Foto: facebook.com/rainer.maria.schiessler (mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Rainer Maria Schießler)

In einer Zeit, in der die eigentliche Bedeutung von Weihnachten immer mehr in der Hintergrund zu geraten scheint und sich so mancher gar nicht mehr traut einfach „Frohe Weihnachten“ zu wünschen, erinnert der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler in seinem aktuellen Facebook-Impuls an das Ereignis der Menschwerdung Gottes, nach dem wir unsere Zeit rechnen und das seit 2000 Jahren, Menschen auf der ganzen Welt durchs Leben trägt.

Hier die Worte von Pfarrer Schießler zum 4. Advent:

„Wo Weihnachten drauf steht, muss Jesus drin sein.“ Sonst wäre das Fest für alle Mitfeiernden vielleicht gerade noch eine nostalgische Erinnerung, im letzten aber irgendwie eine Mogelpackung. Da soll also in der Person und Gestalt eines Jesus aus Nazareth Gott menschliche Wirklichkeit geworden sein? Unglaublich!

Aber in den Erzählungen vom Unterwegssein, der Herbergsuche, der Geburt in einem Stall, kommt sehr deutlich zum Ausdruck, was die Menschwerdung Gottes soll: Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, auch die am Rande der Kirche, wird ein Reich Gottes, ein Land des Friedens und der Gerechtigkeit angesagt. Es soll im Leben eines jeden Einzelnen Wirklichkeit werden, auch im Leben dessen, der einmal im Jahr in den Gottesdienst kommt. Wenn uns das gelingt, wäre schon sehr viel gewonnen.

Ein solcher Gott, der unter uns Mensch wird, verändert sowohl das Menschen- wie das Gottesbild von Grund auf.

Der Mensch bekommt eine besondere Würde, die er in vielen Teilen der Welt noch immer nicht hat. In keiner anderen religiösen Überzeugung wird diese Würde so deutlich gemacht. „Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr“, drückt es ein Apostel Paulus aus.

Jeder Mensch ist also ein heiliger Ort und das schärft unseren Blick auf unsere Mitmenschen, besonders auf jene, die unter Vorurteilen verschiedenster Art zu leiden haben. Auch in ihnen wohnt Gott, vielleicht sogar bevorzugt. Wir sollten ihn nicht leichtfertig übersehen.

„Gott ist auf unseren Straßen anzutreffen, in den dunkelsten Kellern und einsamsten Kerkern des Lebens werden wir ihn treffen“, ermahnen uns die Worte des Jesuitenpaters Alfred Delp, im Februar 1945 von den Nazis ermordert. Aus dieser tiefen Überzeugung erwächst so seine eindringliche Aufforderung: „Lasst uns dem Leben trauen, weil diese Nacht das Licht bringen musste. Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht mehr allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“