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Am heutigen 15. August begeht die katholische Kirche das Fest Mariä Himmelfahrt, zu dem im Saarland und in den meisten Gemeinden Bayerns gesetzlicher Feiertag ist. Es ist das älteste unter allen Festen für die Mutter Gottes, das seit dem siebten Jahrhundert bekannt ist. Seine heutige Festpredigt an Mariä Himmelfahrt 2019 im Ingolstädter Liebfrauenmünster betitelt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir mit dem Thema „Maria, meine Freundin für´s Leben“ und verweist einleitend auf den Bibelvers „Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt. Wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden“ (Jesus Sirach 6, 14). In seinen Ausführungen wird ersichtlich, welche hohe Bedeutung Maria für einen Christen als Zugang zu Jesus haben kann.

Hier die Worte seiner heutigen Festpredigt

Als ich vor kurzem nach einer Sitzung im Eichstätter Ordinariat die Kapuzinerkirche besuchte, fiel mir am Schriftenstand ein kleiner Flyer mit der Aufschrift „SINGLE daSEIN – Workshop für Allein-stehende“ auf. Da hieß es:

„Ständig unterwegs?
In unterschiedlichen Kontexten
und Lebensbezügen?
Selten Zuhause und wenn,
dann allein oder einsam?“

Genau so ist das Lebensgefühl vieler Menschen von heute. Zwar vernetzt über Smartphone, Tablet oder den PC, aber doch isoliert.

Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp und viele andere Zugänge zu den sog. sozialen Medien verbinden weltweit in der virtuellen Welt und hinterlassen doch nicht selten in der realen Welt Allein-sein und Einsamkeit.

Hören Sie selbst, was eine 30-jährige erfolgreiche Frau aus Ingolstadt über ihre Not berichtet, richtige Freunde finden zu können:

„Ich verstehe nicht, warum es mir nicht gelingt, „richtige“ Freunde zu finden, also nicht nur lose Kontakte oder Bekanntschaften. Ich habe eine super Ausbildung, ein gesundes Kind, vom Partner bin ich getrennt und ich frage mich, ob es an mir liegt oder an den Umständen, dass ich keine richtigen Freunde habe. Und das macht mich echt traurig…“

Wie finde ich wirkliche Freunde? – das ist drängende Frage nicht nur dieser jungen Frau. Das ist die Sehnsucht so vieler Menschen heute.

Die Comedian Harmonist und später dann auch Heinz Rühmann in dem schönen Film „Die Drei von der Tankstelle“ sangen vom ho-hen Wert der Freundschaft:

„Ein Freund, ein guter Freund
Das ist das Beste, was es gibt auf der Welt
Ein Freund bleibt immer Freund
Und wenn die ganze Welt zusammenfällt
Drum sei auch nie betrübt
Wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt
Ein Freund, ein guter Freund
Das ist der größte Schatz, den’s gibt …“

Wir befinden uns hier in einer Kirche. In der Hauptkirche Ingolstadts. Sie ist der Gottesmutter Maria geweiht. Wir feiern das Hochfest der Himmelfahrt Mariens und ich obendrein meinen 57. Geburtstag.

Mir ist bei der Vorbereitung auf diese Predigt plötzlich die Idee gekommen, Maria einmal als Freundin wahrzunehmen, ja, sie als Freundin für´s Leben zu entdecken. Eine mehr oder weniger gute Bekannte ist Maria für viele Menschen, aber ist sie für diese auch eine Freundin, eine Begleiterin für´s Leben?

Bekanntschaften haben wir viele, Freunde und Freundinnen – echte – nur wenige. Welche Bedeutung hat Maria, die Mutter Jesu, für Sie hier? Die Antworten auf diese Frage fallen wohl sehr unterschiedlich aus:

• Keine Ahnung…
• Allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria
• Mutter Jesu
• Prophetische und hochspirituelle Frau
• Offen für Gottes Wirken
• Das Weibliche in der sonst so männlichen Christenreligion
• Selbstbewusst und demütig
• Schwester im Glauben
• Vorbild der Treue
• Bodenständig und himmelorientiert
• Kundig im sinnvollen Leiden

Welche Antwort auch immer kommen mag:

An Maria wird deutlich, wie klar, einfach und zutiefst menschlich ein Mensch sein kann, der sich von Gott ergreifen lässt.

Weil Maria bereit war, weil sie ihr Ja, es geschehe, (wie Du es gesagt hast) – gesprochen hat, konnte Gott Mensch werden und Erlösung bringen.

Maria ist der Grundtypus des glaubenden, des religiösen Menschen.

Sie war ein Leben lang mitfühlend, zärtlich, selbstbewusst, mutig und stark. Wer sie kennen lernt, wer sie auf den Straßen des Lebens als Freundin an der Seite weiß, der wird auch in sich selbst Kräfte des Glaubens, der Liebe, der Innerlichkeit, des Mit-Leidens und der Bereitschaft, den Willen Gottes zu erfüllen, entdecken und so immer mehr in der Verbundenheit mit ihr und mit Jesus wachsen.

Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) prägte einmal diesen so wahren Satz: „Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten.“
In einem Gedicht umschreibt sie auch das Wesen echter Freundschaft:

„Einen Menschen wissen,
der dich ganz versteht,
der in Bitternissen
immer zu dir steht,

der auch deine Schwächen liebt
weil du bist sein,
dann mag alles brechen
du bist nie allein.“

Genau so ist Maria zu uns und für uns. Echte Freunde, echte Freundinnen sind unbezahlbar. Deshalb haben wir in der Regel auch nicht allzu viele davon. Sie bleiben Freunde ein Leben lang – unabhängig davon, wie gut es uns geht, wie erfolgreich wir sind, was wir für sie tun können. Sie sind immer da, erst recht, wenn wir sie am nötigsten brauchen. Und im Gegensatz zu unserer Verwandtschaft können wir sie uns auch noch aussuchen!

Nicht Qualverwandtschaft, sondern Wahlverwandtschaft, das sind Freunde und Freundinnen.

Die Psychologie kennt die wichtigsten Bausteine, mit denen eine stabile Freundschaft errichtet und erhalten werden kann. Diese, und das ist das Interessante dabei, gelten auch für unsere freundschaftliche Beziehung zu Maria und Jesus:

  • Eine Freundschaft basiert auf Vertrauen
  • Sprechen Sie möglichst ehrlich und offen miteinander
  • Seien Sie bereit, etwas von sich preiszugeben
  • Nehmen Sie Ihr Gegenüber ernst
  • Kontakt ist wichtig – wie regelmäßig er sein muss, hängt von den Bedürfnissen der Beteiligten ab
  • Sollen Freundschaften ein Leben lang halten, müssen Sie sich für die Freundschaft einsetzen (vgl. ekhn.de)

Manchmal, wenn das Leben einem wirklich hart zusetzt und wir durch Krankheit, Verlust oder Krise gute Freunde und somit auch Maria, Jesus und Gott leider aus den Augen verlieren…, da ist es wichtig, dass uns dann jemand anderes sagt: Du, Deine (himmlischen) Freunde sind da, ich zeige sie Dir.

Seit über 15 Jahren liegt Rosa M. in einem Ingolstädter Pflegeheim in ihrem Bett. Sie ist eine alte Frau von über 80 geworden. Verkrampft liegt sie da auf ihrem Rücken. Ihr zahnloser Mund bewegt sich permanent auf und ab und so liegt sie 24 Stunden pro Tag, wochen- , monate-, jahrelang da. Ich darf sie immer wieder besuchen und ihr die hl. Kommunion bringen. Wenn ich mich dann über sie beuge und sie anlächle, dann schaut sie, die sonst immer nur die Zimmerdecke sieht, mich mit großen Augen an. „Rosa, kennst mich noch?“ „Jaaaa“, kommt es dunkeltief aus ihrer Kehle und ein verschmitztes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Wie schön ist doch ein Mensch, wenn er lächelt…

Meistens gelingt es mir nicht, ihr die Kommunion, auch nicht ein kleines Stück davon, zu geben, weil sie einfach nicht den Mund aufmacht. Aber ich schenke ihr freundliche Worte, Gebete und die Erinnerung daran, dass sie nicht alleine ist, dass ihre Freunde im Himmel sie nicht vergessen.

Einmal habe ich hinter dem Vorhang in ihrem Zimmer eine wirklich schöne Marienstatue entdeckt. Eine Madonna mit schönem Gesicht und mit Rosen auf ihrem Gewand. Ich fischte sie hinter dem Vorhang hervor – und das mache ich nun bei jedem Besuch – und hielt sie Rosa vor ihr Gesicht. Sie müssten, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, da ihre Augen, ihre Mimik sehen: Erstaunen, Freude, ein gespannter Blick auf ihre Freundin Maria. Dabei warme liebevolle Worte aus meinem Mund. Ich lasse mir da viel Zeit und bewundere das stille Gespräch zwischen den wachen Augen von Rosa und dem liebevollen Antlitz der Marienstatue. Am Ende singe ich dann noch „Segne, du Maria“ und stelle die Rosa bewachende Statue wieder auf das Fensterbrett. Rosa bekommt dann noch einen schönen Segen und dann verabschiede ich mich schweren Herzens, weil so viel Friede im Zimmer einer schwer leidenden Frau ist. „Rosa, ich komme bald wieder … und zeige dir Deine Freundin Maria.“ „Jaaaa“ … Und Rosa schaut mir nach, wenn ich die Zimmertüre hinter mir zumache.

Wer selbst die Freundschaft mit Gott, Jesus und Maria pflegt, der kann dieses tröstende und kraftgebende Gefühl an andere weitergeben.

Wie sagt Martin Gutl einmal so schön:

„Jemand hat mir zugelächelt, mir Mut gemacht,
mir zugehört, mich um Rat gefragt,
Zeit für mich gehabt,
mir liebevoll auf die Schulter geklopft,
sich von mir führen lassen,
mir Vertrauen geschenkt,
mir die Hand gereicht,
mir Blumen geschenkt,
mir die Sterne gezeigt,
mir über´s Haar gestrichen,
mich an sein Herz gedrückt,
mich ernst genommen …“

Mir gezeigt, dass Gott und seine Freunde, die Heiligen, für uns da sind und mir beistehen in guten und in schweren Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns nicht scheidet.

Ich wünsche Ihnen allen die Freude am Fest der Heimkehr Mariens zu Gott. Amen.

 

Mehr Gedanken und Impulse von Pfarrer Christoph Kreitmeir gibt’s HIER