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Zum heutigen Hochfest Pfingsten liefert unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir eine besondere Predigt, die, ganz entgegen seiner Gewohnheiten, Überlänge hat. Denn Pfingsten hat es in sich, man muss es nur (wieder) entdecken lernen. Beim Schreiben seiner Predigt ist sich Pfarrer Kreitmeir, wie er uns beim Zusenden seines Predigttextes mitteilte, selber bewusst geworden, dass er nicht nur auf sein eigenes Können und seinen eigenen Geist vertrauen kann, sondern dass er wirklich um Gottes Geist beten und auf ihn bauen darf, so dass sein Tun nicht nur gesegnet, sondern wirklich Frucht auf Dauer bringen werde. Dabei liefert er ein Predigt, die ganz nebenbei den christlichen Glauben grundlegend erklärt und aufzeigt, warum sich die Sache Jesu ihren Weg durch die Jahrhunderte bahnt.

Hier die Worte seiner Predigt zum Hochfest Pfingsten (Lesung: Apg 2, 1-11; Lesung: 1 Kor 12, 3b – 7.12-13; Evangelium: Joh 20, 19-23)

In der Woche vor Pfingsten lief im Radio sinngemäß folgende Werbung: „Weißt du eigentlich, was wir an Pfingsten feiern?“, frägt ein Mann eine Frau. Diese zögert und gibt ein nachdenkliches „Hmm“ von sich. Und er dann triumphierend: „Wir feiern 25 Prozent Preisnachlass bei xy-Optik“.

Hallo!? Geht´s eigentlich noch dümmer?
Ja, natürlich geht es noch dümmer, denn die Frage, ob wir wissen, was wir an Pfingsten feiern, ist ja wirklich berechtigt und ich möchte nicht wissen, wie viele „Hmm´s“ ich zur Antwort bekommen würde.

Weihnachten – schon klar. Da feiert man das Fest der Geschenke, äh, das Fest der Liebe, ja irgendwie schon… Da feiert man den Geburtstag von Jesus. Wer war das nochmal? Ach ja, die Christen sagen, Gottes Sohn.

Ostern, da feiert man das Osterhasenfest, äh, nee, da war doch noch was anderes. Ach ja, da feiert man Frühling, oder? Die Christen behaupten, dass dieser Jesus den Tod besiegt hat. Die feiern den Sieg des Lebens über den Tod. Hm, kann man das glauben?

Pfingsten, was feiert man da eigentlich? Ich weiß es wirklich nicht (mehr). Kannst du mir das mal erklären, denn wir haben da ja zwei Feiertage, Sonntag und Montag frei?

So, und jetzt erklären Sie mal Pfingsten!

Eigentlich gar nicht so schwer. Es hat auf jeden Fall wieder mit diesem Jesus zu tun, der seit Weihnachten ja Gottes Sohn sein und der seit Ostern den Tod besiegt haben soll.

Jetzt sagen die Christen, dass er, weil er zurück zu seinem Vater in den Himmel zurückgekehrt ist, den sog. Hl. Geist gesandt hat, quasi seinen verlängerten Arm, seinen Botschafter, der ihn vertritt und das sogar bis ans Ende der Zeit.

Diese Christen sind schon komische Zeitgenossen. Immer wieder deuten sie offensichtliches Scheitern um in Schönes, in Gutes, in Erfolg:

