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Der Unternehmer Frank Dopheide, der Gründer der Purpose Agentur human unlimited ist und zuvor Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und Gründer der Marken- und Strategieagentur Deutsche Markenarbeit war, fordert in seinem Buch „Gott ist ein Kreativer – kein Controller“, dass Führungskräfte wieder kreativer und menschlicher werden müssen. Durch die reine Fixierung auf Zahlen werde die Wirtschaft „unkreativ und unmenschlich“.

In verschiedenen Interviews zu seinem Buch erklärte der 57-Jährige, dass „CFOs (Chief Financial Officers, Chefcontroller) und andere Zahlendreher“ mit ihrer Art des Denkens und Managens die Wirtschaft „in eine Optimierungsfalle geführt“ hätten und es heute dringend einen Perspektivwechsel brauche.

Gegenüber dem Magazin Produktion Online betonte Frank Dopheide drei Aspekte, wie dieser Perspektivwechsel zum Wohle der Wirtschaft und der Gesellschaft gelingen kann. An erster Stelle hob er hervor:

„Jeder, der Menschen führt, muss Menschen lieben. Damit fängt es an.“

Wer diese Fähigkeit nicht besitzt, sollte nach Ansicht von Dopheide keine Führungsposition besetzen. Zudem nennt er Neugierde und Offenheit für Neues als wichtige Parameter. Überdies betont er als dritten Aspekt ein immaterielles Wertebewusstsein. Demzufolge sollte eine Führungskraft „akzeptieren, dass es auch außerhalb der Excel-Tabelle Werte gibt, die bedeutsam sind für Kunden, für Mitarbeiter und für die Gesellschaft“. Dabei veranschaulicht er weiter, dass diese Werte „wertvoll oder zukunftsentscheidend“ sind, auch wenn sie „in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht auftauchen“.

Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sprach Dopheide über eine ihn prägende Erfahrung, die er machte, als er Chairman der Full-Service-Agentur Grey wurde. Seinerzeit habe er zum ersten Global-Board-Meeting „einen Koffer voller Ideen mitgebracht“. Dies habe aber kein Interesse hervorgerufen. Bei dem dreitägigen Meeting sei es dann vornehmlich über Zahlen gegangen und nicht über Innovationen, Kunden oder Mitarbeiter. Dazu betonte er:

„Der Mensch kam nur als Zielgruppe, als Kollektiv oder als Teil von Organigrammen vor.“

Und das, obgleich der Mensch in der Werbebranche „der Kern unseres Schaffens“ sei, so der 57-jährige Unternehmer weiter.

In seinem Buch „Gott ist ein Kreativer – kein Controller“ schildert Frank Dopheide mit der Figur namens Stefan einen fiktiven Prototypen eines deutschen Managers. Den Namen habe er gewählt, weil die meisten Dax-Chefs diesen Namen tragen und er für die Gleichheit und Eintönigkeit dieser Manager-Gattung stehe, wo alle gleich, glatt rasiert und Marathonläufer seien, „alle durch die gleiche Denkschule bei McKinsey“ gegangen seien und der Annahme unterliegen, „dass man die Welt am besten mit Zahlen steuern kann“.

Gegenüber dem RND betonte Dopheide diesbezüglich:

„Es gibt einen Unterschied zwischen Powerpoint und wahrem Leben.“

Sich mehr gegenüber den Zahlen als gegenüber den Menschen verantwortlich zu fühlen, mache etwas mit Menschen, mit ihrem Denken, Fühlen und Kommunizieren. Schlussendlich gehe es immer nur um den Börsenwert, so der erfahrene Unternehmer weiter. Die Folge der Fixierung aufs Controlling seien „zwar gute Zahlen, aber eine große innere Leere“.

In dem Sinne wie der Soziologe Max Weber schon vor 100 Jahren feststellte, dass neben den marktwirtschaftlichen Mechanismen auch die protestantische Ethik viel zum Erfolg von Unternehmen beigetragen hat, plädiert Frank Dopheide für mehr Ethos in der Wirtschaft, wofür in seinem Buch Gott als eine Art sehr erfahrene Führungskraft auftaucht.

Mit Blick auf Gott könnte nach Ansicht von Dopheide ein Bewusstsein einkehren, dass Führung „ein schöpferischer Akt – und kein Rechenmodell“ sei, eine Führungskraft zunächst „Menschen lieben“ und dann „Zahlen verstehen“ müsse und „dass die Großen und Starken die Kleinen und Schwachen schützen“ müssten.

Resümierend warnt Dopheide im RND-Interview mit Blick auf vergangene Erfahrungen am Kapitalmarkt davor, sich von scheinbar guten Zahlen blenden zu lassen. Dazu betont er:

„Bloß weil wir Dinge wie Ideenreichtum, Vorstellungsvermögen, Kampfgeist und Durchhaltewillen nicht in Zahlen messen können, können wir nicht so tun, als würden sie keine Rolle spielen.“

Im Interview mit dem Magazin Absatzwirtschaft warnt Frank Dopheide gar vor einer „Gläubigkeit an Excel“. Die Annahme, „ein Unternehmen nach Exceltabellen steuern zu können“ erachtet er als „schwierig“, weil Menschen sich seiner Ansicht nach nicht mit Zahlen steuern lassen. Das veranschaulicht er mit folgenden Worten:

„Versuch mal, all das, was dir wichtig ist – Deinen Mann, Deine Kinder, Deine Hobbys, Deinen Hund – mit einer Exceltabelle zu führen.“

Abermals betont Dopheide sein Credo für den Perspektivwechsel:

„Ich hätte gern erst einmal, dass alle, die ein großes Unternehmen führen, Menschen mehr lieben als Zahlen.“

Kontraproduktiv für diesen Wendepunkt sieht er, dass in den Führungsetagen der Dax-Konzerne in der Regel ehemalige McKinsey-Berater sitzen.

Als Vorbilder, die sein Paradigma vom Perspektivwechsel untermauern, nennt Dopheide unter anderem Steve Jobs, was er wie folgt begründet:

„Steve Jobs war der Kunde mindestens mal genauso wichtig wie die Exceltabelle, das Design mindestens so wichtig wie der Profit.“

Letztendlich ist sich Frank Dopheide gewiss, dass die Corona-Pandemie die Werteorientierung in Unternehmen befördern werde und der Blick auf Gott Menschen in Führungspositionen das Bewusstsein gibt:

„Gott ist ein Kreativer – kein Controller.“

Quellen: produktion.de, rnd.de, absatzwirtschaft.de, augsburger-allgemeine.de