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Bei der Vorbereitung seiner Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium (LK 14, 1. 7-14) wunderte sich unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir selbst darüber, was, angestoßen durch die Worte Jesu, so alles an Material in unserer Welt da ist, das dringend verbesserungswürdig ist. Dabei sind die Worte Jesu dann wirklich mehr als nur Anstoß, sondern Wegweiser und Lösungsstrategien, was Pfarrer Kreitmeir sehr schön darlegt.

Hier die Worte seiner Predigt:

Erinnern Sie sich noch an Josef Ackermann, den damaligen Chef der Deutschen Bank, der mit einer Überheblichkeit vor Kameras und Mikrofonen dem, der es hören wollte, sein Credo erzählte, wie für ihn die Welt funktioniert. Der Chefredakteur vom Stern, Hans-Ulrich Jörges, interviewte ihn 2008 einmal. Hören Sie selbst: „Ich habe Josef Ackermann einmal gefragt, […], warum er als reicher Mann überhaupt 14 Millionen pro Jahr verdienen müsse, warum es nicht auch sieben oder neun Millionen täten. Er brauche das Geld gar nicht, hat er geantwortet, er lebe bescheiden […], aber die ehrgeizigen jungen Leute in der Bank verlören ihre Motivation und den Respekt vor ihm, wenn er nicht nähme, was möglich sei.“ (Quelle: Stern Nr. 44/2008 vom 23. Oktober 2008, S. 60)

Was ist das für eine Motivation? Sich zu nehmen, was man kriegen kann?
Was ist das für ein Respekt?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – mich widert das alles zunehmend an!

Andere Baustelle: Ich weiß es noch wie heute und ich traute meinen Augen damals nicht, denn es war mehr als peinlich, es war oberpeinlich. Es war beim Natogipfeltreffen im Mai 2017, wo der amerikanische Präsident Donald Trump den Präsidenten von Montenegro, Dusko Markovic, brüsk wegschob als es darum ging, ein Gruppenfoto zu machen. Seitdem dieser Präsident der USA an der Macht ist, zeigt sich wieder das hässliche Gesicht des Überheblichen, der den Kleineren wegschubst und ihm zeigt, dass er nur sehr wenig zählt – in seinen Augen.

In den Augen Gottes läuft es Gott sei Dank aber anders.

Aber eins nach dem anderen …

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch besser lebt man ohne ihr.“ Oder „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“

Diese allgemeine Redensart bewahrheitet sich fast immer im alltäglichen Leben und doch bleibt da ein Nachgeschmack und eine leise Hoffnung, dass es im Umgang zwischen Menschen doch irgendwie anders, irgendwie besser zugehen sollte und könnte.

Der Blick in den tagtäglichen Zustand unserer Welt, wo es um Gier, Geld, Vorteile, „Ego first“, die besseren und die besten Plätze geht, lässt einen mit seiner kleinen Hoffnung auf anderes fast verzweifeln …
Die brennenden Urwälder in Brasilien werden unheilbare Wunden hinterlassen und die alte Botschaft der Hopi- oder Cree-Indianer bestätigen:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Zurück zu dem, der die immer kleiner werdende Hoffnung auf Besserung des Zustandes unserer menschlichen Gesellschaft, neu mit Kraft erfüllen kann – zurück zu GOTT und dessen Stimme hier auf Erden: JESUS von Nazareth.

Als er einmal bei einem Festmahl eingeladen war – wir hörten es soeben im Evangelium – erlebte er selbst so ein Sich-Wichtig-machen, das dann zu einer beschämenden Farce wurde: Der Gastgeber verwies den Wichtigmacher des von ihm beanspruchten Platzes und es blieb nur noch der letzte Platz für ihn übrig.

Genau das läuft gerade auf unserer Erde. Die Positionskämpfe um Land, Wasser, Nahrung, Bodenschätze, Macht, Geld und Ansehen werden neu aufgestellt. Die vermeintlich armen Länder, die nicht selten durch Kolonialismus jahrhundertelang ausgebeutet wurden, lassen sich dies so nicht mehr gefallen. Es kommen unruhige Zeiten auf die Weltgemeinschaft zu, sie haben schon begonnen.

Deshalb ist es gut, dass Jesus, die Stimme Gottes hier auf Erden, Bescheidenheit und Demut neu ins Rampenlicht rückt.

Diese alten Tugenden scheinen nicht in die weltweite Ellenbogengesellschaft zu passen und doch sind sie deren Medizin und Heilmittel. Denn, wer genau hinsieht, wird entdecken, welche Kraft in ihnen steckt: eine sanfte Kraft.

Oft ist es nämlich diese sanfte Kraft, die verfahrene, heillose und unüberwindlich scheinende Zustände verändern kann. Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Dietrich Bonhoefer, P. Maximilian Kolbe und viele viele andere Geschenke Gottes geben Zeugnis davon!

Nicht Härte kommt zum Ziel, sondern das Weiche.

Eine alte Geschichte erzählt davon, dass Sonne und Wind darüber wetteifern, wer von beiden der Stärkere sei. Sie sehen einen Mann, der seinen Mantel um sich geschlungen hat und beschließen, dass derjenige gewinnt, der es schafft, ihm diesen Mantel wegzunehmen. Der Wind bläst ihm mit aller Gewalt ins Gesicht, doch der Mann schlingt den Mantel nur fester um sich. Dann fängt die Sonne an, den Mann warm zu bescheinen. Er entspannt sich zusehends und zieht nach einer Weile den Mantel aus. (In: Rosemarie Stresemann – Sanfte Kraft – Den Lebensstil der Demut lernen)

Die Strategien der Wärme und Sanftheit, der echten Bescheidenheit und ehrlichen Demut bewirken Dinge, die mit Gewalt nicht zu erreichen sind.

Lange galten Demut und Sanftmut als Zeichen der Schwäche. Mittlerweile wird zunehmend in Managementkreisen erkannt, dass die Stärke einer Führungsperson in einer demütigen und lernbereiten Haltung verborgen liegt.

Wer echte Demut und aufrichtige Bescheidenheit gelernt hat, der muss sich nicht immer durchsetzen, sondern kann gelassen entscheiden, wie er handeln will.

Jesus war alles andere als ein Weichei. Er stand nicht unter dem Leistungsdruck und dem inneren Zwang, sich beweisen zu müssen, sondern Jesus war gesund selbstbewusst.

Er war – und das war seine allergrößte Stärke – sich auch seiner Beziehung zu Gott, den er Vater nannte, sehr bewusst. Innerlich stark, weich und offen, bereit und flexibel auf die Bedürfnisse der Mitmenschen einzugehen, die Impulse seines himmlischen Vaters zu hören und weiterzugeben, koste es, was es wolle, das war sein Weg der Erlösung.

Bei Jesus sieht man auf gute Weise, was es heißt, dass Bescheidenheit wirklich eine Tugend, also eine hervorragende Charaktereigenschaft und eine vorbildliche Haltung ist.

Wer Jesus an seiner Seite weiß, der braucht all das Kindergartengerangel auf den tagtäglichen Bühnen nicht mehr. Von Jesus zu lernen heißt, einen neuen Weg in innere Freiheit und Gelassenheit zu finden. Amen.

 

Hinweis: Im Oktober erscheint im Gütersloher Verlagshaus das neue Buch von Pfarrer Christoph Kreitmeir mit dem Titel „Der Seele eine Heimat geben“.

Mehr Gedanken und Impulse gibt es unter www.christoph-kreitmeir.de