Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In seinem Samstagsimpuls zum Sonntagsevangelium geht Pfarrer Rainer Maria Schießler darauf ein, was es bedeutet ein guter Hirte in Kirche und Gesellschaft zu sein.

Hier (mit freundlicher Genehmigung) der Impuls mit dem Titel „Der gute Hirte“, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Das Bild vom guten Hirten erscheint bis heute gerne sehr klerikal, priesterzentriert: Der Hirte ist alles. Die Schafe bedeuten wenig bis nichts. Zum Problem wurden und sind dabei auch für etliche in der Kirche oder in den Gemeinden „Schwarze Schafe“, die man unter keinen Umständen in der Herde haben möchte. Der Katholizismus soll am besten reinrassig daherkommen. Aber jetzt nur mal rein wirtschaftlich gesehen: Wer kann es sich leisten, 99 Schafe im Stich zu lassen, um das eine zu finden?

In den Gleichnissen Jesu aber geht es nicht um Rechenspiele, sondern um die Barmherzigkeit, um die ungewöhnliche Liebe Gottes.

Gott lässt sich so auf den Menschen ein, dass es schon unvernünftig wirkt. Die Gerechten lässt er auf ihrer Weide zurück und sucht den Menschen, der sich verirrt oder in schlimme Situationen verstrickt hat. Mit ihm zusammen und ohne Vorwurf kehrt er voller Freude zur Herde, zu den anderen zurück, und feiert gemeinsam mit allen ein Fest.

Gott ist größer als unsere Vernunft und unsere Sorge, sagt das Gleichnis.

Das will nun ‚Seelsorge’ leisten, eben nicht im Pfarrhaus sitzen bleiben, den wohltuenden Weihrauch der Umgebung genießen und dem schlechten Geruch der Menschen ausweichen, die ihn eigentlich nötig hätten. Es gibt sie, diese Menschen, die von Ängsten gezeichnet sind, die verletzt wurden, sogar von sogenannten ‚guten Hirten’. Es sind Menschen, die beruflich, finanziell oder in ihrer Beziehung schlichtweg überfordert sind. Sie sind für die Seelsorge die wichtigsten. Die 99 Gerechten kommen gut mit sich selbst zurecht. So versteht Papst Franziskus sein Wort vom „an die Ränder gehen“.

Vielleicht gibt das Bild von der Herde es so deutlich nicht wieder, aber nur so ist es gemeint:

Die Gemeinschaft aller Glaubenden ist wichtig, eine Gemeinschaft, die offen bleibt für alle auf der Suche, an den ‚Hecken und Zäunen’.

In dieser Gemeinschaft sind alle gleich, auch wenn einige besondere Aufgaben und Dienste für sie übernehmen. Genau das begründet für Christen, die im Wort und im Geist Jesu stehen wollen, dass es kein ´Oben` gibt, weil es auch kein ´Unten` geben kann.