohr – sie öffnen den Menschen Ohren und Herzen. Sie führen niemanden hinter´s Licht – sie weisen auf das Licht hin und Jesus selbst wird zum Lichtträger schlechthin. Für sich holen sie nicht alles raus, sondern das Wohl des anderen steht obenan.

Johannes der Täufer, wie der Name schon sagt, tauft mit Wasser. Jesus von Nazareth lässt sich von ihm taufen und dabei geschieht Unglaubliches: der Himmel öffnet sich, taubengleich kommt der Geist Gottes auf ihn herab und eine ganz besondere Stimme spricht wohlwollend und wohlgefällig von Liebe und Sohnschaft.

Wir feiern heute das Fest „Taufe des Herrn“ – es schließt die Weihnachtszeit offiziell ab. Gleichzeitig krönt es aber das Fest der „Geburt des Herrn“. Zeit … was ist Zeit? Meine Schwester in Garmisch-Partenkirchen, wo seit Freitag wegen der Schneeverhältnisse der Katastrophenfall ausgerufen wurde, schrieb mir in einer WhatsApp, dass sie in diesen Tagen Zeit ganz anders erlebe. Durch die Schneemassen wird es im Ort ganz still. Stille und damit entschleunigte Zeit wird auf einmal ganz anders erfahren …

Ein alter Weisheitssatz spricht davon, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigt. Er erinnert uns daran, dass alles fließt, dass sich alles ständig ändert, dass gegen den mächtigen Fluss der Zeit nichts bestehen kann. Der Fluss wird ein anderer und auch wir, die wir in den Fluss der Zeit steigen, werden immer wieder zu anderen…

Bei seiner Menschwerdung stieg Jesus in den Fluss der Zeit und veränderte damit auf ewig die Zeitenläufte. Seitdem gibt es im Fluss der Zeit etwas, das sich nicht mehr ändert, das ein Stück Ewigkeit in unsere Zeit gebracht hat. Die Taufe Jesu erinnert uns daran, dass unsere Taufe uns an der Ewigkeit teilhaben lassen könnte.

Bei der Taufe Jesu damals, da war echt was los. Da wallten Himmel, Wasser und die Seelen der Menschen auf zu neuem Leben. Da war Religion noch nicht langweilig.

Und Taufe heute. Meist Babytaufe. Familienfest mit kirchlichem Sahnehäubchen. Das Wichtigste, die geistige Geburt eines Menschen und das lebenslange Mit-Jesus-befreundet-sein-dürfen wird kaum noch wahrgenommen. Weil die Oma es will, weil es sich irgendwie gehört, weil vielleicht ein magischer Segen das Kind vor Unheil schützt und andere weniger geistvolle Gründe haben da nicht selten die Oberhand.

Es gibt sie aber auch, die anderen … Die Menschen, die ihr Christsein bewusst neuentdecken, wiederbeleben und öffentlich bezeugen wollen. Die Menschen, denen das Äußere weniger wichtig, denen dafür aber die innere Kraft des christlichen Glaubens von Bedeutung ist. Für sie ist die Taufe die sich öffnende Eingangstür zu einem anderen Leben, das mit Gottes Hilfe und Begleitung Salz der Erde und Licht der Welt werden kann.

Taufen kommt von tief eintauchen ins Wasser, in die Tiefe gehen. Das war der Weg Jesu und wer auf ihn getauft ist, der geht mit ihm in die Tiefe, überlebt so manche Gefährdung und wird aus der Taufe gehoben in die Höhe der Auferstehung.

Taufe – Sinnbild eines Lebens mit Tiefgang, das überhaupt nicht langweilig ist – Gott sei Dank! #

 

Pfarrer Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt und in der Erwachsenbildung. Mehr spirituelle Impulse von ihm gibt’s HIER