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Im April dieses Jahres erschien eine monumentale wissenschaftliche Studie von den Forschern Mark Stoeckle und David Thaler über den Vergleich von 100.000 Arten, die zum kritischen Nachdenken über die Evolutionstheorie führte. In einer Stellungnahme im christlichen Medienmagazin Pro erklärte Prof. Dr. Siegfried Scherer, der Professor für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München ist, die Zusammenhänge dieser Studie und relativierte die in einigen christlichen Medien ausgelösten Spekulationen, dass mit der Studie von Stoeckle und Thaler womöglich die Evolutionstheorie widerlegt worden sei.

Der gläubige Christ Siegfried Scherer verwies in seinem Beitrag aber auch auf das, was die Evolutionstheorie nicht klären kann, und betont:

„Alle Lebewesen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Erbsubstanz eine atemberaubende Fülle an biologischer Information enthält. Die Komplexität dieser biologischen Information, die Genialität der dadurch codierten molekularen Maschinen und die verblüffenden Konstruktionen der Lebewesen sowie ihre Schönheit übersteigen jedes menschliche Vorstellungsvermögen.“

Dabei bemerkt Prof. Dr. Scherer, dass sich viele seiner Kollegen für eine materialistische Weltanschauung entschieden hätten, was aber wiederum selbst ein Glaubensansatz sei. Er sehe aber „keine naturwissenschaftlichen Argumente“, die diesen Glaubensansatz stützen würden. Dazu betonte der 63-jährige weiter:

„Als Wissenschaftler bin ich mit dem atheistischen Philosophen Thomas Nagel der Überzeugung, dass biologische Information sich grundsätzlich nicht auf Materie reduzieren lässt und ihre Entstehung durch materialistisch verstandene Evolutionstheorien deshalb nicht erklärt werden kann.“

Auf seiner Webseite äußert Prof. Dr. Scherer, dass Glaube und Naturwissenschaft „unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit“ seien. Diesem Verständnis folgend resümiert er in seinem Beitrag im Medienmagazin Pro:

„Als Christ glaube ich, dass die Entstehung biologischer Information auf die Schöpfungskraft des Gottes zurückzuführen ist, der sich in der Bibel offenbart hat.“

Und weiter:

„Ich sehe keine naturwissenschaftlichen Gründe, die gegen meinen Glauben an die Existenz eines Schöpfers sprechen.“

Zum Spannungsfeld zwischen einer Ideologiesierung der Theorie Darwins und einer fundamentalen Bibelauslegung gab Siegfried Scherer in einem Pro-Interview im Februar 2009 auf die Frage, warum es Evolutionsbiologen so schwer falle, Kritik an der Theorie Darwins ernst zu nehmen, zu verstehen

„Nun haben sich einige Biologen weltanschaulich im Sinne eines atheistischen Glaubens festgelegt. Das ist in Ordnung, solange eine faire, wissenschaftliche Diskussion zugelassen wird, doch manchmal begegnet mir in diesen Kreisen ein erschreckend fundamentalistischer Evolutionismus, der jede Evolutionskritik am liebsten mit einem Bann belegen würde.“

Dies habe mit Naturwissenschaft nichts zu tun. Vielmehr gehe es bei dieser Glaubensauffassung im Kern darum, „ein persönliches materialistisches Weltbild im Namen der Naturwissenschaft absolut zu setzen und gegen kritische Anfragen zu immunisieren“. Genauso kritisch sieht Scherer es aber auch, wenn insbesondere „im amerikanisch-kreationistischen Raum“ zum Teil „auf einer emotionalen oder theologischen Ebene“ argumentiert werde, wenn es um naturwissenschaftliche Fragen geht, wobei es „mitunter deutlich an biologischer Fachkenntnis“ mangele. Derartige Auffassungen könnten Wissenschaftler nicht ernst nehmen, was „nachvollziehbar“ sei. Die „undifferenzierte Vermischung von Religion, Wissenschaft und Politik“ ergebe einen „Cocktail, den ich ziemlich ungenießbar finde“, so Siegfried Scherer weiter.

Dazu bemerkt er, „dass viele Christen Evolution als Schöpfungsprozess verstehen“, was nach seiner Kenntnis  „für die Mehrheit der Christen in den großen Kirchen und Freikirchen“ gelte, so Siegfried Scherer. Diesbezüglich verweist er auch auf den Genetiker Francis Collins, den Leiter des berühmten Humanen Genomprojektes, nach dessen Ansicht christlicher Glaube und Evolutionstheorie vollständig miteinander vereinbar, was dieser in seinem Buch „Gott und die Gene – ein Naturwissenschaftler begründet seinen Glauben“ darlegte.

Zu seinem persönlichen Glauben sagte er:

„Persönlich halte ich es für ein großes Vorrecht, die Natur als Schöpfung Gottes zu begreifen und die Werke meines Schöpfers erforschen zu dürfen.“

Zum Zusammenhang von Glaube und Naturwissenschaft bringt er auf seiner Homepage unter der Kategorie „Wissenschaft und Weltanschauung“ auf den Punkt, wenn er schreibt:

„Die Frage nach dem Ursprung der Welt und des Lebens umfasst naturwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche und weltanschauliche Aspekte. Die sorgfältige Trennung der Argumentationsebenen ist die Grundvoraussetzung für eine fruchtbare Diskussion.“

Weiter konkretisiert er auf seiner Homepage seinen persönlichen Glauben u. a. mit folgenden Worten:

„Als überkonfessionell orientierter Christ glaube ich gemäß der Heiligen Schrift an Jesus Christus, durch den Gott das Universum ins Dasein gerufen hat. Gott ist nach dem Glauben der christlichen Kirchen Schöpfer, Erhalter, Erlöser und Vollender der Welt und des Menschen und damit auch Urheber der Naturgesetze, die durch ihn Bestand haben.“

Quellen: pro-medienmagazin.de (1), pro-medienmagazin.de (2), siegfriedscherer.de (1), siegfriedscherer.de (2), begruendet-glauben.org, youtube.com