Andrea Nahles soll auf einem Parteitag am 22. April in Wiesbaden zur Parteivorsitzenden der SPD gewählt werden. Mit diesem Ereignis beschäftigt sich katholisch.de aktuell in einem Artikel. Denn: Sollte Nahles tatsächlich Parteivorsitzende werden, wäre das gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen wäre Nahles in der 155-jährigen Geschichte der SPD die erste Frau an der Spitze der Partei. Zum anderen wäre sie wohl die katholischste Vorsitzende, die die Sozialdemokraten je hatten.

Anders als die meisten ihrer Vorgänger ist Nahles – die sich selbst einst als „katholisches Mädchen vom Land“ bezeichnet hat – auch als Spitzenpolitikerin noch tief im christlichen Glauben verwurzelt. In der SPD, deren Verhältnis zum Christentum in den Anfangsjahren laut Mitbegründer August Bebel „wie Feuer und Wasser“ war, ist das immer noch etwas Besonderes.

Andrea Nahles bekennt sich offen zu ihrem Glauben und machte ihn auch zum Thema ihrer Biographie mit dem Titel „Frau, gläubig, links: Was mir wichtig ist“ und erkannte:

„Dass ich gläubig bin, finden manche überraschend.“

In Interviews zum Buch sagte sie u. a.:

„Mein Lebensoptimismus speist sich aus der Grundüberzeugung, dass es einen Gott gibt.“

Der Gott, der sich vor über 2000 Jahren in Jesus gezeigt hat. Dazu sagte die 47-jährige:

Mein Idol ist Jesus. (…) Mit keiner Person in der Geschichte habe ich mich so intensiv auseinander-gesetzt wie mit Jesus Christus. Es ist nicht leicht, Christus nachzufolgen, er ist kompromisslos anspruchsvoll. Und er ist radikal, was die Frage der Gerechtigkeit angeht.“

Eine hohe Wertschätzung zeigt sie auch aus eigener Erfahrung gegenüber dem Religionsunterricht und äußerte schon vor Jahren auf einer Veranstaltung des Religionspädagogischen Zentrums in Bayern:

Ich glaube nicht, dass ich den Sprung vom Kinderglauben zum Erwachsenenglauben geschafft hätte ohne den Religionsunterricht.“

Nahles wuchs in einem katholischen Elternhaus in der Eifel auf. Die Erziehung im katholischen Glauben prägte sie. Dazu sagte sie einmal:

„Mit 9 Jahren bin ich Messdienerin geworden, mit 14 in eine ökumenische Jugendgruppe gegangen. Das waren frühe Prägungen, sie haben meinen Wertekodex bestimmt. Und daraus leite ich mein politisches Engagement ab.“

Nach dem Abitur studierte sie Politik, Philosophie und Germanistik in Bonn. Parallel dazu stieg sie in der SPD auf: Bereits als 18-Jährige trat sie in die Partei ein, 1995 wurde sie Bundesvorsitzende der Jusos. Mitglied im SPD-Parteivorstand ist sie seit 1997, dem Präsidium gehört sie seit 2003 an. In den Bundestag kam sie erstmals 1998. Bevor sie Arbeitsministerin wurde, war sie vier Jahre lang SPD-Generalsekretärin.

Ihr christlicher Glauben gibt Nahles Orientierung für ihr politisches Handeln.

„Aus meinem Christsein lässt sich mein Kompass für Gerechtigkeitsfragen entwickeln“,

erklärte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Und weiter:

„Im Grunde entstand das linke, das sozialdemokratische Engagement aus meinem Engagement in der katholischen Kirche.“

So war Nahles unter anderem Messdienerin und in einer ökumenischen Jugendgruppe aktiv. Mittlerweile ist sie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Ihr Glaube habe sie als Mensch geprägt, lange bevor sie in die SPD eingetreten sei, betont sie. Damit „hausieren“ gehen wolle sie aber nicht. Trotzdem macht sie keinen Hehl daraus, dass im Bundestag bei ethischen Fragen ihr Glaube und das daraus abgeleitete Menschenbild eine wichtige Rolle spielen. Diesbezüglich sagte sie vor Jahren:

„Ich habe meinen Glauben nie vor mir hergetragen. Das ist für mich etwas, womit ich nicht hausieren gehen muss – und möchte. Aber es gibt Fragen, wo ich mich definitiv auch über die Fraktionsgrenzen als Christ positioniere, bei der Stammzellendiskussion oder bei der Frage, ob Gott in die EU-Verfassung soll. Das sind Punkte, bei denen ich mir sagen muss: Ja, da musst du dich jetzt als Christin bekennen.“

Genauso wie das Bekenntnis zum Nichtglauben akzeptiert werden sollte, erwartet sie aber umgekehrt, dass ihr religiöses Bekenntnis ebenso akzeptiert wird.

„Wenn Abgeordnete keine Angaben zur Religion machen, dann ist das ihr gutes Recht. Ich bin kein Missionar. Viele Leute wollen heute nicht mehr Mitglied einer Kirche sein. Ich erwarte allerdings, dass das religiöse Bekenntnis und das aktive Leben des Glaubens akzeptiert werden.“

Weiter äußerte sie:

„Und ich bin überzeugt: Christsein kann nie folgenlos bleiben, nicht privat und nicht politisch.“

Quellen: katholisch.de, bild.de, livenet.ch, rpz-bayern.de, chrismon.evangelisch.de und domradio.de