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Am heutigen Sonntag nach Weihnachten wird in der katholischen Kirche traditionell das Fest der Heiligen Familie (Jesus, Maria und Josef) gefeiert. In seinem Impuls zu diesem Fest verdeutlicht Pfarrer Rainer Maria Schießler, dass ein Handeln aus Liebe heraus etwas anderes ist als ein „ständiges besseres Vorauswissen, Regulieren und Kontrollieren“.

In seiner Auslegung des heutigen Sonntagsevangeliums (Mt 2,13-15.19-23)

Hier (mit freundlicher Genehmigung) die Worte seines Impulses, die Pfarrer Schießler auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hat:

Fest der Hl. Familie

„Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss,, was meinem Vater gehört?“ – Die Eltern Jesu haben es sicher nicht verstanden, welche Tragweite diese Ansage ihres Sohnes Jesus besitzt und wie diese sich durch sein ganzes Leben ziehen wird. Kompromisslos wird er seinen eigenen Weg gehen und selbst die komplett versammelte Verwandtschaft wird ihn nicht zurückholen nach Nazareth und ihn davon überzeugen können, seine Mission und seine Verkündigung eines neuen Gottesbildes zu stoppen.

Jetzt gleich wieder die fromme widerspruchslos Zustimmung seiner Eltern dazu vorauszusetzen, wird der Dynamik und Dramatik des Lebens und Wirkens dieses Jesus von Nazareth einfach nicht gerecht.

Wie alle Eltern mussten sicher auch Josef und Maria erst lernen, den Visionen – auch den religiösen – ihres Sohnes Raum zu lassen und ihn damit los bzw. auch gehen zu lassen.

Dies aber geht im Leben nur, wenn es in Liebe geschieht. Erst dann erfahren wir das Wunder der Gelassenheit, mit der man dem Menschen eher gerecht wird als durch ständiges besseres Vorauswissen, Regulieren und Kontrollieren.

Wer aus Liebe gelassen ist, wird achtsamer gegenüber allem, was sich ereignen kann.

Man findet zu einer anderen Sprache und einem deutlich faireren Umgang miteinander, und zwar auf Augenhöhe.

Dann erst entsteht eine Heilige Familie, in der auch die Würde der Querdenker und Ausscherer eine Heimat besitzt. In einer solchen Atmosphäre kann Neues und Unerwartetes entstehen.

Was wäre denn herausgekommen, wenn sich Josef und Maria gegen ihren Sohn durchgesetzt hätten?

Wohl nur ein weiterer entmutigter, lustloser junger Mann, der irgendwo in der Versenkung verschwindet. So aber geht Jesus seinen Weg weiter und bringt uns in einer neuen tiefen Weise Gott näher, den wir seitdem zuallererst in uns selbst suchen und finden dürfen.