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In seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (Lk 12, 49-53), in dem Jesus einen harten Ton anschlägt, formuliert unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir klare Worte, weil Jesus klare Worte hat.

Hier die Worte seiner Predigt:

Das Leben ist kein Wunschkonzert… Wir wissen das und haben doch eine so starke Sehnsucht nach Harmonie und Wohl-Befinden.

Junge Menschen in unserem reichen Land erleben in sich nicht selten eine unerträgliche Spannung, die man seit jeher „Qual der Wahl“ nennt. Die meisten leben in relativem Wohlstand und wollen deshalb ungern das „Hotel Mama“ verlassen. Bis zum 30. Lebensjahr – und glauben Sie mir, das ist nicht selten – vermeiden sie den Sprung ins eigene Leben, weil sie das Unbequeme eines Neuanfanges meiden.

Oft haben sie die besten Ausbildungen und können sich nicht entscheiden, welchen Beruf sie lernen oder welches Fach sie studieren sollen. Ziellosigkeit zeichnet sie aus und daraus – und das ist das Gefährliche – kann Sinnlosigkeit werden.

Ein Körper, der nicht trainiert wird, erschlafft und wird anfällig für Erkrankungen. Eine Seele, die sich nicht den Anforderungen des Lebens stellt, erschlafft genauso, sie atrophiert, verkümmert und hält den ganz normalen Alltagsbelastungen nicht mehr stand.

Nicht nur die jungen Leute hätten es gerne leicht, harmonisch und bequem in ihrem Leben, es geht uns Älteren doch recht ähnlich, oder? Nur, und das wissen wir alle, auf Dauer ist das gar nicht lebensförderlich.

Resilienz, Widerstandsfähigkeit – körperlich und seelisch – entwickelt sich nicht im „Hotel Mama“, in der soundsovielten „Ausweichschleife“ und auch nicht im Wellness-Tempeln.

Zähigkeit, Lebensfitness und Ausdauer kommen durch „Entscheidungen treffen“, Einüben und einer gewissen Abhärtung. Wer nur verwöhnt wurde oder sich selbst zu sehr verwöhnt, wird lebensuntüchtig und kaum belastbar.

Das Evangelium von heute macht unserem Harmonie- und Bequemlichkeitsdenken einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Leider? Ich glaube nicht!

Auch, wenn wir uns gerne oft herumdrücken, heute wird uns mehr als eindeutig vor Augen gehalten, dass wir Entscheidungen treffen müssen, so oder so.

Dieses Sich-nicht-entscheiden-können brennt auf Dauer wie Feuer auf und in der Seele und das ist wohl genau das, was Jesus mit seinem Wort meinte „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“

Jesus will das Feuer der Entscheidung, der Entschiedenheit!

Entscheidungsprozesse im Leben, aber noch viel wichtiger, für oder gegen Jesus und Gott, werfen einen herum und führen zu inneren Auseinandersetzungen des Für und Wider, die viel Kraft kosten können, bis irgendwann Klarheit, Kraft, Mut und innerer Frieden geboren werden.

Bis dahin ist es oft ein harter Weg. Es folgen dann die Auseinandersetzungen mit anderen. Die härtesten sind dann oft die mit den uns am nächsten Stehenden. Kaugummiartig sich nicht festzulegen, in jeder Richtung flexibel bleiben zu wollen und um eines lieben, aber faulen Friedens wegen sich zu verbiegen, macht nicht nur unzufrieden, sondern auch schwach.

Jesu Jünger und Jüngerinnen brauchen andere Fähigkeiten!

Die Jesuiten Deutschlands haben für die Not der Menschen von heute, nicht so richtig ihren Platz im Leben finden zu können, eine Abhilfe geschaffen. Mit der „Zukunftswerkstatt SJ“ können sie lernen, mit Gott ihren Platz im Leben finden zu können und diesen dann mit Freude und Kraft auszufüllen. (Mehr dazu unter katholisch.de)

Denn, wenn Menschen ihre Berufung und ihren Platz gefunden haben, ist ihr Leben voller Schwung und sie können sagen: „Ich liebe mein Leben!“

Und wer das kann, der kann sich dann auch kraftvoll einsetzen im Beruf, in der Partnerschaft, für andere, für Gott.

Das Konzept der „Zukunftswerkstatt SJ“ bietet für 17-30-jährige Auszeiten des Durchatmens und Sortierens, es gibt Handwerkszeug für das Treffen von richtigen Entscheidungen an die Hand, es hilft, das Leben anpacken zu können und bringt mit Gleichgesinnten in Kontakt. Das tragende Fundament dabei ist die christliche Spiritualität und die von Ignatius von Loyola entwickelte Form der Exerzitien, die seit Jahrhunderten bewährt und immer wieder in die jeweilige Zeit neu hineinübersetzte Hilfen für durchdachte, durchfühlte und durchbetete Entscheidungen geben.

Entscheidungen treffen können tut Not in der heutigen Zeit. Wer dies gelernt hat, der wird zufriedener, kraftvoller, gelassener, zukunftsorientierter, belastbarer und glücklicher.

Dies ist das Lebenskonzept der engagierten Gelassenheit eines Ignatius von Loyola, dessen Botschaft lautet: „Handle so, also ob alles von dir abhinge, in dem Wissen aber, dass in Wirklichkeit alles von Gott abhängt.“ 

 

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