  • Weihnachten: Die ärmliche Geburt eines Buben in einem Stall und dann die Flucht nach Ägypten als den Anfang des Königs der Könige.
  • Ostern: Das Scheitern einer hoffnungsvollen Predigerbewegung am Kreuz. Das Verschwinden einer Leiche aus ihrem Grab und das frustrierte Sichzurückziehen der sog. Jünger in Resignation und Isolation. All das wird umgedeutet in den Triumpf des neuen Lebens über den Tod, in einen Neuanfang und das zögerliche Weiterverkünden der Botschaft dieses Jesus mit teilweise erstaunlichen Wirkungen.
  • Und jetzt Pfingsten: Anstatt Ruhe zu geben, sich auf einen kleinen Flecken dieser Erde zu beschränken, werden die Anhänger dieses Jesus durch den sog. Hl. Geist unruhig, aufgeweckt, bekommen neue Hoffnungskräfte und gehen hinaus in alle Lande, um die Botschaft Jesu Christi auszustreuen und einzupflanzen. Sie werden zwar jahrhundertelang brutal verfolgt, bekämpft und umgebracht, ihr Glaube, ihre Hoffnung und vor allem ihre Liebe ist aber nicht totzukriegen. Die „Sache Jesu“ braucht Begeisterte und sie bahnt sich den Weg durch die Jahrhunderte … bis heute.

Vor kurzem bekam ich das Buch „Die Schönheit des Scheiterns. Kleine Philosophie der Niederlage“ des französischen Philosophen Charles Pépin in die Hände. Der Inhalt lies mich aufhorchen und dem Geheimnis eines sinnvollen Scheiterns auf die Spur kommen:

  • Wer scheitert, lernt schneller
  • Krisen öffnen Fenster von verschlossenen Räumen
  • Scheitern festigt den Charakter
  • Scheitern lehrt Demut
  • Scheitern ist eine Wirklichkeitserfahrung
  • Scheitern als Chance zur Neuerfindung des Selbst
  • Scheitern heißt nicht, ein Versager zu sein
  • Wagen heißt, das Wagnis des Scheiterns eingehen

Höchst interessant, denn all die gesammelten Erkenntnisse stammen von Philosophen, die keine Christen waren und doch gilt all das Gesagte für die „Sache Jesu“ von Anfang bis zum Ende und darüber hinaus:

Das Christentum ist die Geschichte sinnvollen und selig-glücklichen Scheiterns.

Der Hl. Geist ist wie Gott selbst zwar unsichtbar, aber höchst wirksam, sagen die Christen. Sie sprechen von den 7 Gaben des Hl. Geistes. Diese sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Na ja – haut nicht wirklich vom Hocker, oder?
Wenn man diese altmodischen Begriffe aber ins Heute übersetzt, dann bekommen sie Power (Näheres ist hier zu finden).

Da ein katholischer Prediger über alles, nur nicht über 10 Minuten predigen darf und da wir ja morgen einen zweiten Feiertag haben werden, werde ich über die Gaben des Hl. Geistes morgen predigen. Hier bei www.promisglauben.de mache ich das aber schon jetzt:

Die Weisheit ist, so sagt es Papst Franziskus, „die Gnade, alles mit den Augen Gottes sehen zu können. Sie ist einfach das: die Welt, die Situationen, die Zusammenhänge, die Probleme, alles mit den Augen Gottes zu sehen.“ (Generalaudienz am 09.04.2014)
Weise zu sein, bedeutet dann nicht, intelligent oder allwissend zu sein.

Weise Menschen verbinden Hirn, Bauch/Intuition und Erfahrung miteinander.

Der Geist Gottes schenkt ihnen die Gabe, dass sie bei wichtigen Entscheidungen ihre Alternativen „mit den Augen Gottes“ sehen und dann nach der bestmöglichen Lösung suchen, von der alle und nicht nur sie alleine profitieren.

Die Einsicht ist, wie das Wort schon sagt, die Gabe „hinein-zu-sehen“, also die Dinge so anzusehen wie Gott sie ansieht. Der Mensch kann von sich aus Dinge und Situationen mit Klugheit und Verstand betrachten, um sie jedoch in der Tiefe verstehen zu können, bedürfen wir dieser Gabe.

Der Rat ist die Gabe, mit der der Heilige Geist unser Gewissen fähig macht Entscheidungen zu treffen, die dem Evangelium Jesu Christi folgen. Durch die Gabe des Rates erleuchtet Gott selbst unser Herz und lässt uns verstehen wie wir sprechen, handeln und welchem Lebens-Weg wir folgen sollen.

