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Die Physikerin Prof. Dr. Barbara Drossel, die Professorin für Festkörperphysik an der TU Darmstadt ist, plädierte im aktuellen Interview mit evangelisch.de dafür, in Glaube und Naturwissenschaft zwei Welten zu sehen, die Antworten auf unterschiedliche Fragen bereithalten. Die 55-jährige ist seit mehreren Jahren mit Vorträgen zum Thema „Glaube und Naturwissenschaft“ unterwegs und ist Autorin des Buches „Naturwissenschaftler reden von Gott“.

Wie viele andere renommierte Naturwissenschaftler wie etwa Harald Lesch, Heino Falke, Siegfried Scherer, John Lennox oder Francis Collins glaubt auch Barbara Drossel an Gott. Dazu sagte sie gegenüber evangelisch.de;

„Der Glaube ist für mich die Lebensgrundlage.“

Durch die Sinn-Frage sei sie zum Glauben gekommen und darüber zur Gewissheit, „dass es da jemanden gibt, der mich trägt, der mich begleitet und der mir Hoffnung gibt“. Und:

„Ich vertraue auf Gott, der bei mir ist und mich leitet; mir Kraft gibt.“

Durch diese Rückbindung gehe auch vieles einfacher im Leben, betonte sie weiter.

Unbehagen bereiten ihr sowohl kreationistische Ansichten, die den christlichen Glauben unglaubwürdig machen, als auch „populärwissenschaftliche Sendungen und Bücher“, die den Eindruck vermitteln, dass die Wissenschaft Gott widerlegt habe.

Naturwissenschaft und Glaube sind für Barbara Drossel zwei unterschiedliche Zugänge der Erkenntnis. Bei der Naturwissenschaft gehe es darum, „innerweltliche Vorgänge zu verstehen sowie die Regelmäßigkeiten und mathematischen Prinzipien, nach denen sie ablaufen“. Beim Glauben hingegen gehe es um „die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Gott oder nach der Ewigkeit“. Dies seien „ganz andere Fragen, für die die Naturwissenschaft nicht zuständig ist“.

Dazu erklärte sie, dass es im wissenschaftlichen Bereich „viele offene Fragen“ gebe, die über die Fragestellung selbst hinausgehen. Und weiter:

„Die Frage, warum es Naturgesetze gibt, ist zum Beispiel keine Frage, die in der Naturwissenschaft selbst zu beantworten ist. Hier könnte man antworten: Gott wollte es so.“

Im evangelisch.de-Interview beschreibt Barbara Drossel weiter, dass Gott in ihren Augen eine notwendige Voraussetzung ist, dass wir Menschen verantwortungsvoll handeln und dass wir die Naturgesetzte überhaupt verstehen können,

Weiter gab sie zu bedenken, dass „das Universum nicht funktionieren würde, wenn die Naturgesetze nur ein kleines Bisschen anders wären“. Genau diese Tatsache veranlasst sie zu der Frage:

„Warum sind die Naturgesetze und -konstanten also genau so, dass Leben möglich ist?“

Eine befriedigende Antwort findet sie auf diese Frage im christlichen Glauben.

Auch bei der Frage nach dem Bewusstsein, mit dem Menschen „wahrnehmen, entscheiden und handeln“ sei die Physik begrenzt. In diesem Zusammenhang bemerkte Barbara Drossel:

„Damit sind wir auch bei der Frage nach Gott als eine ewig existierende geistige Realität, die der Ursprung von allem anderen ist.“

Zwischen Glaube und Naturwissenschaft gebe es in ihren Augen „eine Menge Schnittstellen“.

Christlichen Fundamentalismus, der „eine wortwörtliche Auslegung des Schöpfungsberichtes“ vertritt, lehnt sie ebenso ab wie atheistisch-naturalistischen Fundamentalismus, der behauptet, dass Naturwissenschaft den Glauben an Gott widerlege. Dazu gab sie zu bedenken, dass eine rein naturalistische Sichtweise auch Glaubenssache sei und betonte:

„Naturwissenschaft beschreibt lediglich mathematische Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten.“

Die Frage nach dem Ursprung sei eine weltanschauliche Interpretation. Und zwar unabhängig davon, ob man annimmt, dass „die Gesetze aus sich selbst heraus die Welt am Laufen erhalten“ oder ob man davon ausgeht, dass „die Gesetze von jemand anderem aufrechterhalten werden“, stellte Barbara Drossel klar.

In einem Streitgespräch mit dem Primatenforscher Volker Sommer darüber, in welcher Beziehung Wissenschaft und Religion stünden, äußerte Barbara Drossel auf die Frage, ob es Gott gebe:

„Ja. Denn was ist die letzte Realität? Was ist das, was absolut, ewig, aus sich heraus existiert, was ist der Urgrund von allem anderen? Dass die letzte Realität eine geistige ist und dass Materie vergänglich ist und von dieser geistigen Realität erschaffen wurde, finde ich jedenfalls plausibler als die gegenteilige Annahme.“

Quellen: evangelisch.de, spektrum.de

 

Hier ein Interview von Barbara Drossel mit dem christlichen Medienmagazin Pro über ihr Verständnis von Glaube und Naturwissenschaft: