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Seinen Samstagsimpuls zur Sonntagslesung (1.Petrus 3,15-18) stellte Pfarrer Rainer Maria Schießler unter die Überschrift „Lebt so, dass man euch fragt“. Dabei beschreibt er, was eine christliche Gemeinde ausmachen sollte.

Hier die Worte des Impulses, den Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Unter den verschiedenen Methoden, Menschen den christlichen Glauben zu vermitteln, beschreibt der erste Petrusbrief die erfolgreichste:

Höre hin und antworte dem, der dich nach dem Grund deines Glaubens und deiner Hoffnung fragt. Vor allem: Antworte unaufdringlich und mit großem Respekt.

Beides ist gleich wichtig: Die Glaubwürdigkeit des einzelnen Christen und seines Glaubens ebenso wie die ganze christliche Gemeinde vor Ort. Alle zusammen geben der Kirche ihre Bedeutung. Nicht das Bauwerk zählt, nicht die bloße äußere Form einer prachtvollen Liturgie. Die Menschen sind es. Die Ortskirchen sind es. Aus ihnen heraus lebt die Kirche, und nicht etwa umgekehrt.

Auch der stärkste Baum fällt, wenn seine Wurzeln vertrocknen.

Die kleinen, manchmal sehr bescheidenen Gemeinden vor Ort sind der eigentliche Schatz der Kirche.

Wer diesen Schatz ignoriert, indem er auf den Priestermangel keine Antwort wissen will, neue Wege im Stil zentraler Gestaltungswut einfallslos blockiert oder zu verbohrt ist, um prophetische Visionen zuzulassen, der macht die ganze Kirche im spirituellen Sinn armselig.

Die Menschen erwarten wie im Petrusbrief eine Antwort auf Augenhöhe, nicht von Oben herab.

Sie wollen ernst genommen werden. Dazu aber müssen die Ortsgemeinden zunächst die Hörenden sein und auf die Fragen ihrer Zeitgenossen warten können: „Warum feiert ihr euren Gottesdienst so?“ – „Wie sieht euer soziales Engagement aus?“ – „Warum fühlen sich Außenstehende bei euch angenommen und aufgehoben?“ Es sind Fragen, die eher nebensächlich erscheinen, dann aber doch in ihren Antworten sehr schnell zum Kern der Frohen Botschaft führen. „Lebe vom Evangelium das, was du davon verstanden hast“ rief Roger Schutz (1. Prior von Taizé) den jungen Menschen zu, „und sei es noch so wenig“!

Begegnungsräume können nur in der Nähe und in aller Freiwilligkeit entstehen.

Nur dort haben das Suchen und Fragen, das Leben der Menschen ihren Platz. Dort gibt es dann auch tragfähige Antworten im Miteinander und Füreinander. So war das immer schon seit Jesus von Nazareth.