Durch die Gabe der Erkenntnis öffnet der Hl. Geist unsere Augen für die Betrachtung Gottes in der Schönheit der Natur und allen Teilen des Universums. Diese Erkenntnis ist also nicht nur auf das menschliche Wissen beschränkt, sondern sie ist eine besondere Gabe, die uns die große Liebe Gottes zu den Menschen und seiner ganzen Schöpfung begreifen lässt.

Durch die Gabe der Stärke werden wir vom Heiligen Geist sprichwörtlich be-stärkt und im Glauben gefestigt. Die Bestärkung hilft uns, Ängste und Unsicherheiten zu überwinden und nicht vom rechten Weg der Nachfolge Jesus Christi abzukommen.

Die Gabe der Frömmigkeit weist auf unsere enge Verbundenheit mit Gott hin, der dem Leben einen Sinn einstiftet und uns in schwierigen Situationen beisteht.

Diese Bindung an Gott darf jedoch nicht als etwas Erzwungenes verstanden werden, sondern muss von innen herkommen. Es handelt sich hierbei somit um eine sprichwörtliche Herzensangelegenheit.

Die Gottesfurcht macht uns bewusst, dass uns alles aus Gnade geschenkt wird. Wir haben nicht immer Einsicht in den Plan, den Gott mit uns hat, aber durch diese Gabe des Geistes werden wir dankbar für das, was uns gegeben ist.

Die Gabe der Gottesfurcht kann auch mit Respekt übersetzt werden.

Gemeint ist hierbei insbesondere der Respekt gegenüber dem Schöpfer und seiner Schöpfung, aber auch anderen Menschen gegenüber.

Neben den 7 Gaben des Hl. Geistes sind auch die 12 Früchte des Hl. Geistes zu nennen. (Näheres dazu HIER)

Es will also gar nicht aufhören mit den Wirkungen dieses geheimnisvollen Geistes.

Genannt werden Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit und Keuschheit.

Einige dieser Früchte sind sowas von hochaktuell, andere werden in Zeiten, in denen alles erlaubt ist und man alles und zwar sofort haben will und oft auch haben kann, erst auf den zweiten Blick attraktiv.

Auf jeden Fall ist das mit dem Hl. Geist eine wirklich bereichernde Angelegenheit.

„Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“ (Martin Buber)

Ein Kunstmaler hatte ein Gemälde beendet, auf dem er die Szene aus der Offenbarung des Johannes schildert, wo Christus das Wort sagt: “Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!” (Kap. 3,20). Der kleine Sohn des Malers sagt zu seinem Vater: “Aber eins hast du falsch gemacht. Es fehlt draußen an der Tür die Klinke. Der Herr Jesus kann ja gar nicht hinein.” “Er kann es nur”, erklärt der Vater, “wenn man ihm von innen öffnet und wenn man ihn haben will. Darum habe ich die Außenklinke weggelassen. Heißt es doch: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an!” (Quelle: soulsaver.de)

„Gott wohnt, wo man ihn einlässt.“ (Martin Buber)

Wo Menschen also nicht loslassen von Gott, ihn in ihren Alltag einlassen, mit ihm streiten, weinen, lachen, wo sie ihn nicht in seltene Reservate verbannen, sondern mit ihm rechnen auf ihren Wegen und Umwegen, wo Menschen das Staunen nicht verlernen über alles was er geschaffen hat, wo sie sich frei und getragen wissen: Da wirkt Gott. Da ist sein Geist.

Und mit diesem Geist gibt es letztlich kein Scheitern, denn er hilft, in allem den Überblick und den Sinn zu finden. Amen.

 

Aktuell findet rund um den Salzburger Dom wieder das Loretto-Jugendfestival zu Pfingsten statt, wo die Power des Heiligen Geistes seit 20 Jahren spürbar erlebbar wird. Hier der Song „Komm herab, o Heiliger Geist“ interpretiert im Jahr 2015: