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In seiner Predigt zum Osterfest geht unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir,  der als Klinikseelsorger derzeit viel in Tod und Trauer involviert ist und beim Schreiben seiner Predigt unter diesen Eindrücken stand, darauf ein, wie die Botschaft von Ostern (Joh 20,1-31) in der aktuellen Situation die Welt zum Guten verändern kann.

Hier die Worte der Oster-Predigt von Pfarrer Kreitmeir

Dieses Jahr ist alles ganz anders, auch an Ostern. So ein Ostern habe ich – und ich bin fast 58 Jahre alt – noch nie erlebt. Haben wir überhabt schon so ein Ostern mit einer weltweiten Pandemie erlebt?

  • Wir haben leere Kirchen ohne Gottesdienste
    dafür volle Kliniken mit vielen belegten Intensivbetten;
  • wir haben leere Bildungseinrichtungen
    und Schule zuhause;
  • wir entdecken unsere eigene Kreativität
    und die Notlage der Nachbarn.
  • Wir empfinden Stille als heilsam
    und Verlangsamung als Gewinn;
  • wir erwidern ein freundliches Lächeln
    und einen entfernten Gruß;
  • wir staunen über einen Himmel ohne Kondensstreifen
    und Flüsse und Seen, die uns bis zum Grund blicken lassen.

Das Halleluja wird in diesem Jahr anders klingen:

  • Es kommt aus den Hütten und nicht aus den Palästen
    nicht aus den Kathedralen, sondern aus den Krankenzimmern,
  • laut und erleichtert, wenn die Krankheit überwunden wurde
    gedämpft und ergeben, wenn der Weg ins ewige Leben angetreten wird.

Wir alle werden aus dieser Zeit verändert herausgehen:

  • Wir werden zwar manche alten Gewohnheiten beibehalten,
    aber sorgfältiger abwägen, was wir wirklich brauchen.
  • Wir werden Systeme kritischer prüfen
    und unser eigenes Verhalten daran messen, wem es nützt.
  • Wir werden auch mutiger werden, wenn es darum geht,
    Korruption und Missbrauch den Kampf anzusagen.
  • Wir werden wieder lachen und uns frei fühlen,
    aber wir werden nie mehr vergessen,
    wie schnell aus Unachtsamkeit großes Leid werden kann.

Gesundheit ist ein hohes Gut und jeder ist für jeden verantwortlich in dieser so großen, schönen und doch so zerbrechlichen und empfindsamen Welt!

Bis vor Ausbruch der Pandemie waren sich viele Menschen sehr sicher darüber, dass sie ihre Welt im Griff haben, dass alles zu beherrschen und zu kontrollieren ist. Solche Überheblichkeiten sind nun wie Seifenblasen zerplatzt.

Wir Menschen haben eben nicht alles in der Hand.

Vielleicht war dieses Virus sogar notwendig, um uns das einmal deutlich zu zeigen. Mir tut es – und ich stehe als Krankenhausseelsorger ja an vorderster Front – nur wirklich leid, sehr leid, um die unschuldigen Opfer dieser Krise.

Gefühle von Hilflosigkeit, Machtlosigkeit und dem Entgleiten aller Sicherheiten hatten die Jünger Jesu nach der Kreuzigung Jesu auch. All ihre Hoffnungen waren wie Seifenblasen zerplatzt. Alles war plötzlich aus und vorbei – so schien es auf den ersten, zweiten und auch den dritten Blick.

Wir Heutigen hoffen, dass nach dieser Coronakrise irgendwann in ein paar Wochen, wohl eher Monaten wieder alles so sein wird wie vorher. Das wird es vielleicht äußerlich, aber es wird wohl nie mehr so sein wie vorher, vor allem nicht bei denen, die unmittelbar betroffen waren.

Die Römer und viele andere damals in Jerusalem interessierte es wenig, dass da wieder einmal einer gekreuzigt wurde. Es waren ja nicht wenige in dieser Zeit in diesem Landstrich. Die persönlich Betroffenen aber wurden im Innersten durch diese brutale Hinrichtung und den Tod ihres Rabunis, ihres geliebten Meisters, innerlich so erschüttert, dass danach nichts mehr so wie vorher sein konnte.

All die Ostergeschichten mit dem Zweifeln und Verzweifeln, Suchen, Klagen, Weinen, Tasten, Erahnen, Finden und Neuwerden der Anhänger und Anhängerinnen Jesu kommen mir in dieser Krisenzeit, wo ich beim Sterben von Coronapatienten dabei bin und oft sprachlos den Angehörigen beistehen darf, ganz neu nahe.

Erst jetzt verstehe ich, dass Ostern ein innerer Prozess des Schocks, der Trauer, des Loslassens, des Suchens, Findens und der Veränderung von Gedanken und Gefühlen ist. Der GELIEBTE wurde genommen. Die LIEBE sucht nach ihm und findet ihn nach dunklen Wegstrecken wieder NEU.

Dieser innere Entwicklungsprozess führt zu äußeren Veränderungen, die es in sich haben: Im Glauben Umgewandelte und Gestärkte können die Welt verändern! Damals und auch heute!

 

Ein Text von Helene Renner zeigt dies sehr schön:

Wo Menschen
aus ihrer Enge finden

Wo Hoffnung
neu entsteht

Wo Zuversicht
wachsen kann

Wo Ängste
überwunden werden

Wo Versöhnung
geschieht

Wo Freude
das Leben prägt

Wo Türen
plötzlich offen stehen

Wo Steine
weggewälzt werden

Wo Liebe
spürbar wird

Überall da
ist Auferstehung.

Amen.