Die US-amerikanische Bundesrichterin Amy Coney Barrett wurde am 26. September 2020 von Donald Trump als Nachfolgerin der am 18. September 2020 verstorbenen langjährigen Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Ruth Bader Ginsburg, nominiert. Barrett bekennt sich, wie Trump’s Gegenkandidat Joe Biden (wir berichteten), zum katholischen Glauben.

Amy Coney Barrett ist Mutter von fünf leiblichen und zwei Adoptivkindern und gilt als konservative Katholikin. Wie am 26. September in der New York Times zu lesen war, sei die 48-jährige Juristin Mitglied der „People of Praise“, einer ökumenischen, theologisch charismatischen Gemeinschaft, die konservative Lebenshaltungen vertritt. So wird zum Beispiel in einer Ehe der Mann als Oberhaupt der Familie angesehen, womit aber keine Position der Macht oder der Vorherrschaft verbunden ist, sondern eine Position des Kümmerns und des Dienstes und der Verantwortung zum Ausdruck kommen soll. Die mutmaßliche Zugehörigkeit zu „People of Praise“ hinderte Amy Coney Barrett aber tatsächlich nicht an ihrer Karriere, höchste Richterin der USA zu werden.

Allein der Umstand, dass Amy Coney Barrett konservative Positionen vertritt, sowie eine Aussage Barretts aus dem Jahr 2006 reichte aus, dass hierzulande sich die Berichterstattung mit reißerischen Headlines überschlugen. So waren Schlagzeilen zu lesen wie „Juristische Kämpferin für ‚das Reich Gottes‘“ (Stern) oder „Wird sie Trumps Richterin für ‚das Reich Gottes‘?“ (Bild) sowie „Wie nah steht sie der Frauen unterdrückenden Gruppe “People of Praise”?“ (RND).

Grund für diese Überschriften ist zum einen eine aus dem Zusammenhang gerissene Aussage Barretts. Im Jahr 2006 hielt die Juristin eine Rede an der Notre Dame Universität im US-Bundesstaat Indiana, in der sie folgendes an die Studenten weitergab:

„Denken Sie immer daran, dass Ihre juristische Laufbahn nur Mittel zum Zweck ist. Dieser Zweck ist der Aufbau des Reiches Gottes.“

Dazu erklärte sie, dass es im Leben nicht darum gehe, Ruhm durch den Anwaltsjob zu erlangen, sondern

„Gott zu kennen, zu lieben und ihm zu dienen“.

Bei der Anhörung im Senat für ihren aktuellen Posten betonte Barrett 2017, dass sie sich nur vom Gesetz und nicht von ihrem Glauben leiten lassen werde. Dazu erklärte die heute 48-Jährige:

„Wenn Sie mich fragen, ob ich meinen katholischen Glauben ernst nehme: Ja, das tue ich. Obwohl ich betonen möchte, dass meine Kirchenzugehörigkeit oder mein Glaube die Erfüllung meiner Pflichten als Richterin nicht beeinflussen würde.“

Quellen: pro-medienmagazin.de, nytimes.com, rnd.de, dw.com,