Angela Richter: „Ich war wieder zu Hause“
Angela Richter ist Regisseurin, Autorin und Publizistin. Auf ihrer Website wird sie als deutsch-kroatische Theaterregisseurin und Autorin vorgestellt; dort heißt es auch, dass sie in Berlin und Dubrovnik lebt, von Herbst 2022 bis Oktober 2024 Vertretungsprofessorin für Regie an der HfMDK (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main) war und regelmäßig für „Der Freitag“, „Die Welt“ und das „Republik Magazin“ schreibt.
Nun hat Richter in einem sehr persönlichen Beitrag bei Corrigenda offen über ihre Rückkehr zur Kirche geschrieben. Schon der erste Satz ihres Textes ist ein unmissverständliches Bekenntnis:
„Ich bin als Künstlerin wieder katholisch geworden.“
Wie Angela Richter in Corrigenda schreibt, wurde ihr Katholischsein in ihrem künstlerischen Umfeld geradezu zum Störfaktor. Sie schildert eine Szene auf einer Premierenfeier in Wien, bei der sie sagte ,Ich bin katholisch.‘ Daraufhin sei es gewesen, „als hätte jemand die Luft aus dem Raum gesaugt“.
Ihre eigene Geschichte aber begann ganz anders. Richter schreibt, sie sei „in Stuttgart in der kroatischen katholischen Mission groß geworden“. Über diese Zeit sagt sie:
„Mein Glaube war nie etwas Bedrückendes, sondern etwas Selbstverständliches und Schönes. Er gab mir Halt in einem Land, das mir lange fremd blieb.“
Doch diese frühe Glaubensselbstverständlichkeit hielt nicht einfach an. Richter beschreibt den Bruch mit einem knappen und starken Satz:
„Ich fing an darüber zu schweigen. Und mit dem Schweigen versiegte mein Glaube.“
Dann folgt eine der eindringlichsten Passagen ihres Textes:
„Glaube ist zwar ein Geschenk meiner Eltern, aber kein Besitz, den man einmal hat und dann behält. Er ist wie ein Muskel. Ohne Training wird er schwach und verschwindet.“
Was zurückblieb, nennt sie „ein riesiges, schwarzes Loch in meinem Innern“. Dieses innere Vakuum habe sie, wie sie selbst schreibt, auf viele Weisen zu füllen versucht. Als Lückenfüller benennt sie „Hedonismus“ sowie „Partys, Liebschaften, später Geld und Karriere“. Diese Verheißungen eines vermeintlich modernen Lebens hätten das Loch aber weiter vergrößert, bis sie an einen Punkt angekommen sei, an dem sie „aufgegeben und [sich] auf Gottsuche begeben“ habe, so Richter.
Besonders offen schreibt sie über diese Suchbewegung. Wörtlich heißt es bei Corrigenda:
„Ich begann Gott regelrecht zu stalken: Esoterik-Experimente, Yoga, Ayahuasca mit Schamanen aus Peru, halluzinogene Drogen – ich wollte Erleuchtung, Transzendenz, aber subito und bloß nicht zurück auf den ,peinlichen‘, alten Weg.“
Doch gerade dieser Weg führte sie offenbar tiefer in die Krise. Der Wendepunkt kam im Gebet. Richter beschreibt es so:
„Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich betete: ,Zeige mir, wo Du bist, wo meine Gemeinde ist. Gib mir ein Zeichen! Und bitte, bitte schnell, ich kann nicht mehr!‘“
Darauf folgt die Schlüsselaussage ihres Textes:
„Und Gott antwortete. Nicht mit einem Blitz, sondern mit einer maßgeschneiderten, geduldigen Liebe.“
Weiter schildert sie, dass sie in der Beziehung zu Gott „Schritt für Schritt“ und „Zeichen für Zeichen“ zurück zum Christentum geführt worden sei.
Der alles entscheidende Moment habe sich dann ausgerechnet im Kulturbereich ereignet, als sie dort einem Menschen begegnete, „der vor ein paar Jahren zum Katholizismus konvertiert war – ein Ex-Atheist“, schreibt Richter und formuliert über ihn die schöne Aussage, dass er ihre „erste echte Gemeinde“ geworden sei. Dank ihm, so meint sie, ging sie wieder in die Kirche, und machte dort die Erfahrung:
„Ich war wieder zu Hause.“
So wirkt Angela Richters Text nicht wie ein beiläufiges Kulturstatement, sondern wie ein bewusstes persönliches Bekenntnis. Gerade weil sie ihre Umwege, ihr Schweigen, ihre Leere und ihre Rückkehr so offen benennt, bekommt ihr Text eine besondere Intensität. Sie schließt mit den Worten:
„Die Tür ist offen. Kein Dresscode. Kein Türsteher. Nur eine Holzbank zum Niederknien – und die verrückte Behauptung, dass Gott da ist.“
Quellen: corrigenda.online, angelarichter.de


