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In seiner Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums (Lk 19,1-10) rund um den sündigen Zöllner Zachäus zeigt unser geistlicher Begleiter Pfarrer Christoph Kreitmeir, dessen neues Buch „Der Seele eine Heimat geben“ aktuell erschienen ist, dass die selbstgerechten Frommen damals wie heute ins Leere laufen.

Hier die Worte seiner Predigt:

Einmal ehrlich: Haben Sie in Ihrem Leben schon mal richtig Mist gebaut? So richtig etwas falsch gemacht? Echt versagt und dann auch nicht mehr herausgekommen aus dem Schlamassel, den man sich selbst eingebrockt hatte?

Wie ehrlich oder weniger ehrlich Ihre Antwort ausfallen mag, verstehen können wir wohl alle, wie sich jemand fühlt, der doch noch ein Gewissen hat, raus möchte auch seinen vielfältigen Verstrickungen, aber nicht weiß, wie. Wir reden hier von den vielen „Verbesserlichen“ und nicht den nicht so vielen „Unverbesserlichen“, die es leider und Gott sei es geklagt auch und wirklich gibt.

Der in sich noch nicht erstarrte Mensch ersehnt sich Verbesserung in seinem Leben und weiß oft nicht, wie er dies zustande bringen soll. Der berühmte Dichter Friedrich Schiller (1759 – 1805) erwähnt in seinem Gedicht über die „Hoffnung“ diese Sehnsucht:

„Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen;
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen;
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. …

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besser´m sind wir geboren.
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.“

Was für schöne, was für treffende Worte und der kleine Mann, namens Zachäus, der Oberzöllner im Dienste der bei den Juden verhassten Römer ist, weiß, dass er grundsätzlich und immer wieder Mist baut, aber nicht total verloren in seinen Verstrickungen ist, sondern in sich die Hoffnungsstimme der Sehnsucht nach Verbesserung spürt: Zu was Besser´m bin ich geboren!

Nur, wie komme ich raus aus meinem Schlamassel und wer kann mir dabei helfen?

Jesus, dessen Namen ja „Gott heilt“ bedeutet, ist der, von dem er schon viel gehört hat, und das Gehörte nährt seine „Sehnsucht nach Verbesserung“. Auch, wenn all die Leute, die mich verachten, meinen, dass ich es sei: Ich bin nicht unverbesserlich!

Diese Sehnsucht treibt Zachäus auf den Baum, dort wird er nicht gesehen, kann aber alles gut überblicken. Jesus, der gleichsam die Sehnsucht nach Veränderung riechen kann, entdeckt ihn im Geäst und pflückt gleichsam die reife Frucht vom Baum: „Noch heute muss ich Gast sein in deinem Haus.“

Das Wunderbare an dieser inneren Heilungsgeschichte, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, ist, dass die ausgesandte Sehnsucht nicht ins Leere geht.

Dieser Jesus kommt entgegen, dieser Jesus nimmt Zachäus wahr, ja er lässt sich von ihm sogar einladen, nein er lädt sich selbst bei ihm ein und nimmt dadurch selbst Getratsch, Getuschel und Häme auf sich.

Die Heilung, die Zachäus durch Jesus geschenkt wird, ist seelischer und gesellschaftlicher Natur, denn der kleine und gemiedene Außenseiter wird zu einer großen Persönlichkeit. Er, der Verachtete, ist ein Sohn Abrahams.

Jesus stellt diese Würde heraus, er nimmt ihn an und hilft ihm, den Sumpf der Verstrickungen verlassen zu können.

Zachäus kann sich und der Welt beweisen, dass er kein „Unverbesserlicher“ ist.

Die, die immer genau und selbstgerecht wissen, wie andere sein sollten, laufen jetzt ins Leere.

Das Entgegenkommen des Herrn stärkt das Angenommensein des Zachäus, das so verschüttet gewesen war. Ein neuer Mensch schält sich aus dem alten Egoisten heraus, Zachäus wird wohltätig und gerecht und vor allem: Er wird glücklich und froh.

Zachäus hängt seinen Brotberuf des Zöllners an den Nagel und folgt seiner inneren Berufung, nämlich in der Nachfolge Jesu dem Himmelreich näher zu kommen.

Diese Geschichte will uns ermuntern und bestärken, niemals die „Hoffnung auf Verbesserung“ aufzugeben, der inneren Stimme der Sehnsucht zu vertrauen und ihr zu folgen und dabei zu etwas Besserem geboren zu werden.

Es kommt dabei immer darauf an, das zeigt der folgende Text von Guido Groß sehr gut, woraufhin wir unseren Blick hinwenden: Nur auf unser Unvermögen oder auf IHN, der alles wenden kann.

Immer wieder guter Wille
doch dann der Alltag

Immer wieder Gutes gewollt
doch dann alte Muster

Immer wieder Rückfälle
Unfähigkeit Versagen

Immer gleich bleibend Gottes Erbarmen
standhaltend jeder Negativität

Warum schaue ich auf mein Unvermögen
und nicht auf IHN?

 

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Mehr Infos zu seinem neuen Buch „Der Seele eine Heimat geben“ gibt’s unter folgendem Link:

randomhouse.de