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In seiner heutigen Auslegung des Sonntagsevangelium von der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor beschäftigt sich Pfarrer Rainer Maria Schießler u. a. mit einem Kurswechsel zu einem erfüllten Leben.

Hier seine Worte zum Evangelium am 2. Fastensonntag (Lukas 9,28 – 36)

Fast verschlafen die drei Apostel das Stück Himmel auf Erden. Fast wäre das wichtige Ereignis auf dem Tabor an ihnen vorüber gegangen. Sie werden noch einmal schlafen, dann wenn Jesus ihren Beistand in seiner Todesangst, an der Grenze seines Lebens so dringend brauchen könnte. Sie werden wieder einmal schlafen zur falschen Zeit.

Auf dem Tabor tritt das Leben Jesu in sein volles Licht, so das Bild. Der Himmel öffnet sich. Für einen Moment zeigt sich die ganze Fülle des Lebens. Den Jüngern fehlen die Worte. Statt zu staunen und sich darüber zu freuen, statt einen Blick auf die Fülle und die Schönheit des Lebens zu werfen und das Glück des Augenblicks zu genießen, wollen sie drei Hütten bauen. Sie wollen etwas in Sicherheit bringen, was nicht festzuhalten ist.

Das Leben braucht Bewegung, braucht Raum, keine Räume.

Es gibt viele Menschen, die nicht das Leben so führen, wie sie es sich wünschen. Sie könnten sich manche Taborstunde erfüllen, wenn sie sich nur erheben wollten. Natürlich muss einer dafür erst einmal den Berg hinauf steigen. In den Niederungen des Lebens gibt es keine freie Sicht.

Wer aufsteigt und aussteigt aus dem Üblichen, wer sich befreit von Ängsten und Zwängen, verändert sich und sein Aussehen schon unterwegs. Er fängt an zu strahlen.

Darum muss es uns Christen gehen: Auf den Berg steigen und nicht in der Enge und hinter Mauern sitzen bleiben! „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!“ spricht schon der Psalmbeter.

Darum muss es einer aufrichtigen Seelsorge mit den Menschen gehen: Nicht gängeln, sondern begleiten! Nicht disziplinieren, sondern befreien! Und vor allem immer das ganze Leben im Blick haben: Zärtlichkeit, Wärme und Güte, Schöpferkraft und Engagement, aber auch die Dunkelheiten, die Enttäuschungen und die Schattenseiten, Alles ist in diesem einen Moment auf dem Tabor in einer großen Harmonie miteinander verbunden.

Das Licht vom Tabor ist wie eine Signatur des anderen Lebens, eines Lebens, wie es Gott uns zumutet.

Zumutung im Sinne der ursprünglichen Bedeutung: Den Mut zu haben, sein Leben so zu führen, wie es von Gott her gedacht ist.

Amen.

 

Der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler ist auch als Buchautor tätig. Mehr Infos über seine beiden Bücher „Himmel, Herrgott, Sakrament – Auftreten statt Austreten“ und „Jessas, Maria und Josef – Gott zwingt nicht, er begeistert“ gibt’s HIER

 

Ein weitere spannende Auslegung zum heutigen Sonntagsevangelium von Schwester Ursula Hertewich mit dem Titel „Gott gaukelt uns nichts vor“ gibt’s unter katholisch.de