Am gestrigen Freitag feierten katholische, orthodoxe und evangelische Christen den Ökumenischen Tag der Schöpfung, der seit dem Jahr 2010 von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) jährlich am ersten Freitag im September gefeiert wird. Es gelte, die Schöpfung als Geschenk Gottes wahrzunehmen, „das man pflegen und bewahren muss“, so Mitorganisator Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Im Mittelpunkt dieses Tages stehen das Lob des Schöpfers, die eigene Umkehr angesichts der Zerstörung der Schöpfung und konkrete Schritte zu ihrem Schutz. Die Idee, diesen Tag zu feiern, stammt aus der Orthodoxen Kirche. Im Jahr 1989 lud der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Dimitrios „die ganze orthodoxe und christliche Welt“ ein, am 1. September „zum Schöpfer der Welt zu beten: mit Dankgebeten für die große Gabe der geschaffenen Welt und mit Bittgebeten für ihren Schutz und für ihre Erlösung“.

Ist es heutzutage aber nicht naiv einen ‚Tag der Schöpfung‘ mit Blick auf die biblische Schöpfungsgeschichte zu feiern, wo wir doch naturwissenschaftlich so weit fortgeschritten sind?

Das ist ein Trugbild, das vor allem von Atheisten geschürt wird. Heutzutage sehen vernünftige Wissenschaftler wie auch Theologen keinen Widerspruch zwischen dem Glauben an einen Schöpfer und der Wissenschaft. Glaube und Naturwissenschaft widmen sich vielmehr unterschiedlichen Erfahrungsbereichen.

So ist die Bibel keine Schrift zur Erklärung physikalischer oder biologischer Zusammenhänge. In der Bibel wird deutlich: „Deus Caritas est (Gott ist Liebe)“, wie es Papst Benedikt XVI. in einer Enzyklika beschrieb.

Als 2012 durch Physiker am CERN das Higgs-Bosons entdeckt wurde, gratulierte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dem internationalen Physiker-Team zu seiner neuen Erkenntnis, die vermutlich wegweisend für die Forschung sein werde und sagte:

„Es ist begrüßenswert, dass die Wissenschaft mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versuche, immer tiefer in die Geheimnisse unserer Welt einzudringen und sie für die Menschen verständlich zu machen“.

Der Erzbischof betonte, dass auch durch neue Erkenntnisse „kein Widerspruch zwischen christlichem Glauben und Wissenschaft“ entstehe.

Gleichermaßen gelte für die Theorie des „Urknalls“ wie auch für das Higgs-Boson, dass ihnen ein göttlicher Schöpfungsakt zugrunde liegen müsse.

Zugleich müsse sich der Mensch aber auch immer seiner Grenzen bewusst sein und anerkennen, „dass unser Verstand niemals die Größe Gottes mit einer naturwissenschaftlichen Formel auf den Punkt bringen“ werde. Bischof Schick erinnerte an den Heiligen Augustinus, der den Versuch, die Unergründlichkeit Gottes zu verstehen, damit verglich, das Meer mit einer Muschel auszuschöpfen.

Die Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot Käßmann brachte es in einem Interview im Oktober 2017 sehr schön auf den Punkt und sagte:

„Die Schöpfungsgeschichte ist ein wunderbares Bild. Sie ist die großartige Erzählung eines frommen Menschen, der die Schöpfung durch Gott beschreibt. Aber natürlich ist klar, dass der physikalische Vorgang nicht in sieben Tagen stattgefunden hat. Nur, ich kann das zusammendenken. Der verstorbene Physiker Hans-Peter Dürr hat gesagt, dass kein Mensch erklären kann, woher die Energie des Urknalls kam. Es gibt ja auch ein Staunen über die Welten des Kosmos, die wir überhaupt nicht kennen und entdeckt haben. Also, ich kann in der Schöpfung trotzdem göttliche Kraft sehen.“

Auch Naturwissenschaftler, wie u. a. Max Planck, John Lennox, Francis Collins oder Harald Lesch, sehen keinen Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft und waren bzw. sind bekennende Christen (wir berichteten). Dazu betonte Harald Lesch einmal:

„Auf das Argument, Glaube und Naturwissenschaft schlössen sich aus, antworte ich: Mein Freund, du hast keine Ahnung von Naturwissenschaft.“

In seiner ZDF-Sendung ‚Lesch-Kosmos‘ nahm der Astrophysiker und Philosoph Prof. Harald Lesch mit Fragen wie „Wieso kann es kein ‚Null-Energie-Universum‘ geben?“ oder „Warum gibt es nicht Nichts?“ die Zuschauer mit auf eine Reise an die Grenze zwischen Kosmologie und Philosophie.

 

 

Die Schöpfungsgeschichte sagt uns nun, dass dieser Anfang in Gott liegt: „Gott sprach, es werde Licht!“ Die Bibel bringt weiter zum Ausdruck, dass unsere Welt eben kein Zufall ist bzw. aus dem Chaos / Nichts entstanden ist, sondern dass die Welt, in der wir leben, eine Ordnung und eine Struktur hat, dass sie eine Gutheit hat und dass sie eine gegebene Schönheit hat, die wohl jedem schon mal tief bewusst wurde, z. B. auf dem Gipfel eines Berges oder bei einem Blick auf das Meer usw.

Die Naturwissenschaften der Neuzeit entstanden ungefähr um das Jahr 1600 n. Chr. und entwickelten sich rasant. Die Schöpfungsgeschichte der Bibel zu widerlegen, indem man sie naturwissenschaftlich durchleuchtet, ist bestenfalls interessant, aber, um es mit den Worten des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder auszudrücken, „albern und dem Thema nicht angemessen“ (das sagte er im Exklusiv-Interview mit PromisGlauben).

Auf die Frage, warum nicht Nichts ist, liefert die Bibel eine hoffnungsvolle und den Menschen tragende Antwort! Dies bekennen auf unserer Seite prominente Persönlichkeiten von heute und seit 2000 Jahren die unterschiedlichsten Menschen in allen Teilen der Erde.

 

Mehr zum Thema „Glaube & Naturwissenschaft“ gibt’s auch in unserem Beitrag „Ist der Glaube an Gott (ir)rational?“

 

Quellen: domradio.de, katholisch.de, welt.de und promisglauben.de

 

Autor: Markus Kosian